Cannatrade aus Der Bund 04.04.05
Kiffen für den Weltfrieden
Wenn die kämpferische Präsidentin der Vereinigung «Eltern gegen Drogen» die Hanfmesse «Cannatrade» in der BEA-Messehalle in Bern besucht, dann sind heftige Diskussionen programmiert. Zwar hat sich Sabina Geissbühler nach dem Besuch der letzten Messe geschworen, diese nie wieder zu besuchen - «ich habe mich unglaublich aufgeregt» -, doch auf Bitte des «Bund» ging sie heuer wieder hin.
· Beim Eingang der Messehalle werden Unterschriften für die Volksinitiative «Für eine vernünftige Hanf-Politik mit wirksamem Jugendschutz» gesammelt. Geissbühler liest die Argumente der Befürworter - sie kennt sie bereits auswendig - noch einmal durch und schüttelt dabei den Kopf. «Das ist absolut lächerlich», sagt sie deutlich. «Wer bestimmt, was unter ,Eigengebrauch‘ läuft, und wie soll der Bund Vorschriften über Anbau und Handel von Hanf erlassen?» fährt sie fort. So viel Bürokratie sei gar nicht möglich. «Das einzige, was wirklich nützt, sind Richtlinien - also ein generelles Verbot.» Willi Blaser, Chefredaktor der «Hemp Times», ist da ganz anderer Meinung. Er setzt sich stark für die Legalisierung des Hanfkonsums ein. Die Schliessung der Hanfläden bezeichnet er als Katastrophe, «mit jedem Laden, der geschlossen wird, gehen drei Dealer mehr auf die Strasse», ist er überzeugt. Die Hanf-Gegnerin findet diese Aussage «lächerlich», und schon bald liefern sich die beiden eine «Arena» im Kleinformat. · Es fällt auf, dass viele der Messebesucherinnen und -besucher aus dem Ausland angereist sind. Geissbühler spricht eine Gruppe junger Franzosen an, die sich gerade einen Joint drehen. In Frankreich sei der Konsum von Cannabis illegal und würde bestraft, erklärt einer der Gruppe. Darauf aufmerksam gemacht, dass dies in der Schweiz nicht anders sei, meint er, dass hier das Kiffen zumindest toleriert werde. Vielerorts wird geglaubt, dass in der Schweiz - wie in Holland - der Cannabis-Konsum legal sei, wie eine kleine Umfrage unter einigen Ausländern zeigt. Geissbühler findet das bedauerlich, «das Gerücht macht den Staat lächerlich». · Nachdem sich Sabina Geissbühler die ganze Messe angeschaut und einigen Ausstellern die Leviten gelesen hat, verlässt sie die Halle sichtlich verärgert über das «verkiffte Messevolk». Doch ihre Mission ist noch nicht zu Ende. Draussen spricht sie Wartende an und zeigt ihnen eine Broschüre der Vereinigung «Ärzte gegen Drogen», welche auf die Gefahren des Cannabiskonsums hinweist. Die Reaktionen fallen unterschiedlich aus: Während eine junge Frau zugibt, sich wegen des Kiffens manchmal nicht mehr gut konzentrieren zu können, aber nicht damit aufhören möchte, meint der Mann einer Schwangeren, dass das Baby den Geruch von Cannabis dereinst mögen wird. Eine junge Frau mit Rastalocken findet, dass viel mehr Menschen Cannabis rauchen sollten, «dann herrscht vielleicht irgendeinmal Friede auf der Welt». Ein etwas apathisch wirkender Teenager, dem Geissbühler die Gefahren des Cannabiskonsums erklärt, nimmt die Broschüre, schaut sie lange an und sagt schliesslich: «Ja, so ist es halt.»Lisa Stalder
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