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Faserhanf statt Zuckerrüben

Bauern in Ostthüringen suchen mit nachwachsenden Rohstoffen neue Geldquellen

Ostthüringer Zeitung

Von Angelika Schimmel

Auf den Feldern bei Lossen, Collis und Schellbach sind in diesen Augusttagen nicht nur Mähdrescher unterwegs.

Einen der zwei Hanfschneider steuert Hans Köhler. Der Oldenburger wird vom Maschinenring Altenburg dorthin vermittelt, wo die bis zu vier Meter hohen Hanfpflanzen am ehesten vom Feld müssen. Zum Beispiel in Zschippern, wo die Agrar eG Kauern auf vier Hektar Hanf stehen hatte.

"Alles was mit der Hanfernte zu tun hat, läuft über den Maschinenring", erklärt Ludwig Berthold, Chef des Kreisbauernverbandes im Altenburger Land und selbst Hanfanbauer. Nicht jeder Landwirt, der es mit nachwachsenden Rohstoffen auf seinem Land versuchen will, kann sich die Erntemaschinen leisten. Gemeinsam lohnt die Anschaffung dann schon.

Zwölf Bauern haben als erste in Thüringen 2003 rund 80 Hektar Faserhanf bestellt. Doch der Verarbeitungsbetrieb in Greiz, der ihnen die Pflanzen abnehmen wollte, ging pleite. Heute liefern die Bauern ihren Hanf an die Badische Naturfaseraufbereitung GmbH in Malsch bei Karlsruhe. Das ist zwar weit weg, doch offensichtlich hat man dort einen passenden Partner gefunden.

Im Vorjahr stand die uralte Kulturpflanze zwischen Altenburg und Gera schon wieder auf 140 Hektar, in diesem Jahr sind es rund 500 Hektar. "Uns bricht durch die EU-Politik bei den Zuckerrüben einiges weg, mit dem Hanf haben wir die Chance, aus der Landwirtschaft selbst heraus neue Wertschöpfung zu bringen", sagt Ludwig Berthold. "Wir haben Erträge von acht bis zehn Tonnen pro Hektar, das ist ein gutes Ergebnis." 800 bis 1000 Euro pro Hektar seien sonst nicht so schnell zu bekommen.

Nirgendwo sonst in Thüringen haben sich die Landwirte so mit dem Hanf angefreundet wie in der östlichsten Region, berichtet Günter Breitbart aus dem Landwirtschaftsministerium. "Der Anbau lohnt sich nicht ohne Aufschlussanlage", sagt er. Der Absatz müsse gesichert sein, wenn ausgesät wird. Deshalb sei der Ansatz der Altenburger, Erfahrungen zu sammeln und die Flächen langsam auszuweiten, richtig. Hanf sei eine gute Bereicherung der Fruchtartenvielfalt in Thüringen, doch "Bäume wachsen da noch nicht in den Himmel", meint er.

Als nachwachsender Rohstoff gewinnt der Hanf jedoch immer mehr an Bedeutung. In der Automobilindustrie werden Hanffasern zu Türverkleidungen und Stoßstangen mitverarbeitet, sie dienen als Dämmstoffe im Bau, kommen bei Nadelvliesen für Matratzen und Teppiche ebenso zum Einsatz wie als Trägervliese für Rollrasen. Auch in Thüringen, so am Institut für Technische Textilien und Kunststoffforschung in Rudolstadt, sucht man nach neuen Einsatz- und Verarbeitungsmöglichkeiten.

Wenn der Hanf geschnitten ist, macht ihm Regen nichts mehr aus, im Gegenteil. "Ab und an ein Schauer lässt ihn besser rösten", erklärt Berthold. Dabei löst sich der Faserstoff Lignin besser.

Indes schmieden die Bauern schon neue Pläne: Sie überlegen, ob der Bau einer eigenen Hanfverarbeitungsanlage nicht ein lohnendes Geschäft ist. 14.08.2005

Erscheinungsdatum Montag 12. September 2005 03:16

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