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Alhohol am Steuer viel gefährlicher als Cannabis

Selbst Alkoholgenuss innerhalb der Toleranzgrenze von 0.5 Promille führt zu mehr Unfällen als Cannabis.

Eine Studie über die Häufigkeit von tödlichen Unfällen unter Alkohol- oder Cannabiseinwirkung bringt die französische Regierung in schwere Beweisnot. So hatte man ursprünglich gehofft, eine von der Regierung in Auftrag gegebene Studie würde mit wissenschaftlichen Mitteln beweisen, dass Cannabis die Fahrtüchtigkeit ebenso stark oder noch mehr beeinträchtigt als Alkohol und nun erweist sich diese seit 2003 im Voraus mit hohen Gefängnisstrafen und Bussen belegte Annahme als unhaltbar.

Ein Fahrer, der Cannabis geraucht hat, ist fast 2-mal (1.8-mal) gefährdeter, einen tödlichen Unfall zu verursachen als ein nüchterner Automobilist. Unter Alkoholeinfluss, selbst innerhalb der vom Gesetz erlaubten 0.5 Promille, ist das Risiko allerdings mit 8.5-mal weitaus höher. Zu diesen Erkenntnissen kam die Studie "Stupéfiants et accidents mortels de la circulation routière" (SAM), die vom Institut national de recherche sur les transports et la sécurité (Inrets) und dem Observatoire français des drogues et des toxicomanies (OFDT) durchgeführt und koordiniert wurde.

Es handelt sich weltweit um die erste epidemiologische Studie dieser Art. Sämtliche Fahrer, die in Unfälle mit eigener oder fremder Todesfolge verwickelt waren, wurden zwischen dem 30. September und dem 1. Oktober 2003 einer toxikologischen Untersuchung unterzogen. Von den 17’000 registrierten Fällen konnten 10’700 in die Studie einbezogen werden.

Bei den untersuchten Fällen wurden 2.4% (170 Todesfälle) der Unfälle mit Todesfolge direkt dem Cannabiskonsum zugeschrieben, während Alkoholkonsum für 28.5% (1940 Todesfälle) der Unfälle verantwortlich war. Selbst innerhalb der gesetzlichen Toleranzgrenzen von 0.5 Promille ist der Alkohol mit einem Wert von 3.3 gefährlicher als Cannabis und steigt mit zunehmender Promillezahl rapide an. Einzig in der Kategorie der jungen Männer zwischen 18 und 24 Jahren gab es mehr tödliche Unfälle durch Cannabiskonsum als durch Alkohol. Mit 3% ist die Zahl der Autofahrer unter Cannabiseinfluss ebenso hoch wie diejenige unter Alkoholeinfluss.

Die lang erwartete Studie, die ein Bestandteil des 1999 verabschiedeten Gayssot-Gesetzes ist, wurde im Frühjahr abgeschlossen und führte während des ganzen Sommers zu Streit zwischen Wissenschaftlern und Politikern, weil sie nicht die erwarteten Resultate hinsichtlich Cannabis erbrachte, die ein am 3. Februar 2003 in Kraft getretenes Gesetz untermauern sollten, das die Teilnahme am Strassenverkehr unter Cannabiseinfluss mit 2 Jahren Gefängnis und 4500 Euro Busse belegt.

Laut der Zeitschrift "Libération" wollte Transportminister Dominique Perben die Studie als Hauptargument in seinem Kampf gegen Cannabis benutzen und ist nun in Verlegenheit, weil die Regierung vor dem Inkrafttreten des Gesetzes die Resultate der Studie hätte abwarten sollen. Weder Perben noch Sarkozy oder Gesundheitsminister Xavier Bertrand sind bereit, die Verantwortung für das nun eingetretene politische Desaster zu übernehmen. Am 24. Januar dieses Jahres wusste Dominique de Villepin, damals Innenminister, noch mit Sicherheit: "17% aller Unfälle sind auf Drogenkonsum zurückzuführen!". Dazu ein Toxikologe: "Diese Zahlen sind völlig falsch. Es es handelt sich um Zahlenmaterial der Toxikologen- und Drogentest-Lobby, das von unseren Ministern und Abgeordneten seit 2 Jahren unreflektiert verbreitet wird". Während der Debatte um das Dell’Agnola-Gesetz wurde von rechtspolitischen Kreisen der Laxismus "einer halluzinogen-freundlichen Linken, die allein den Alkohol für gefährlich hält" angeprangert. Selbst Behauptungen wie "Drogen am Steuer sind sogar gefährlicher als überhöhte Geschwindigkeit", waren zu hören.

Wegen der politischen Brisanz der Resultate kam es so weit, dass die Autoren der Studie eine erste Veröffentlichung in der renommierten und unabhängigen wissenschaftlichen Zeitschrift British Medical Journal anstrebten, bevor die Studie der französischen Öffentlichenkeit vorgestellt würde.

Quellen : www.lemonde.fr, (Cécile Prieur, 4. Oktober 2005) ; www.libération.fr

Zum Thema :

- Drogues au volant : Matignon tousse

- Le journaliste Matthieu Ecoiffier de « Libération » a répondu aux questions des internautes

Redaktion: H. Cervantes, Hanf-Info

  • France : La première étude épidémiologique au monde met en évidence que l'alcool, loin devant le cannabis, est le facteur le plus dangereux dans les accidents mortels de la route. Au gouvernement français, la gêne est palpable face à des résultats qui rendent incohérent l'arsenal répressif en vigueur. L'étude SAM vient en effet quelque peu troubler les options gouvernementales en matière de sécurité routière : depuis la loi du 3 février 2003, l'usage du cannabis au volant, produit illicite, est sanctionné par une peine de deux ans d'emprisonnement et 4 500 euros d'amende.
Artikel modifiziert Dienstag 11. Oktober 2005 11:51, Erscheinungsdatum Montag 10. Oktober 2005 12:25

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