Text vergrössernText NormalgrösseText verkleinern

Der Bau auf Hanfbasis

Während Jahrzehnten hat der Hanf (Cannabis Sativa) den Menschen im täglichen Leben begleitet. Wer weiss heutzutage noch, dass der Hanf jahrzehnte lang eine Grundaterie im Alltag war?
Es gibt 25 000 mögliche Anwendungen und vermutlich noch viele mehr, wenn man jeden Bestandteil der Pflanze nutzt. Das Potential dieser Pflanze ist grenzenlos. Man kann die gewünschte Anwendung wählen:

Die ganze Pflanze: Landwirtschaft, Medizin

Die Fasern: Textile und Seilwerk, Papier

Die Samenkörner: Ernährung, Kosmetik, Farben und Lacke, Kunststoffharz

Die Schäben (Späne, Stängel): Bau, Kunststoffe

Die Seilwerke und die Segel von Christoph Kolumbus waren aus Hanf. Der Hanf wurde zum Ankleiden, zum Essen, zum Papier schöpfen und für hundert andere Anwendungen gebraucht, bis zu den bemerkenswerten Fortschritten in der Medizin: heutzutage gibt er uns seine Geheimnisse preis. Seit zehn Jahren kennt der Hanf eine erstaunliche und würdige Wiederentdeckung. Mit unseren heutigen Umweltproblemen erreicht er ökologisch gesehen 100% und verdient unsere ganze Aufmerksamkeit. Was uns im Moment interessiert, ist die Anwendung des Hanfs im Baugewerbe. Mehrere Länder zeigen ein wachsendes Interesse am Gebrauch von Hanf auf dem Bau. Vielleicht will es heute die Ökologie, dass der Hanf seinen Platz im täglichen Leben wiederfindet.

Die Schäben (Stängel)
Die thermischen und akustischen Isolationen werden aus den pflanzlichen und natürlichen Schäben gemacht. Sie wird aus dem Stiel des Hanfs durch mechanische Entfaserung ohne jegliches chemisches Verfahren gewonnen. Das Isoliervermögen und die niedrige Dichte sind zwei Qualitäten der Schäben. Diese kommen vor allem von den morphologischen Eigenschaften der Schäben, die aus parallelen Gefässen bestehen, in welchen der Pflanzensaft fliesst. Da die Pflanze erst geerntet wird, wenn sie reif ist, hat sich der Saft zurückgezogen und Lufträume entstehen lassen. Dies verleiht den Schäben-Partikel die Isolations- und Dichtequalitäten.
Die Verhärtung (exklusives, patentiertes Kälte-Verfahren) macht sie wasserabstossend und feuerhemmend. Dieses Verfahren ist natürlich, braucht wenig Energie und es werden keine chemischen Produkte benutzt. Die Amerikaner, die immer auf der Suche nach "rentablen" Produkten sind, schätzen, dass Fasertafeln aus Hanf von besserer Qualität (Widerstand, Isolation, Durchlässigkeit) sind als Fasertafeln aus Holz, und dass sie deutlich weniger kosten.

Der Bau
Der im Bau angewendete Hanf besteht aus verarbeiteten Schäben, welche ohne chemische Behandlung gewonnen werden. Dieses Produkt wird besonders zur Zubereitung von Mörtel mit Bindemittel auf Kalkbasis bevorzugt. Damit werden die Schäben geschützt. Wegen der Saugfähigkeit der puren Schäben sollte man den Hanf nicht alleine als Isolation benützen (Feuchtigkeitsschäden).

