Der neue Nationampräsident Ernst Leuenberger: "Für unseren Pflegesohn haben wir im Garten Hanf gepflanzt"
Hippie Nummer eins kam einmal in Polizeigewahrsam weil er sich am Bahnhof in Olten mit Haschisch eindecken wollte. "Ich habe denen auf der Polizei gesagt, jetzt hätte ich genug von diesen Scheissereien. In Zukunft würden wir das Cannabis im Garten zum Eigengebrauch anpflanzen", erzählt Leuenberger. Noch im selben Winter zog Hippie Nummer eins unter Kunstlicht die Pflänzchen liebevoll an. Und im Sommer musste Leuenberger dann den neugierigen Spaziergängern erklären: "Das sind Tomaten." Hippie Nummer eins schloss übrigens unter dem Dach von Leuenbergers seine Ausbildung ab.
Zürich - 100 Schweizer Prominente bekennen sich zu ihren Haschisch-Erfahrungen. In Nagano werden Kiffer als Olympiasieger gefeiert. Haschisch ist salonfähig - aber immer noch illegal: Die Polizei beschlagnahmt die Droge tonnenweise.
In der Schweiz wird gekifft wie wild. Wer glaubt, die Polizei schaue dem nach wie vor illegalen Treiben tatenlos zu, hat sich getäuscht: 24’000 Verzeigungen wegen Konsum von Cannabis-Produkten weist die Statistik für 1996 aus. 3,5 Millionen Gramm Marijhuana, 676’000 Gramm Haschisch und 1’700 Gramm Haschischöl wurden beschlagnahmt - über vier Tonnen "Stoff"!
Und die Tendenz ist steigend. Richard Müller von der Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme: "Von einer neuen Cannabis-Welle würde ich nicht sprechen. Aber der Konsum nimmt sicher nicht ab".
Derweil bröckelt die Front der Drogen-Hardliner: 100 prominente Schweizer bekennen sich gegenüber Sonntags Blick offen dazu, schon einmal Haschisch geraucht zu haben. Und praktisch alle von ihnen treten für die Straffreiheit des Konsums ein:
Politiker: Gewerkschaftsmann André Daguet bezeichnet die Straffreiheit des Drogenkonsums als "Grundlage für eine neue Drogenpolitik".
Wirtschaftsführer: Man müsste Hasch wie Tabak und Alkohol als Genussmittel einstufen", meint Thomas Stiefel von Portable Shop Schweiz.
Kulturschaffende: "Ich bin absolut für die Freigabe. Am Meer zu sizuen und einen Joint zu rauchen ist einfach himmlisch", sagt Schauspieler Laszlo Kish.
Niemand würde zum ungehemmten Drogenkonsum aufrufen. Nur: Wie lässt sich Haschisch noch verteufeln, wenn ausgerechnet bekennende Cannabis-Konsumenten dieEhre der Schweiz retten? Der Snowboarder Gian Simmen ist bisher der einzige Schweizer Goldmedallien-Gewinner von Nagano - und steht zu seinem Hasch Konsum. Er ist nicht nur besser, sondern auch cleverer als die Konkurenz: Das Pfaffen hat sich Simmen in letzter Zeit verkniffen - wegen der Dopingkontrolle.
Die Schweiz ist im Hanfrausch. Jeder fünfte steht dazu, schon einen Joint geraucht zu haben. Die Strafverfolgung von Cannabis.Konsumenten stösst auf immer weniger Verständnis.
Dutzende Prominente bestätigen heute: "Ja, wir haben schon einen Joint geraucht." Sie sind in guter Gesellschaft. Eine repräsentative Umfrage hat ergeben: jeder fünfte steht dazu, Haschisch konsumiert zu haben.
Bei den Jungen steht Kiffen nach wie vor hoch im Kurs. 39% der unter 34jährigen haben Erfahrungen mit Haschisch gemacht. Aber auch in früheren Jahren hat man schon mal zum Joint gegriffen. Auf 150 Schweizer kommt immerhin ein (ehemaliger) Paffer.
