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Cannabis veboten ? Kein problem mit neuen Super-Drogen

Kampf gegen neue Super-Drogen

Gefährliche Stoffe mit der 20-fachen Wirkung eines Joints gelangen völlig legal auf den Markt. Was die Fahnder berichten. Wie die Politik jetzt reagiert.

http://kurier.at 09.01.2011 Erich Vogl und Rainer Fleckl

Sie nennen es Secret Bomb. Explosiv und geheim. Wie treffend. Wie zynisch. Eine neue Droge, völlig legal zu erstehen. Der Lieferant aus Ungarn schickt den Stoff per Post. Ganz ohne rechtliche Probleme für Kunde und Verkäufer. Denn was nicht ist, kann auch nicht verboten werden. Eine weitere Episode in einem Wettrennen, in dem die Bösewichte offenbar stets um Meilen voraus sind.

Das könnte sich bald ändern. Im Gesundheitsministerium ersinnt man gerade eine taugliche Gegenstrategie. Ein Verbot des Handels mit Drogen, die so schwer zu fassen sind. Noch aber ist es noch nicht so weit. Noch wähnen sich die Dealer im Paradies, preisen ihre Waren himmelhochjauchzend an.

Bombastisch

Secret Bomb? Eine psychoaktive Mischung. Bestehend aus Substanzen, die sperrig klingen, aber bombastische Wirkung zeigen: JWH 122, JWH 250. Synthetische Cannabinoide, die dem Cannabis nahe sind, doch andere Strukturen aufweisen. Erfunden wurden die Stoffe in den USA. Für medizinische Zwecke (v. a. Schmerzlinderung). Doch waren die Nebenwirkungen nicht auszuschalten. Genau die machen diese Substanzen so begehrt im Drogenmilieu.

"Die Bezeichnung ,Bomb’ wundert nicht, denn die besagten JWH-Kombinationen dürften eine beträchtliche Wirkung haben", sagt Rainer Schmid, Spezialist am Wiener AKH. Konkret: Man multipliziere die Wirkung eines Joints mit 20. Von diesen Dimensionen geht Experte Schmid aus.

Die Gefahren seien nur ansatzweise abzusehen. Professor Schmid: "Aus toxikologischer Sicht gibt es keinerlei Erfahrungen. Es muss jedoch vermutet werden, dass Schizophrenie und schwere Psychosen die Folge sein können, vor allem bei dafür anfälligen Personen." Jugendliche seien besonders gefährdet.

"Das Abartige an der Geschichte ist: Das vergleichsweise harmlose Cannabis ist verboten, die wirklich gefährlichen Kombinationen sind legal zu bekommen", sagt Rainer Schmid und fragt sich, "warum man natürliches Cannabis angesichts dieser Umstände überhaupt noch verfolgt." Starker Tobak.

Grenzenlos

Wie der Großhandel mit legalen Drogen funktioniert? Ganz einfach: Man beschaffe sich die Rezepturen der jeweiligen Substanzen, schicke eine Mail nach China, wo einschlägige Pharmafabriken bereitwillig produzieren. Kundenwünsche werden erfüllt, nicht hinterfragt.

Wie der perfiden Geschäftemacherei beizukommen ist? Ganz schwer: Das World Wide Web ist kaum kontrollierbar. Doch können auf unteren Verkaufsebenen Schranken errichtet werden.

Kämpferisch

Nach einem KURIER-Artikel vom letzten August wurde immerhin die gefährliche Aufputschdroge Mephedron verboten, doch existieren Dutzende neue Generationen, die nicht so einfach auszuschalten sind, da manche Stoffe in Arzneien eine Rolle spielen.

Gesundheitsminister Alois Stöger gibt sich kämpferisch "Wir prüfen, wie man gegen diesen Handel rasch und wirksam vorgehen kann", er gedenkt, die Maschine wenigstens zu bremsen, wenn sie sich schon nicht stoppen lässt. Durch das Verbot von Handel mit synthetischen Rauschmitteln bei unprofessionellem Gebrauch. Alois Stöger: "Es bedarf wirksamerer Mechanismen auf EU-Ebene. Aber Fakt ist, wir prüfen zurzeit Möglichkeiten, wie man gegen diesen Handel rasch und wirksam vorgehen und die potenziellen Konsumenten vor Risiken möglichst effizient schützen kann." Sprich: Dealer, die ihre Ware bei Festen oder Clubbings feilbieten, könnten belangt werden. Es wäre ein wichtiger Schritt im Kampf gegen den gefährlichen Wildwuchs, zumal die jüngsten tragischen Fälle (mehrere Jugendliche mussten ins Krankenhaus, in England gab es sogar Tote) im Rausch der Partynacht passierten.

Für Wissenschaftler Schmid, der neben seiner Tätigkeit am AKH auch die Drogenberatungsstelle "Check It" leitet, ist es aber noch wichtiger, auf Gefahren hinzuweisen. Aufklärung und Warnung. Letzteres könnte in etwas anderem Sinn demnächst auch für die Dealer gelten. Verboten: Von Cannabis bis LSD

In Österreich sind Besitz und Verkauf von Cannabis (nach dem Suchtmittelgesetz) verboten. Ebenso wie Speed, Kokain, Ecstasy, GHB (Liquid Ecstasy), LSD, Psilocin (halluzinogene Pilze), Heroin sowie Opium-ähnliche Produkte. Die Institution "Check It" bietet die Möglichkeit für Konsumenten, Substanzen testen zu lassen. Leiter Rainer Schmid und sein Team versuchen auch bei Events und Clubbings, durch Aufzeigen von gesundheitlichen Gefahren präventive Wirkung zu erzielen.

Artikel modifiziert Sonntag 16. Januar 2011 23:32, Erscheinungsdatum Sonntag 16. Januar 2011 23:29

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