Der Isolierhanf, aus entstaubten, kalibrierten und feuerfesten Schäben, welche durch Mineralsalze umhüllt werden, kann seine Qualitäten in der Isolation ausspielen(erhöhtes Isoliervermögen, thermischer Widerstand, sehr niedrige Dichte). Das Isolieren mit Isolierhanf lässt sich leicht und effizient von Hand ausführen, zum Beispiel zur Isolation von Holzdecken und Dachböden. Das Isoliermaterial wird zum Renovieren, für Neubauten und in der Produktion von leichtem Isolierbeton gebraucht, welcher für nichttragende Mauern, Nivellierung und Isolation von Böden, Füllen von Balkenlagen und Holzschalungen, Dachisolationen, Dachböden, Mauerisolationen, usw. verwendet wird. Mit diesem Produkt erzielt man eine Energieeinsparung, akustischen Komfort. Es entsteht ein gesunder Bau, der "atmet". Das sind die Qualitäten dieses natürlichen pflanzlichen Produkts.
Der Isolierhanf kann mit einem Binder gemischt (natürlicher Kalk oder Sand), mit der Maurerkelle bearbeitet oder in Schalen gegossen werden. Es ist ein akustischer und thermischer Isolierstoff, ohne dass Kondensierung entsteht. Er verfault nicht, ist unbrennbar, von Natur aus fungizid und für Nagetiere und Insekten ungeniessbar. Anders gesagt kombiniert dieses halb pflanzliche, halb mineralische Material nur die jeweiligen Vorteile des Holzes und des Zements.
Die Unterschicht der schwimmenden Unterlagsböden ist aus Schäben mit natürlichem Asphalt überzogen, welche so die Bindung und das Blockieren ohne Zugabe von jeglichem Additiv während des Erstellens des Bauwerks sicherstellt. Das Produkt wird auf dem Boden verstrichen, nivelliert und leicht festgestampft. Auf dieser Unterlage erreicht man einen schwimmenden Unterlagsboden, indem man eine Trennschicht dazwischen einfügt. Dies ermöglicht es, in einem einzigen Arbeitsgang die Anforderungen, die an einen schwimmenden Unterlagsböden gestellt werden, zu erfüllen. (Trennung des Bodens und des Unterlassbodens, Nivellierung der Böden, thermische und akustische Isolation).
Das Isolationsmaterial ist auch ein interessantes Produkt, weil es die Eigenschaften eines 100% Öko-Produkts hat: Es entsteht aus einer einjährigen Pflanze, seine Herstellung ist umweltschonend und es werden keine synthetischen und chemischen Produkte benötigt. Seine Aufbereitung, sein Vertrieb und sein Gebrauch tragen dazu bei, Heizkosten einzusparen und seine Unverderblichkeit ermöglicht eine Reintegration in die Natur. Es kehrt in den biologischen Zyklus zurück, ohne für die Umwelt belastend zu sein.

Alternative zu Holz
Die Nachfrage nach zusammengesetzten Produkten wie Briketts oder gepresstem Holz nimmt stark zu. Der Hanf ist ein ausgezeichneter Holzersatz. Die Washington State University hat das Wood Composite Laboratory darum gebeten, den Hanf für den Gebrauch in Holztäfelungen mittlerer Dichte zu testen. Die Resultate haben gezeigt, dass der Hanf zweimal resistenter als Holz ist. Forschungen sind aktuell im Gange, um Alternativen zu toxischen Bindemitteln wie den Formaldehyden zu finden, z.B. durch Derivate des Hanföls. Polen und andere Oststaaten sind im Moment die bedeutesten Hersteller dieser neuen Materialien.
Unterlagsböden werden aus feuchtem oder trockenem Material hergestellt. Wegen seiner Eigenschaften ist Isolierhanf besonders für die Anforderungen von trockenen Unterlagsböden oder von Renovationsarbeiten geeignet. Die Vorbereitung ist einfach, es ermöglicht den Feuchtigkeitsabbau und sichert jedem Bodenbelag eine totale Stabilität für einen sehr vernünftigen Preis.

