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Ein Teufel muss her...!

2001/03/17 - Le Lac

Nach Ende des 2. Weltkriegs stand ein riesiges Industrie-potential (Waffenfabrikation) ungenutzt. Man suchte damals nach neuen Industrien, versuchte dem Heer der Arbeitslosen wirksam zu begegnen und investierte in Kunststoffe, Kunstfasern und Erdoel. Eine Neuentwicklung jagte die andere und Amerika überflutete Europa und die übrige Welt mit Plastik und Baumwolle. Dass dabei der gute alte Hanf "als billiger und unglaublich vielseitiger Werkstoff" für die neuen Industrien und die wirtschaftliche Entwicklung sehr bald eine Konkurrenz und Bedrohung darstellte führte dazu, dass der Hanfanbau damals praktisch weltweit verboten wurde. Ein fragwürdiges Verbot, denn es beruhte nicht auf Missbrauch oder Drogenkonsum, sondern schlicht und einfach auf wirtschaftlichen Ueberlegungen und Interessen. Die spötere Verwendung von Hanf als relativ harmlose Droge (Alkohol und Nikotin sind bedenklicher) machte ihn schliesslich zum Politikum unserer Tage. Er wurde als unerwünscht "und als gesellschaftliche Gefährdung" schlechthin zum Teufel in Person erklärt...

André Fürst, der Hanf-Pionier
Der Widerstand gegen den Anbau von natürlichem Hanf ist etwa derselbe, als wollte man Bären auf freier Wildbahn im Seeland ansiedeln. "Möchtegern-Drögeler" und einseitige wirtschaftliche Interessen haben den wertvollen Hanf gründlich "versaut". Man denkt nicht mehr darüber nach was diese Pflanze seit Jahrtausenden für Mensch und Natur bedeutet hat, sondern redet gemeinhin nur noch von "Cannabis" - Anbau, Droge und Missbrauch, und hat vergessen, dass sich aus Hanf nicht nur Joints und Stricke drehen lassen. Die Hexenjagd läuft auf Hochtouren, die Zahl der Prozesse mehrt sich. Allein in den letzten 20 Jahren wurden 300’000 Personen verurteilt, und der "Ist-Zustand" beträgt 25’000 Gerichtsverfahren pro Jahr.

André Fürst aus Murten lässt sich nicht abschrecken: "ich scheue Prozesse nicht, ich baue Hanf an" sagt er: "die Menschen sollen diese Pflanze von ihrer besten Seite wiederentdecken, sollen zur Kenntnis nehmen wie vielseitig und wertvoll sie in Wirklichkeit ist".

Aus oekologischer Sicht (Aufwand Pestizide/Dünger bei Baumwolle, gegenüber dem Hanf der als Boden-verbesserer gilt), und in Anbetracht des grossen brachliegenden wirtschaftlichen Nutzungspotentials Baustoffe, Textilien, Papier, Medizin usw.) bedeutet das Hanf-Verbot eine Kollektivstrafe, die wir dem Missbrauch durch eine kleine Minderheit zu verdanken haben.

Ein interessanter und zukunftsweisender Schaubetrieb am Rande der EXPO.02
Oberhalb Murten (im Prehl) entsteht zur Zeit unter der Leitung des Initianten André Fürst der wohl grösste Hanf-Schaubetrieb in der Schweiz. Mit grossräumigem Hanfanbau aus natürlicher Saat, mit modernen Ernte-und Verarbeitungsmaschinen wird dem Besucher auf grossen Ausstellungsflächen in Oekonomiegebäuden gezeigt, wie vielseitig der Hanf verarbeitet und verwendet werden kann.

Als billiger und robuster Werkstoff für die Bau, für die Maschinen- und Autoindustrie (selbst Fenster lassen sich aus Hanf fertigen !) als preisgünstige erneuerbare Energie für Treibstoff, oder als Oele und Essenzen für Forschung und Medizin. Dass aber auch Textilien, Papier, Schönheitsprodukte und natürliche Heilmittel aus Wurzel, Pflanze und Blüte gewonnen wird, soll dem Besucher wieder in Erinnerung gerugen werden. Die Produktereihe liesse sich fast endloss fortsetzen, und wer das nächste Mal zu einer Schweizer-Banknote greift sollte daran denken, dass er Hanf in seinen Händen hält - denn auch sie ist ein Hanffaserprodukt...!

Artikel modifiziert Mittwoch 22. Oktober 2003 13:29, Erscheinungsdatum Sonnabend 17. März 2001 00:00

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