Behandlung eines Bandscheibenvorfalls mit Hanf
Seit sieben Jahren leide ich an einem Bandscheibenvorfall (Diskushernie) im unteren Lendenbereich (L5-S1), mit Ausdehnung auf L4-L5 und zahlreichen Nervenschäden. Der Hanfkonsum lindert meine ständigen Schmerzen im Rücken und hauptsächlich in den Beinen und Füssen. Hanf hat auch eine günstige Wirkung auf den Stress, den dieses behindernde Gebrechen auslöst und hilft mir, besser mit meiner durch die Krankheit zwangsweise unterdrückten Hyperaktivität zurecht zu kommen.
Dank meiner Hanftherapie muss ich nur selten zu Opiaten, synthetischen Schmerzmitteln, Steroiden und Benzodiazepinen [1] greifen. Bei den gelegentlichen Rückfällen gehe ich zum Orthopäden und lasse mich mit chemischen Medikamenten behandeln. Aber als alltägliche Therapie genügt mir der Hanf. Mein Beruf bringt es mit sich, dass ich in den verschiedensten Ländern arbeite. In manchen Ländern kann ich mir mein Medikament verschreiben lassen, in einigen anderen muss ich mit Sanktionen wie Bussen oder Gefängnisstrafen rechnen. Allerdings gibt es auf der ganzen Welt keine Apotheke, die mein bevorzugtes Therapeutikum Hanfharz oder Harzextrakt herstellen darf. Heutzutage ist eine Hanftherapie wirklich ein schwieriges Unterfangen!
Ich bin Journalist, 39 Jahre alt. Seit meinem 13. Lebensjahr konsumiere ich Hanf, seit ich 17 bin täglich. Ich habe mein Abitur gebaut, habe mein BTS [2] in Kommunikationswissenschaften und mein Diplom als Videofilmer ohne weitere Probleme geschafft. Einige Misserfolge an der Universität hatten weniger mit den Joints als mit der Politik, den Partys und den Mädchen zu tun. Während meiner Zeit als Buchhändler, Informatikverkäufer und Roadie habe ich jeden Tag 5 bis 8 Joints geraucht. Noch heute liebe ich den vom Hanf verursachten tiefen und doch kontrollierbaren Rausch, der mir hilft, die menschliche Komödie und die täglichen Widerwärtigkeiten besser zu ertragen. Dank den Joints kann ich meine gefährliche Neigung zu übermässigem Konsum von Alkohol, Heroin und Kokain im Zaum halten. Einmal rauchte ich während sieben Monaten nur reinen Hanf und schaffte es, ohne Zigaretten auszukommen. Leider hatte ich damals nicht genügend Hanf zur Verfügung und musste wieder mit Tabak mischen, was ein schwerer Fehler war. Obwohl ich eher von ängstlich-sensiblem Gemüt bin, habe ich noch nie Psychopharmaka wie Prozac oder Schlafmittel genommen.
Als ich anfing, Dokumentarfilme zu drehen, kam ich in sehr cannabisfreundliche Kreise. Bis zu meinem ersten schweren Ischiasanfall mit Lähmungserscheinungen hatte sich mein Hanfkonsum nicht verändert. Die Ärzte waren erstaunt, dass ich nicht früher gekommen war. Wahrscheinlich hatte der Hanf lange Zeit den Schmerz gedämpft und die Nerven entspannt. Aber einen mehr als 1 cm grossen Bandscheibenvorfall konnte auch der Hanf nicht heilen.
Obwohl ich sehr starke Medikamente einnehmen musste, war eine Operation unumgänglich. Danach war der Ischiasschmerz wieder erträglich, auch der Lendenschmerz, trotzdem habe ich bleibende Schäden und Rückfälle. Sehr oft habe ich fast unerträgliche Krämpfe, Muskelspasmen und einen steifen Rücken. Als Basismedikamente bietet mir die Schulmedizin muskelentspannende Medikamente, Benzodiazepine, mit denen man verblödet, Entzündungs- und Schmerzmittel wie Celebex [3], die Herzinfarkte verursachen können und süchtigmachende Schmerzmittel wie Antalvic [4] . Ein Freund riet mir zu Hanfharzextrakt (Haschischöl). Seitdem habe ich meinen Medikamentenkonsum erheblich reduzieren können.