Farben und Lacke
In den Jahren 1930 waren Leinöl und Hanföl Bestandteile der Farben, Harze, Lacke und Glasuren, bis die günstigen Erdölprodukte auf den Markt kamen und die natürlichen Produkte in den Farben und Lacken verdrängten. Da diese Produkte billiger waren, verschwanden die Farben und Lacke auf Hanfbasis aus den Grossverteilungsmärkten. Erst seit kurzem gibt es in Spezialgeschäften und Boutiquen Farben, Lacke oder Pastellfarben auf Hanfölbasis.

Kunststoffe
Heutzutage sind die meisten Kunststoffe aus Produkten auf Erdölbasis zusammengesetzt. Dennoch waren die ersten Kunststoffe auf pflanzlicher Basis, insbesondere aus Maiszellulose. Henry Ford hat 1941 sogar den Hanf zur Herstellung eines "pflanzlichen" Autos benutzt. Die Karosserie und die Stossstange waren aus Hanf, Sisal und aus Weizenstroh.
Der Hanf kann zur Herstellung von biologisch abbaubarem Kunststoff benutzt werden; er wird auf drei verschiedene Arten gebraucht:

- Auf Schäben-Basis können Cellophan-Verpackungen hergestellt werden (Cellophan- Zellulosehydrat, universal gebraucht bis in die dreissiger Jahre).
- Die Schäben können gemischt werden, 50% Hanf (oder Kenaf) mit 50% wiederverwertetem Kunststoff zur Herstellung von gegossenen Produkten.
- Ein Kunstharz von Qualität kann durch Polymerisation des Öls erzielt werden.

In Zukunft müssen Untersuchungen unternommen und Entwicklungen betrieben werden, bevor diese Produkte konkret auf dem Markt bestehen können.

Letzte Neuigkeiten
Die Firma Mercedes-Benz untersucht den Gebrauch von Hanffasern für den Ersatz von Glasfasern in der Produktion von Kunststoffstücken. Andere Naturfasern wie das Leinen wurden schon untersucht, da aber seit 1996 der Anbau von Hanf für industrielle Zwecke in Deutschland erlaubt ist, hat dieser sich wegen seiner Steifheit und der Möglichkeit ohne Pestizide kultiviert zu werden, durchgesetzt. Seit 1991 sucht die Firma Alternativen zur Glasfaser (schwer wiederverwertbar).
Ihre brasilianische Filiale in Sao Paolo hat sich als Pionierin erwiesen, indem sie Kokosnussfasern für die Lastwagen benutzt (nach "News about hemp" von Ecolution). In den fünfziger Jahren baute die türkische Firma Anadol de Bursa ein Auto, dessen Karosserie, nachdem der Wagen ausgedient und man ihn in der Natur gelassen hatte, ein Genuss für die Ziegen war. Offensichtlich war diese Karosserie aus Naturfasern wie Hanf gebaut.

Referenzen

- Pittet Pascal: Rte. Essertes, CH- 1502 Châtillens, Tel. & Fax.: 021/907 82 44, http://partisan.ifrance.com, E-Mail: partisan chez ifrance.com
- Chènevotte Habitat: France Périer et Francis Aujames, Le Verger, F-72260 René, Tel: +33 243 97 45 18, Fax: +33 243 97 65 44
- La chanvrière de l`Aube: Rue du Général de Gaulle, F-10200 Bar-sur-Aube, Tel: +33 (0)325 92 31 92, Chanvriere chez marisy.fr, http://www.marisy.fr/chanvriere
- Canosmose: Yves Khün und Dominique Sahli, Ferme de la Tuilière, F-26560 Montfroc, Tel : +33 492 62 00 74
- Nature et Habitat: 95, mas des gardies, BP 4054 / 30001 NIMES Cedex 5, Tel : 33 04 66 64 22 74, Fax : 33 04 66 23 98 77

Artikel modifiziert Montag 10. November 2003 17:28, Erscheinungsdatum Donnerstag 30. Oktober 2003 15:17

http://www.cannabis-helvetica.ch
http://www.swisshempshop.com