«Gefahr durch Cannabis» Differenzieren
Zitiert wird eine angebliche Studie des Swepp (Swiss Early Psychosis Project), die an 45 000 schwedischen Rekruten durchgeführt worden und jüngeren Datums sei - mit teils unwahren Folgerungen in Bezug auf Cannabis. Tatsächlich stammt die Studie aus dem Jahre 1987 und hat nichts mit dem Swepp zu tun. In der Studie (in der renommierten Fachzeitschrift «Lancet» publiziert) wurde gefunden, dass Cannabiskonsumenten ein erhöhtes Risiko haben, in den folgenden 15 Jahren an Schizophrenie zu erkranken. Dies heisst nicht, dass Cannabis ursächlich beteiligt ist.

- www.derbund.ch
Der Bund 28.08.06
Tatsächlich wird diese Frage nach wie vor kontrovers diskutiert und es erscheinen regelmässig Studien oder Review-Artikel darüber. Um die Frage schlüssig zu beantworten, müssten einer repräsentativen Population junger Leute zufällig Cannabis-haltige und Cannabis-freie Joints zugeteilt werden, die sie nach vorgeschriebenem Schema rauchen müssten («Placebo-kontrollierte Doppelblindstudie»). Sollten in der Cannabis-Gruppe mehr Leute in den folgenden Jahren an Schizophrenie erkranken, wäre ein ursächlicher Zusammenhang erwiesen.
Gemäss aktuellen Forschungsergebnissen ist klar, dass Cannabis den Verlauf der meisten SchizophrenieErkrankungen nachteilig beeinflusst (mehr Rückfälle, längere Hospitalisationszeiten . . .). Die Ursachenfrage ist aber nicht geklärt.
Schizophrenie ist wahrscheinlich durch diverse Faktoren beeinflusst: Genetik, frühkindliche Entwicklung, Geburtskomplikationen mit Sauerstoffmangel, Drogenkonsum, Familienkonstellation, soziale Schicht usw. Cannabis scheint bei sehr jungen Konsumenten, die für die Entwicklung einer Schizophrenie gefährdet sind, diese Entwicklung zu beschleunigen, zu begünstigen. Die Empfehlungen der aktuellen Publikationen gehen in diese Richtung: Menschen, die bereits psychotische Episoden hatten oder einer Schizophrenie vorangehende «Prodromalsymptome» aufweisen (absinkendes soziales und kognitives Funktionsniveau) - was meist durch einen «Leistungsknick» in der Schule oder an der Arbeit, kombiniert mit Rückzugsverhalten sowie auffälligen Persönlichkeitsmerkmalen zutage kommt -, sollten möglichst auf Cannabis verzichten.
In diesem Rahmen ist mehr differenzierte Aufklärung vonnöten, nicht eine Kriminalisierung und Prohibition von Cannabis. Dass derartige rein repressive Massnahmen nicht die gewünschten Ergebnisse erzielen, hat uns die Erfahrung mit der Drogenpolitik der letzten 150 Jahre gelehrt. Nicht jeder Konsum einer Substanz ist gleich gefährdend, wie schon Paracelsus sagte: Es kommt stets auf die Menge an, ob etwas giftig ist.
Dr. med. Christian Imboden
Assistenzarzt Psychiatrie
P.S.
Gefahr durch Cannabis
http://www.espace.ch/artikel_245645.html
Sabina Geissbühler-Strupler
Präsidentin Schweizerische Vereinigung «Eltern gegen Drogen»
«Der Gandhi aus den Walliser Alpen», «Bund» vom 5. August