Auf dieses stark THC-haltige Hanfprodukt spreche ich sehr gut an: die Krämpfe und Spasmen sind hinsichtlich Intensität und Häufigkeit deutlich vermindert, der Rücken ist weniger steif. Wegen der unerwünschten Wirkungen und um sozial funktionsfähig zu bleiben, muss ich die Einnahme auf die jeweilige Konzentration des Mittels einstellen, was nicht so einfach ist. Ausserdem darf ich dieses Medikament nicht weitergeben, denn unerfahrene Konsumenten könnten von (vorübergehendem) Unwohlsein erfasst werden. Da dieses Produkt selten und teuer ist, kommt es für den täglichen Gebrauch ohnehin nicht in Frage.
Eine ähnlich gute Wirkung hat hochwertiges Haschisch, das aber auch schwierig zu finden ist. Verfügt man über genügend Ausgangsmaterial, d.h. Hanfpflanzen, kann mit dem Iceolator [5] eine gutes Hanfharzprodukt hergestellt werden. Leider kann ich wegen der zahlreichen Liebhaber oder Feinden des Hanfs (Tiere, Pflanzenkrankheiten, Diebe, Polizisten) nie genügend Hanf zur Deckung meines Jahresbedarfs an Iceo anbauen. Häufig muss ich Blüten rauchen oder kaufen, was auf dem Schwarzmarkt gerade erhältlich ist.
Einige Blütensorten haben bei mir nicht die gewünschte, sondern die umgekehrte Wirkung, d.h. ich verkrampfe mich und die Schmerzen werden stärker. Einige Sorten Haschisch haben einen zu geringen THC-Gehalt oder enthalten irgendwelche Betäubungsmittel oder Gifte. Daher kann ich nicht sicher sein, dass die Behandlung immer wirkt. Ich habe bemerkt, dass die THC-Konzentration der ersten Dosis ziemlich stark sein muss, damit sich die Nerven entspannen. Allerdings möchte ich nicht drei Joints hintereinander rauchen, um diese Wirkung zu erzielen - umso mehr als ich mit dem Tabakkonsum aufhören will. Deshalb benötige ich Blüten und Blätter einer Hanfsorte, deren Wirkstoffe geeignet sind, mich zu beruhigen, deren Harz oder Harzextrakt also so rein wie möglich sein sollten.
Wenn ich die finanziellen Mittel hätte, könnte ich die beste Hanfqualität für meine Therapie in einem niederländischen Coffeeshop kaufen. Natürlich würde mir die Krankenkasse nichts zurückzahlen und ich könnte mit dem Medikament nicht nach Frankreich zurückkehren. Leider bekommt mir der Hanf aus den holländischen Apotheken ebenso wenig wie derjenige der amerikanischen und kanadischen Hanfclubs. Marinol und Sativex habe ich nicht wirklich ausprobieren können. Die gelegentlichen Tests mit diesen Präparaten haben mich kaum überzeugt. Diese Medikamente sind lediglich teure Ersatzprodukte und ich sehe nicht ein, wieso ich auf ein natürliches Originalprodukt verzichten soll, das mir bestens zusagt.
