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Ein Wasserkopf macht Wind: der alljährliche INCB-Drogenreport

Bürokratien neigen dazu, sogenannte Wasserköpfe auszubilden - Institutionen, Abteilungen, Einrichtungen die ineffizient und von daher eigentlich überflüssig sind. Während dies bei kleinen Verwaltungen kaum ins Gewicht fällt, neigen Groß-Bürokratien auch zu großen Wasserköpfen, die schwerer zu verbergen sind. Es sei denn, um ihre Wichtigkeit und Effizienz wird regelmäßig Wind gemacht - mit Verlautbarungen, Pressekommuniques, Konferenzen etc., die Aktivitäten, Pläne und Erfolge der Institution herausstellen. Auch die riesige Bürokratie der Vereinten Nationen (UN) ist vor derlei Wasserköpfen nicht gefeit und eines der Paradebeispiele für eine ihrer ineffizientesten und von daher überflüssigsten Institutionen ist das „International Narcotics Control Board“ (INCB). Alljährlich veröffentlicht die in Wien ansässige Behörde einen umfangreichen Jahresbericht, der sich außer durch umfangreiche internationale Statistiken über den Gebrauch und die Beschlagnahme illegalisierter Substanzen regelmäßig vor allem dadurch auszeichnet, dass er viel Wind und heiße Luft macht. So etwa ließ der INCB durch die UN-Generalversammlung 1998 einen Plan absegnen, der innerhalb von 10 Jahren einen drogenfreie Welt schaffen sollte - ein von Anfang an unsinniges Unterfangen, an dem die Behörde aber bis heute festhält. Dass die seitdem erstellten Statistiken der Jahresberichte eine ganz andere Sprache sprechen und deutlich machen, dass man sich von diesem Ziel Jahr für Jahr weiter entfernt statt ihm näher zu kommen, hat den Suchtstoffkontrollrat bis dato nicht davon abgehalten, seine irrsinnigen Ziele zu revidieren. Kein Wunder, würde dies doch bedeuten, dass sich die Behörde selbst in Frage stellen müßte - und wer tut das schon freiwillig. Der Beamte, der seine eigene Planstelle revidiert, müßte erst noch erfunden werden. Und so veröffentlichte das INCB Anfang März wieder einen Jahresbericht, dessen Zahlenwerk einmal mehr deutlich macht, dass die internationale Drogenprohibition nicht funktioniert -und ausgerechnet dort, wo die härteste Verfolgung ausgeübt wird, nämlich in den USA, die Probleme am größten sind. „Nordamerika ist insgesamt der größte Markt für illegale Drogen weltweit. Schmuggel in großem Stil und die Herstellung von Drogen bereiten wachsende Sorgen, der Mißbrauch verschreibungspflichtiger Drogen scheint ein wachsendes Phänomen.“ (INCB-Report, S.46) Vor allem sei ein starker Ansteig dieses Mißbrauch bei jungen Leuten zu beobachten. Zum ersten Mal seit zehn Jahren, so vermerkt der Report, sei der Drogenkonsum bei Jugendlichen in der Mittelschule (secondary class) etwas zurückgegangen, was teilweise auf Medienkampagnen zurückgeführt werden könnte. Dass mittlerweile allerdings fast 30% der Schüler mit dem Amphetamin „Ritalin“ gefüttert werden, um so ihr „Aufmerksamkeits Defizit Syndrom“ (ADS) zu kurieren, verschweigt das INCB unterdessen.

Auch wenn im Vorwort des Berichts und an einigen anderen Stellen das Wort „Prävention“ auftaucht, hält das INCB insgesamt an den Prämissen der Prohibition fest und lehnt jede Art von schadensmindernder Drogenpolitik ab. Dass sich etwa Injektionsräume für Heroinabhängige als lebensrettende Maßnahme bewährt und die Zahl der Drogentoten deutlich heruntergebracht haben, ist der Behörde keine Zeile wert. Stattdessen werden Länder wie Portugal oder Dänemark gelobt, die die Einführung solcher lebensrettenden Einrichtungen 2004 ablehnten- eine Haltung die vom INCB „stark unterstützt“ wird. Ebenso starke Unterstützung findet die Ankündigung der Niederlande, die Zahl der Coffeeshops zu reduzieren - dass Holland mit den Coffeeshops seit Jahrzehnten gute Erfahrungen gemacht hat und der problematische Drogenkonsum sowohl von Cannabis als auch von anderen Substanzen deutlich geringer ist als in Ländern mit strenger Prohibition - auch diesen Zusammenhang verschweigt das INCB. Dafür zeigt man sich besorgt darüber, dass Cannabis-Samen (die keinerlei rauschwirksame Substanz enthalten) sowie Raucherzubehör in vielen Ländern frei verkauft werden dürfen. Vor einigen Jahren hatte das INCB dafür plädiert, sämtliche Produkte aus Hanf wie Textilien, Kosmetika oder Lebensmittel, der Prohibition zu unterwerfen, da diese zum Cannabismißbrauch animieren würden. Nicht nur diese Aktion zeigte, das auf den UN-Wasserkopf INCB, der immer noch und ausschließlich im Geiste Harry Anslingers der Verbotspolitik das Wort redet, nicht zu rechnen ist, wenn es um eine internationale Reform der Politik und eine Minderung der Drogenproblematik geht. Dass die Honorationen, die diesem angeblich unabhängigen Expertenauschuß angehören, keinerlei Verständnis für die Notwendigkeit von Reformen aufbringen, ist dabei kaum verwunderlich - wie schon der Romancier und Sozialreformer Upton Sinclair einst feststellte: „Es ist schwierig einen Menschen dazu zu bringen, eine Sache zu verstehen, wenn sein Gehalt davon abhängt, dass er sie nicht versteht."

Mathias Bröckers

Download des kompletten INCB Reports 2004 hier: http://www.incb.org/e/ind_ar.htm

Erscheinungsdatum Mittwoch 23. März 2005 23:53

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