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Cannabinoide bei Bewegungsstörungen

Cannabinoide scheinen bei hyperkinetischen Bewegungsstörungen (krankhafte Steigerung der Motorik mit z.T. unwillkürlich ablaufenden Bewegungen) sinnvoll eingesetzt werden zu können. Kontrollierte Studien zeigen eine deutliche Verminderung der Tics beim Tourette-Syndrom und eine Minderung bestimmter Bewegungsstörungen beim Parkinson Syndrom. Es ergaben sich auch Hinweise für Therapiemöglichkeiten bei Dystonien (fehlerhafter Spannungszustand von Muskeln und Gefässen) und einzelnen Formen krankhaften Zitterns (Tremor). Relevante Nebenwirkungen, die eine Behandlung mit Cannabinoiden begrenzten, traten in den bisherigen Untersuchungen nicht auf.

Chorea Huntington (CH)
Bei dieser schweren, angeborenen Nervenkrankheit (auch als "Veitstanz" bekannt) ergaben therapeutische Versuche mit Cannabidiol (CBD) und Nabilon (künstliches D-9-THC) keine günstige Wirkung, vermutlich weil bestimmte, durch die Krankheit verursachte Abbauprozesse im Gehirn zu weit fortgeschritten waren. Aufgrund verschiedener Beobachtungen an den behandelten Patienten lässt sich theoretisch schliessen, dass Cannabinoid-Rezeptor-Antagonisten die Symptome der CH lindern könnten.

Dystonie
Bei dieser aus sehr unterschiedlichen Krankheitsbildern zusammengefassten Gruppe von neurologischen Bewegungsstörungen liegt die Ursache in abnormen Vorgängen in bestimmten Bereichen des Gehirns. Die übliche Therapie mit Lokalinjektionen von Botulinustoxin A, Anticholinergika und Benzodiazepinen ist in den meisten Fällen von generalisierter Dytonie unzufriedenstellend. Erste, noch nicht kontrollierte Studien weisen darauf hin, dass z.B. Cannabidiol (100-600 mg/Tag über 6 Wochen) eine lindernde Wirkung auf die Bewegungsstörungen haben könnte.

Parkinson Syndrom
Auch das Parkinson Syndrom, die häufigste neurologische Erkrankung des fortgeschrittenen Lebensalters, hat seine Ursache in degenerativen Vorgängen des Gehirns. Die Krankheit charakterisiert sich durch verlangsamte und krankhafte Bewegungsabläufe, Steifigkeit, Zittern und Depressionen. Eine Studie mit Cannabidiol, eine andere mit Nabinol ergaben keine Verbesserung der Symptomatik. In einem einzelnen Fall zeigt sich eine Verbesserung der durch Levadopa (Therapeutikum bei PS) verursachten Nebenwirkungen. Dies lässt hoffen, dass Cannabinoide die schweren Nebenwirkungen der Levadopa-Langzeitbehandlung mildern könnten.

Zittern (Tremor)
Unter dem Begriff Tremor sind rhythmische, unwillkürliche und unkontrollierte Bewegungen eines Körperteils zu verstehen, die z.B. beim Parkinson Syndrom und bei multipler Sklerose oft vorkommen. In vielen Fällen gibt es keine wirksame Behandlung. Während beim PS unklar ist, ob Cannabinoide den Ruhetremor positiv beeinflussen, zeigte sich in verschiedenen klinischen Versuchen mit Patienten, die an multipler Sklerose litten, eine Verbesserung, wenn nicht ein Verschwinden des Händezitterns nach der Einnahme von D-9-THC oder dem Genuss einer Hanf-Zigarette.

Zsammenfassend kann durch die bisherigen Untersuchungen an Menschen und Tieren angenommen werden, dass Cannabinoide die Neurotransmission in den für Bewegungsabläufe zuständigen Basalganglien modulieren (Erhöhung GABAergen Transmission, Inhibition der Glutamat-Abgabe, Beeinflussung der Dopamin-Aufnahme). Die z.T. oben beschriebenen klinischen Studien zeigen, dass Cannabinoide bei hyperkinetischen Bewegunsstörungen wie Levadopa-induzierte Dyskinesie bei Parkinson-Patienten, Tics beim Tourette-Syndrom, einigen Formen von Tremor und Dystonien wirksam sind. In weiteren klinischen Studien muss noch untersucht werden, welches der Cannabinoide sich für die Behandlung von Bewegunsstörungen am besten eignet. Die bereits vorliegenden Daten lassen keine ernst zu nehmenden Nebenwirkungen erkennen. Dies lässt hoffen, dass die Cannabinoide in der Zukunft zur Behandlung und Linderung dieser schweren neurologischen Erkrankungen beitragen können.

Quelle:
K.R. Müller-Vahl et al., Forsch. Komplementärmedizin
1999;6(suppl):23-27
www.acmed.org
Ausführliche Unterlagen können bei Hanf-Info angefordert werden (info chez hanf-info.ch)
Artikel modifiziert Freitag 21. November 2003 13:18, Erscheinungsdatum Freitag 21. November 2003 13:17

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