Cannabinoid-Rezeptor schützt vor Darmkrebs
Cannabis weckt bei vielen Menschen Hunger. Damit bietet der körpereigene Cannabinoid-Rezeptor CB1, der für diese Wirkung verantwortlich ist, einen guten Ansatzpunkt für einen Appetitzügler. Tatsächlich ist in der EU seit zwei Jahren der Wirkstoff Rimonabant zugelassen, der den Rezeptor hemmt. Aber CB1, an den neben dem Cannabis-Wirkstoff THC auch körpereigene Cannabinoide binden, hat viele weitere Funktionen: So beeinflusst er unter anderem das Schmerzempfinden oder die Stimmung. Wegen der Nebenwirkungen von Rimonabant auf die Psyche haben die US-Behörden die Zulassung in den USA abgelehnt.
Nun zeigt eine neue Studie, dass CB1 maßgeblich vor der Entstehung von Darmkrebs schützt.
Von Walter Willems 09.08.2008
Die Krebsforscher um Raymond DuBois von der University of Texas in Houston entdeckten, dass der Rezeptor, der auf der Oberfläche von Zellen sitzt, bei den meisten Darmtumoren weitgehend inaktiv ist. Schon frühere Studien hatten ergeben, dass körpereigene Cannabinoide den Darm vor Entzündungen schützen, und damit vermutlich auch das Tumorrisiko senken. Die Mediziner aus Houston berichten in der Zeitschrift »Cancer Research« (Bd. 68, S. 6468), dass in 18 von 19 Tumorgewebe-Proben und in neun von zehn Darmkrebs-Zelllinien das für CB1 verantwortliche Gen zwar intakt war, aber durch Anlagerung einer Methylgruppe ausgeschaltet. »Wir haben entdeckt, dass die CB1-Expression in den meisten Darmtumoren verloren ist und dass dann ein krebsförderndes Protein den Zelltod verhindern kann«, sagt DuBois. Aus ihren Studien folgern die Forscher, dass bei Darmkrebs zunächst der CB1-Rezeptor aktiviert werden sollte, etwa durch Entfernen der Methylgruppe. Erst dann könnten Cannabinoide wirksam sein.
Was dies im lebenden Organismus bedeutet, untersuchten die Wissenschaftler an genetisch veränderten Mäusen, die verstärkt Darmpolypen – Vorformen von Tumoren – bilden: Schalteten sie bei den Tieren das CB1-Gen aus, so stieg die Polypenbildung um ein Vielfaches. Aktivierten sie dagegen den Rezeptor, so nahmen die Polypen ab. Offenbar sorgt CB1 dafür, dass Tumorzellen im Rahmen des programmierten Zelltods planmäßig absterben. Bei inaktivem Rezeptor leben die Zellen dagegen weiter. Dies liegt offenbar daran, dass CB1 die Aktivität des Proteins Survivin drosselt, das in den meisten Tumoren vorhanden ist. Mit Blick auf Rimonabant raten die Forscher Ärzten, vor dem Verschreiben des Mittels das Darmkrebsrisiko ihrer Patienten zu prüfen.











