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Gewinnung, Aufbereitung und Analyse verschiedener Pflanzenöle auf ihre Eignung als Alternativtreibstoffe

Semesterarbeit der Studenten zur Korrektur:

Ein Artikel des Professor, finden Sie unter:

http://www.chanvre-info.ch/info/de/Pflanzenol-der-nachwachsende,3328.html

Durch das steigende Verkehrsaufkommen werden immer mehr Emissionen verursacht. Vor allem bezüglich der Senkung des CO2- Ausstosses sind möglichst wirksame und kostengünstige Massnahmen gefragt. Eine Möglichkeit, CO2-Emmissionen zu vermindern ist, Motoren anstelle von Dieselöl mit dem Alternativtreibstoff Pflanzenöl zu betreiben. Bereits gründlich analysiert und bestens bekannt in diesem Zusammenhang ist das Rapsöl. Es gilt deshalb bezüglich Qualität von Pflanzenölen, die als Kraftstoffe eingesetzt werden, als Referenz.

Inhaltsverzeichnis

  • Zusammenfassung
  • 1 Einleitung
    1.1 Ausgangslage
    1.2 Ziele der Arbeit
  • 2 Literaturübersicht
    2.1 Potentielle Ölpflanzen
    2.1.1 Hanf (Cannabis sativa L.)
    2.1.2 Lein/Flachs (Linum usitatissimum L.)
    2.1.3 Leindotter (Camelina sativa L.)
    2.1.4 Schlafmohn (Papaver somniferum L.)
    2.1.5 Rahmenbedingungen
    2.2 Kreuzblättrilfsmilch (Euphorbia lathyris L.)
    2.2.1 Botanik
    2.2.2 Potential als Kulturpflanze
    2.2.3 Kraftstoffege Woignung des Öls
    2.3 Produktion von Pflanzenöl
    2.3.1 Pressen
    2.3.2 Truböl
    2.3.3 Reinigen
    2.3.4 Richtlinien/Grenzwerte
    2.3.5 Bedeutung des Phosphors in naturbelassenen Pflanzenölen
  • 3 Material und Methoden
    3.1 Versuchsapparaturen
    3.1.1 Presse
    3.1.2 Filteranlage
    3.2 Vorversuche und Vorabklärungen
    3.2.1 Phosphorgehalt
    3.3 Hauptversuche
  • 4 Ergebnisse
  • 5 Diskussion und Folgerungen
    5.1 Diskussion
    5.1.1 Parameter-Diskussion
    5.1.2 Gesamtdiskussion
    5.2 Folgerungen
  • 6 Literaturverzeichnis
  • 7 Dank
  • 8 Anhang

Zusammenfassung

Durch das steigende Verkehrsaufkommen werden immer mehr Emissionen verursacht. Vor allem bezüglich der Senkung des CO2- Ausstosses sind möglichst wirksame und kostengünstige Massnahmen gefragt. Eine Möglichkeit, CO2-Emmissionen zu vermindern ist, Motoren anstelle von Dieselöl mit dem Alternativtreibstoff Pflanzenöl zu betreiben. Bereits gründlich analysiert und bestens bekannt in diesem Zusammenhang ist das Rapsöl. Es gilt deshalb bezüglich Qualität von Pflanzenölen, die als Kraftstoffe eingesetzt werden, als Referenz.
Ein Hauptanliegen ist die Schaffung von breiteren Grundlagen, die es der Landwirtschaft ermöglichen, auf einem Teil ihrer Flächen nachwachsende Energieträger anzubauen.
Das zweite Anliegen ist es, zusätzliche Ölpflanzen abzuklären, die Raps ergänzen können, da dieser in einer Fruchtfolge nur alle 4 bis 6 Jahre erscheinen darf.
Das Ziel dieser Semesterarbeit war es, die Öle von Hanf, Lein, Leindotter und Mohn zu pressen, aufzubereiten und auf ihre Kraftstoffeignung hin zu analysieren. Es sollte ermittelt werden, wie weit diese Öle als Alternativkraftstoffe für pflanzenöltaugliche Dieselmotoren geeignet sind.
Die Ölgewinnung geschah mit einer Komet Schneckenpresse des Typs CA 59 G. Nach dem Pressen wurden die Öle zum Absetzen einige Tage stehen gelassen.
Die auf Pflanzenöl spezialisierte ASG- Analytik GmbH in Neusäss- Täfertingen unterstützte unsere Arbeit in grosszügiger Weise, indem uns das ASG-Team den kostenlosen Aufenthalt organisierte, uns in die entsprechende Analytik einführte und ebenfalls die Gesamtanalysen in ihrem Haus ohne Kostenfolge für die SHL vollständig übernahmen.
Die Resultate ergaben ein mehr oder weniger zufriedenstellendes Bild.
Bei Parametern wie der Oxidationsstabilität, der Jodzahl und der Gesamtverschmutzung werden die Grenzwerte von den untersuchten Ölen nicht erreicht beziehungsweise teilweise massiv überschritten. Die übrigen Qualitätskriterien (RK-Qualitätsstandard 05/2000) werden von den vier Ölen ohne weitere technische Eingriffe erfüllt.
Die Laborergebnisse zeigen, dass zur Produktion der Öle von Hanf, Lein, Leindotter und Mohn zur Kraftstoffnutzung teilweise noch technische Massnahmen nötig sind, um die geforderte Qualität zu erreichen. Neben der der Ölqualität sind aber auch noch Faktoren wie die Saatgutbeschaffung, die Saatgutpreise, die Anbautechnik und die gültigen gesetzlichen Rahmenbedingungen in die Betrachtung mit einzubeziehen.
Werden alle Faktoren von der Qualität über die Anbautechnik bis hin zu den Gesetzesgrundlagen berücksichtigt, so haben lediglich Lein und Leindotter reelle Chancen, in der Schweiz den Durchbruch als Ölpflanzen für die technische Nutzung zu schaffen.

