Die Brächete gehört zu Zäziwil wie der Zibelemärit zu Bern
Die Brächete in Zäziwil zieht seit 50 Jahren viele Besucher an. Die Begründer wollten mit ihr das Brauchtum weiterleben lassen. Morgen feiert sie Jubiläum - obwohl die eigentliche Brächete einiges älter ist.
Sie findet heuer zum fünfzigsten Mal statt und ist aus Zäziwil nicht mehr wegzudenken: die Brächete. Jeden letzten Mittwoch im September pilgern Leute aus nah und fern ins Emmental, um einen Einblick in das alte Brauchtum zu erhalten und den Märit zu besuchen. Doch woher kommt die Tradition? Einer, der es weiss, ist der Zäziwiler Hans Rudolf Burkhardt. Als Mitverfasser einer Gemeindechronik aus dem Jahr 1999 hat sich der pensionierte Lehrer intensiv mit der Brächete auseinander gesetzt.
Vier Männer, ein Ziel
Vor gut einem halben Jahrhundert kamen der Schriftsteller Karl Grunder, der Liederkomponist Oskar Schmalz und Fritz Krähenbühl, der Gründer der Emmentaler Handweberei Zäziwil, beim Wirt des "Weissen Rössli", Ernst Künzi, zusammen. "Den vier Männern lag viel daran, die handwerklichen Fähigkeiten weiterzuvermitteln", sagt Hans Rudolf Burkhardt. So sei die Idee für die erste Brächete entstanden. "Alles war noch sehr klein". Frauen, in schöne Trachten gekleidet, hätten demonstriert, wie der Hanf verarbeitet wurde, erinnert sich Burkhardt. Nur wenige Gegenstände seien ausgestellt gewesen.
Die letzte Zäziwiler Brächete, die keinem Vorführzweck diente, fand um 1950 auf einem Feld im Furt statt. "Die ursprüngliche Brächete war ein Arbeitsgang gegen Ende des Bauernjahres". Laut Hans Rudolf Burkhardt hatten die Frauen dabei das Sagen: Sie pflanzten im August den Hanf, banden diesen zu Büscheln ("Chlöbli") und hängten ihn unter dem Laubendach auf.
Weiter gings am Tag der Brächete. "Da die Verarbeitung aufwändig war, halfen sich die Menschen aus", sagt Burkhardt. Über der Glut bei der Feuerstelle ("Brächhütte") seien die Verholzungen ("Tingu") der Pflanzen ausgetrocknet und mit dem Brechbock ("Rätsche") ausgeschlagen worden. Aus den Fasern des Hanf ("Gschpinscht") wurden Tücher hergestellt.
Die Brächete ist ein Fest
"Bei der Brächete gehörten die Arbeit und das Gesellschaftsleben schon immer zusammen", sagt Hans Rudolf Burkhardt und schmunzelt: "Die Frauen zogen sich jeweils hübsch an und luden abends ihre Männer zu Gesang und Tanz ein".
Den Festcharakter behielt auch die neue Brächete ab 1955 bei. "Die Besucher kauften in der Käserei Emmentaler", sagt Burkhardt. "Der Laden war so gefüllt - die Landwirte konnten ihre Milch nicht mehr abliefern". Deshalb habe der Käser einen Stand aufgestellt, worauf andere gefolgt seien, erklärt Burkhardt, wie es zu dem Märit-Betrieb kam. Mit zunehmendem Interesse der Schulen gab es Führungen, und ab den 70er-Jahren fuhren die ersten Cars vor. "Auf dem Kronenplatz verursachte der Verkehr ein Chaos, und die Feuerwehr musste die Polizei unterstützen". Bis 10 000 Menschen seien damals angereist.
Gemeinde organisiert
Der Vorführplatz der Brächete ist noch heute beim "Weissen Rössli". Dafür müssen aber die Cars mittlerweile in Konolfingen parkieren, und der Verkehr wird umgeleitet. Seit einiger Zeit organisiert die Gemeinde und nicht mehr die Handweberei den Anlass. "Ohne diesen Schritt gäbe es die Brächete wohl nicht mehr; sie wäre zu gross", sagt Hans Rudolf Burkhardt.










