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Die Erfahrungen chinesischer und japanischer Zen - Meister

13 Ein Buddha

In Tokio lebten in der Meiji-Zeit zwei berühmte Lehrer von unterschiedlichen Charakter. Der eine, Unsho, ein Shingon-Lehrer, hielt die Regeln des Buddha peinlich genau ein. Er trank niemals berauschende Getränke, noch aß er nach elf Uhr morgens. Der andere Lehrer, Tanzan, ein Professor der Philosophie an der Kaiserlichen Universität, beachtete diese Regeln nie. Wenn er Lust hatte zu essen, so aß er, und wenn er Lust hatte, tagsüber zu schlafen, so schlief er. Eines Tages besuchte Unsho dem Tanzan, der gerade Wein trank, von dem eigentlich kein Tropfen die Lippen eines Buddhisten berühren sollte. "Hallo Bruder", begrüßte ihn Tanzan, möchtest du einen Schluck trinken?" "Ich trinke niemals", erklärte Unsho feierlich. "Wer nicht trinkt, ist kein Mensch", sagte Tanzan. "Glaubst du, du kannst mich unmenschlich nennen, nur weil ich nicht berauschenden Getränken fröne", ereiferte sich Unsho ärgerlich. "Wenn ich nicht menschlich bin, was bin ich denn dann?" "Ein Buddha", antwortete Tanzan.

[ aus "ohne worte-ohne schweigen" 101 ZEN Geschichten und andere Zen Texte aus vier Jahrtausenden, Barth Verlag, 1976 ]

P.S.

diese Zen_Geschichten aus über fünf Jahrhunderten geben die Erfahrungen chinesischer und japanischer Zen - Meister wieder. In den Koan (Denkaufgaben) sowie in den berühmten Ochsenbildern mit ihrem Kommentar über die Stufen des Erwachens und den 4000 Jahre alten Lehrsprüchen aus indischer Überlieferung wird das Wesen des ZEN offenbar.

Artikel modifiziert Donnerstag 22. Dezember 2005 09:10, Erscheinungsdatum Donnerstag 22. Dezember 2005 02:09

Forum des Artikels

> Die Erfahrungen chinesischer und japanischer Zen - Meister
Tja, leider erkrankte der den geistigen Getränken zugeneigte Philosophieprofessor später an einer Leberzirrhose, Buddha sei’s geklagt...

"Meidet die Extreme und suchet den Weg der Mitte", ein weises Wort des Erleuchteten, fürwahr.

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21 Januar 2006 von Heidi

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