Mein einziger Wunsch ist, ohne Angst und Stress das Hanfpräparat beziehen zu können, das mir am besten hilft. Es wäre ein Leichtes für mich, Morphium für die Rückenschmerzen zu bekommen; Methadon, wenn ich Opiumpräparate möchte; Deroxat [6]gegen den Stress und Benzodiazepine gegen die Krämpfe. Aber wenn ich ein Hanfpräparat will, werde ich zum Kriminellen gestempelt! Dazu kommt, dass ich mit Cannabis körperlich und geistig leistungsfähiger bin. Nach Dutzenden von Studien mit ermutigenden Resultaten mussten das schweizerische BAG (Bundesamt für Gesundheitswesen), das französische Gesundheitsministerium und selbst die FDA (Food and Drug Administration der USA) das therapeutische Potential des Hanfes anerkennen. Trotzdem haben sich diese Institutionen nicht für die Zulassung von Cannabis eingesetzt und den Ball an die Politiker weitergegeben. Es ist in der Medizingeschichte nicht oft vorgekommen, dass nicht Wissenschaftler und Ärzte, sondern Politiker, Polizisten und Richter über den Gebrauch eines Medikamentes entscheiden!
Die Hanfdebatte sollte endlich in vernünftige Bahnen gelenkt werden. Den Benutzern von Medizinalhanf wird unterstellt, Krankheiten vorzuschieben, um leichter an Cannabis zu kommen. Was mich betrifft, so habe ich es keineswegs nötig, einen Arzt oder Apotheker aufzusuchen, wenn ich mich berauschen will. Trotz der Prohibition sind verbotene Produkt leicht zu finden. Allerdings ist mit der Schwarzmarktsituation die Dosierung und die Betreuung durch Fachpersonen nicht gegeben. Dies wäre die Vorbedingung bei der Verschreibung und kontrollierten Abgabe. Würden Ärzte dadurch zu Dealern in weisser Schürze entwürdigt? Ist es nicht eher so, dass die Konsumenten sich lieber an vertrauenswürdige Spezialisten für Medikamente als an Strassendealer wenden möchten? Wie soll man zu Hanf kommen, wenn man sich kaum oder gar nicht mehr bewegen kann, wenn man keine Beziehungen hat, wenn man arm ist und weitab wohnt? Die meisten Benutzer von Medizinalhanf haben zuerst zum Vergnügen konsumiert, viele von ihnen haben sozial diskriminierende Krankheiten wie Hepatitis C, AIDS oder Krebs. Ist es wirklich nötig, diese Menschen noch ein weiteres Mal auszugrenzen? Wieso kann es unsere Gesellschaft nicht hinnehmen, dass die Freude und der Spass durch das Berauschtsein zur Heilung beitragen oder sogar helfen, schlimme Schmerzen zu ertragen? Mögen wir diesen schwerkranken Menschen nicht einmal den harmlosen Cannabisrausch gönnen oder sind sie nicht mündig genug, um zu wissen, was gut ist für sie?
Der freie Zugang zu medizinischer Versorgung, der zu den grundlegenden Menschenrechten gehört, ist mit den heutigen Zuständen nur sehr unvollständig gegeben. Kranken Menschen die Hanftherapie zu verweigern ist barbarisch!
Notizen
[1] Benzodiazepine sind die derzeit wichtigsten und auch am häufigsten verwendeten starken Schlafmittel. Sie werden bei Ein- bzw. Durchschlafstörungen und auch als begleitende Arzneimittel für die Narkose eingesetzt. In der Orthopädie sind Benzodiazepine wichtige Präparate gegen massive Krämpfe und Muskelverspannungen
[2] Berufsbildungsgang in Frankreich, vor der Universität
[3] Celebex®: sog. COX-II-Hemmer. Die Gruppe von Medikamenten, zu denen auch das kürzlich vom Markt genommene Vioxx® gehört. Erhöhtes Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen
[4] Di-Antalvic®: starkes Schmerzmittel. Enhält die Wirkstoffe Paracetamol/Dextroproxyphen, letzterer ist ein süchtigmachendes Opiat. Paracetamol hat bei längerer Einnahme und hoher Dosierung schädliche Nebenwirkungen auf verschiedene innere Organe
[5] Extraktion und Konzentration des Hanfharzes mittels einer eisgekühlten Zentrifuge
[6] Deroxat®: Antidepressivum gegen Angststörungen. Gehört zur Gruppe der Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Das bekannteste Medikament dieser Guppe ist Prozac®











