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Den Grenzwert setzt der Husten

Der «Schwarze Afghane» kam im Test nur auf sieben Prozent, während 35 andere Proben zwischen 10 und 20 Prozent THCgesamt aufwiesen. Das IRM führte die Messungen für den «Kassensturz» durch (THCgesamt!?).

Pharmazieprofessor Rudolf Brenneisen: «Es ist wissenschaftlich völlig unbestritten: Es ist eindeutig das THC, das für die psychoaktive Wirkung des Hanfs verantwortlich ist.» Andere Cannabinole (gesamtTHC) wirkten sich lediglich auf die geschmackliche Qualität eines Joints aus.

Wie wird eigentlich der THC-Gehalt im Hanfkraut gemessen? Ein Besuch im rechtsmedizinischen Institut in Bern

Durch ausgeklügelte Züchtung schiessen die THC-Werte des Schweizer Hanfs seit Jahren in die Höhe. Das rechtsmedizinische Institut in Bern misst das THC in beschlagnahmtem Hanf - und erntet dabei regelmässig Kritik.

Simon JäggiDer Bund 17.03.2003

«Den Hanfgeruch kann ich schon lange nicht mehr ausstehen», sagt Werner Bernhard. Er ist Leiter der chemisch-toxikologischen Abteilung der Universität Bern im Institut für Rechtsmedizin (IRM). 2000 Hanfproben hat das Institut im letzten Jahr getestet, für die Kantone Bern, Aargau, Freiburg, Solothurn und Wallis. Bernhard: «Wir sind überlastet.» Während des Gesprächs unterschreibt er Testergebnisse von Alkohol-Blutproben, kopfschüttelnd hält er inne, wenn er einen besonders hohen Promillewert eines Autofahrers entdeckt.

Werte schiessen in die Höhe

Von den 2000 Hanfproben, die das Labor untersuchte, wiesen nur gerade drei Prozent einen THC-Gehalt unter einem Prozent auf. Ab 0,3 Prozent THC (Tetrahydrocannabinol) im Hanf gilt das Kraut gemäss einem Bundesgerichtsentscheid als Rauschmittel und der Verkauf als strafbar.

Die Hanfproben, die im Institut landen, stammen von Razzien in Läden und auf Plantagen - einige mit einem Wirkstoffgehalt von bis zu 30 Prozent. «Die THC-Werte sind in den letzten Jahren enorm angestiegen», stellt Bernhard fest. Vor wenigen Jahren hätten sich die Werte noch zwischen 1,5 bis 6 Prozent bewegt.

Grund für immer stärkeren Schweizer Hanf sei die gezielte Züchtung, vor allem bei Indoor-Pflanzen. Denn unter Kunstlicht vermögen die Produzenten das Wachstum des Hanfs zu optimieren. Eine «Kassensturz»-Sendung im Dezember letzten Jahres zeigte auf, dass die Schweizer Zuchtsorten sogar die «Klassiker» überholt haben. Der «Schwarze Afghane» kam im Test nur auf sieben Prozent, während 35 andere Proben zwischen 10 und 20 Prozent THC aufwiesen. Das IRM führte die Messungen für den «Kassensturz» durch.

Im Sommer wird der Nationalrat die Revision des Betäubungsmittelgesetzes beraten. Alles spricht dafür, dass der Konsum und Anbau für den privaten Gebrauch liberalisiert werden wird. Doch auf regionaler Ebene verschärfte sich in den letzten Monaten die Repression. Parallel dazu blüht der Hanfverkauf, alleine in Bern sind der Stadtpolizei etwa 20 Hanfläden bekannt, gut 30 weitere verkaufen «Duftsäckchen» unter dem Ladentisch. Viel Stoff für das IRM.

Nein, beteuert Bernhard, er empfinde die Hanftests nicht als Sisyphosarbeit. «Noch gilt das Gesetz», sagt er. Sein Labor arbeite für die Rechtspflege, wiederholt Bernhard mehrmals, «nicht für die Debatte».

«Abstruse Vorfwürfe»

Denn in dieser Debatte wird das IRM und sein Leiter Werner Bernhard seit Jahren angegriffen. Die Schweizer Hanffreunde etwa mäkeln, dass nicht die Züchtungen, sondern die Methoden des IRM verantwortlich für die hohen THC-Werte seien. Der Anwalt der Hanffreunde, Jean-Pierre Egger, versuchte das IRM schon mehrmals wegen Urkundenfälschung anzuklagen, auf die Klagen wurde aber nie eingegangen. Bernhard nennt die Vorwürfe «schlicht abstrus».

«Wissenschaftlich unbestritten»

Andrea Simon von der Schweizer Hanf-Koordination (SHK) bestreitet zwar, dass für die steigenden THC-Werte die gerichtsmedizinischen Methoden verantwortlich seien. Simon stört es aber, dass das IRM neben dem THC, meist keine weiteren Cannabinole misst - bei der gaschromatografischen Methode, die das IRM oft anwendet, werden diese nicht erfasst. Simon: «Sie tragen aber auch zum Rausch bei.»

Dem widerspricht der Berner Pharmazieprofessor Rudolf Brenneisen: «Es ist wissenschaftlich völlig unbestritten: Es ist eindeutig das THC, das für die psychoaktive Wirkung des Hanfs verantwortlich ist.» Andere Cannabinole wirkten sich lediglich auf die geschmackliche Qualität eines Joints aus. Deshalb sei es legitim, wenn die Gerichtsmedizin lediglich den THC-Gehalt messe. Brenneisen erforscht seit Jahren die heilenden Wirkungen des Hanfs. In Hanfkreisen wird er liebevoll als «Dr. THC» bezeichnet.

Sinken die Werte wieder?

Da der Verkauf von Drogenhanf verboten ist, werden die THC-Werte selbstverständlich nicht deklariert. Gerade für junge Konsumenten sei es gefährlich, wenn sie starke Sorten zu hoch dosierten, sagt Gerichtschemiker Bernhard. Das könne einen «ziemlichen Horrortrip» auslösen. «Man erbricht einfach», meint dagegen Andrea Simon von der SHK.

Doch vielleicht verschwinden die hohen THC-Werte allmählich von selbst. «Die Kenner unter den Kiffern wollen gar keine hohen Werte», weiss Simon. Je mehr THC im Joint stecke, desto grösser werde nämlich der Hustenreiz.

Die Methoden

Das IRM wendet drei Methoden an, um den THC-Gehalt im Hanf zu bestimmen: Das Dünnschicht-Verfahren, die Gaschromatografie und die Hochdruckflüssigchromatografie. Die beiden ersten Analysen bestimmen den gesamten THC-Wert, im letzteren, modernsten Verfahren werden neben dem THC auch weitere Cannabinole gemessen. Im Hanf ist das THC an Kohlensäure angebunden, erst durch Erhitzung wird das THC frei und kann berauschend wirken. «Analysieren wir eine Probe mit allen drei Methoden - der gesamthafte THC-Gehalt bleibt sich gleich», sagt IRM-Leiter Bernhard und wehrt sich gegen Kritiker, die behaupten, die Methoden machten die hohen THC-Werte aus.

Erscheinungsdatum Sonnabend 8. April 2006 19:38

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