Die Macht der Drogen, Uno verliert Drogenkrieg
Obwohl nahezu alle Delegierten den von der Uno ausgerufenen Kampf für "eine drogenfreie Welt" für gescheitert erklärt haben, sollen die Mitgliedstaaten unverändert der vorgegebenen Strategie folgen. Das beschloss die zuständige Uno-Kommission in Wien.
13 03 2009 von Max Borowski
Kritiker einschließlich des deutschen Vertreters hatten gefordert, sich lieber stärker auf die Linderung der Folgen von Drogenkonsum und Schmuggel zu konzentrieren, als weiter zu versuchen, die Drogenkriminalität auszurotten. "Nach unserer Meinung hätte die neue politische Erklärung zukunftsorientiert und mutiger sein sollen", sagte der deutsche Delegationsleiter Rüdiger Lüdeking in Wien.
Vom linken bolivianischen Präsidenten und ehemaligen Kokabauern Evo Morales über zahlreiche Nicht-Regierungsorganisationen bis zur EU-Kommission hatten nahezu alle Beteiligten auf der zweitägigen Konferenz in Wien festgestellt, dass in den vergangenen zehn Jahren praktisch keine Fortschritte bei der globalen Drogenbekämpfung erzielt worden seien.
Zwar hatte das zuständige Un-Büro für Drogen- und Verbrechensvorbeugung (UNODC) in seinem jüngsten Weltdrogenbericht einigen Ländern Fortschritte bescheinigt. Der weltweite Handel und Konsum illegaler Drogen ist jedoch seit Jahren nahezu unverändert stark.
UNODC-Chef Antonio Maria Costa wertete zwar als Erfolg, dass man den Drogenhandel immerhin auf hohem Niveau habe "begrenzen" können. Doch auch er gab zu bedenken, dass der Kampf gegen die Drogen "dramatische unerwünschte Nebenwirkungen" habe. "Während Ghettos brennen, wird Westafrika angegriffen, Drogenkartelle bedrohen Mittelamerika, und Drogengeld dringt in geschwächte Finanzinstitutionen ein."
Die schlimmsten Auswirkungen hat die Drogenkriminalität nach Angaben der Uno-Behörde derzeit in Mexiko, Westafrika und Afghanistan. Allein in Mexiko kamen im vergangenen Jahr rund 6000 Menschen im Kampf der Kartelle untereinander und mit den Sicherheitskräften ums Leben. In Westafrika, das zunehmend als Zwischenstation für den Kokainschmuggel von Lateinamerika nach Europa genutzt wird, drohen ganze Staaten in die Gewalt der Schmuggler zu fallen.
Allein für das winzige Guinea-Bissau schätzt die dortige Regierung, dass pro Woche rund 800 Kilo Kokain durch das Land geschmuggelt werden. Ein Milliardengeschäft, dessen Umsätze die legale Wirtschaftsleistung des Landes um ein Mehrfaches übersteigt. Beobachter vermuten, dass auch der Doppelmord am Präsidenten und dem Armeeführer Guinea-Bissaus Anfang des Monats im Zusammenhang mit der Drogenkriminalität steht.