Haschisch als Einstiegsdroge ? 26 Prozenz der Befragten mit einschlägiger Erfahrung gaben an, nur ein einziges Mal einen Joint geraucht zu haben.
Macht Haschisch süchtig? Expertenmeinungen mögen auseinandergehen, Die Konsumenten scheinen aber den Umgang mit der Droge im Griff zu haben: 32Prozent der Befragten greifen weniger als einmal im Monat zum Joint, 17 Prozent berauschen sich ein- bis dreimal im Monat.
Offensichtlicher Missbrauch lässt sich dennoch nicht wegdiskutieren. Fünf Prozent der Befragten mit Haschisch erfahrung sind praktisch permanent "verladen", ziehen sich mehrmals täglich einen Joint rein.
Richard MüllerDirektor der Fachstelle für Alkohol- ind andere Drogenprobleme, gibt denn auch eine "allgemeine banalisierung" der Hanf-Droge zu denken.
"Cannabis ist sicher nicht völlig harmlos", meint Müller, der trotzdem für die Straffreiheit des Konsums eintritt. Mit ihm die Mehrheit der Antwortenden in der Sonntags Blick-Umfrage: Nur 41 Prozent wollen an der Bestrafung des Haschisch-Konsums festhalten, 49 Prozent sind für die Legalisierung. Klar auch der Tenor der Prominenten die sich als (ehemalige) Kiffer outen. "Es bringt nichts, ein Genussmittel als illegal zu erklären", meint SP Nationalrat Andrea Hämmerle, Und Eugen David ist immerhin "versuchshalber für straffreien Konsum, nicht aber für straffreien Handel."
Fast jeden Tag 7%
Mindestens einmal pro Woche 13%
Zwei- bis dreimal pro Woche 17%
Seltener 32%
Habe nur einmal Haschisch konsumiert 26%
Nein 41%
Weiss nicht 10%
Die Umfrage zum Haschisch-Konsum wurde vom Meinungsforschungs-Institut Isopublic im auftrag von Sonntags blick durchgeführt. Befragt wurden am 12. Und 13. Februar 1998 623 Personen in der Deutsch- und Westschweiz. Ads Alter der Befragten liegt zwischen 15 und 74 Jahren.
Schon Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe kiffte. So, nach eigenem Bekunden, Im herbst anno 1797 zusammen mit Kollege Friedrich Schiller in Jena, Sie schmauchten "beim Mittagsmahl mittels einer Pfeife...ein süssliches orientalisches Harz...". Heute wird dieses harz Haschisch genannt.
Die Entdeckung rücken uns die zwei heroen der deutschen geistesgeschichte näher als "Iphigenie" oder "Jungfrau von Orléans", bis heute im Repertoire jeder subventionierten Theaterbühne.
Die Französische Literatur des 19.Jahrhunderts setzte den Genuss von Cannabis (Hasch) gleich mit Freiheit und Kreativität. Zu den berühmtesten Beführwortern zählten Victor Hugo ("Der Glöckner von Notre Dame", 1831), Alexandre Dumas ("Die drei Musketiere", 1844), und Charles Beaudelaire, der "Die Blumen des Bösen" (1857) erfand und die "Künstlichen Paradiese schuf.
Die Inspirierende Wirkung des Hanfharzes wurde nicht nur von Literaten geschätzt und verteidigt. In der Ahnengalerie der Kiffer finden sich bedeutende Künstler der verschiedensten Disziplinen wie Gustav Klimt, Louis Armsrong, die Beatles, die Rolling Stones, Bob Marley.
Nicht zu vergessen den Engländer Lewis Carroll, dem Schöpfer von "Alice im Wunderland" (1862). Denn wenn die Mamma den Kindern abends aus "Alice im Wunderland" vorliest und von der grossen blauen Raupe erzählt, die auf einem Pilz sitzt und Wasserpfeife schmaucht, will die Mutter bestimmt nicht zum Kiffen ermuntern. Wahrscheinlich weiss sie gar nicht, dass Lewis Carroll ein grosser Cannabis-Liebhaber war und viele Bilder in beflügelten Zustand entwarf.