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Ausgangslage
Das stets ansteigende Verkehrsaufkommen verursacht immer mehr Emissionen. Der Sachzwang, vor allem den klimarelevanten CO2-Ausstoss zu vermindern, wurde in den letzten Jahren zu einem zunehmend gewichtigeren Thema. Die Industrienationen sind an den Weltklimakonferenzen Verpflichtungen zur CO2- Emissionssenkung eingegangen. Damit wird die Politik zum Handeln gezwungen. Es sind also wirksame, möglichst schnelle und kostengünstig umsetzbare Senkungsmassnahmen gefragt. Nach Sergis [10] kann dies einerseits durch Einsparung von fossilen Energieträgern geschehen und andererseits durch vermehrte Nutzung von regenerativen Energieträgern.
Eine Möglichkeit der Umsetzung ist das Betreiben von Dieselfahrzeugen mit dem regenerativen Energieträger Pflanzenöl. Bis heute stand dabei das Rapsöl im Zentrum. Diese im europäischen Raum bevorzugte Ölfrucht wird seit Jahren intensiv auf ihre Eignung für technische Zwecke geprüft und auch eingesetzt. Damit die erforderliche Qualität des Öls festgelegt ist, wurde der Rapsölkraftstoff-Standard (RK-Qualitätsstandard 05/2000) entwickelt (vgl. Kapitel 2.3.4). Darin sind die Qualitätsanforderungen für Rapsöle zur Treibstoffnutzung festgehalten. Damit ist Rapsöl der bis heute am besten erforschte, unveränderte Alternativkraftstoff und wird damit auch zum Massstab für Öle anderer Pflanzen. Tatsache ist aber, dass die Rapsanbauflächen aus fruchtfolgetechnischen Gründen nicht beliebig erweitert werden können. So gilt es, andere potentielle Ölpflanzen ausfindig zu machen und die Qualität deren Öle zu untersuchen.
Die Produktion von Pflanzenölen in kleinen, oft dezentral gelegenen Anlagen birgt ein Potenzial an Arbeitsplätzen und Einkommen in der Anbauregion. Neben dem Vorteil der CO2-Entlastung beim Einsatz von Pflanzenölen schafft ihre Produktion der Landwirtschaft willkommene Erwerbsnischen und die Chance zur Partizipation im zukunftsträchtigen Sektor Energieerzeugung. Nebst dem Eigenverbrauch lässt sich Pflanzenöl ebenfalls lokal verkaufen und hilft somit einen Kundenstamm aufzubauen und generell für die Abnahme landwirtschaftlicher Produkte zu erschliessen.

1.2 Ziele der Arbeit
Im Rahmen dieser Semesterarbeit wurden die Öle von Hanf, Lein, Leindotter und Mohn durch Kaltpressung gewonnen, aufbereitet und auf ihre Kraftstoffeignung hin analysiert. Ziel war es, die Analysenwerte mit den für Rapsöl vorgegebenen Qualitätsnormen zu vergleichen und die Eignung dieser Öle als weitere Alternativen neben dem nachwachsenden Treibstoff Rapsöl abzuklären.

Inhaltsverzeichnis

2 Literaturübersicht

2.1 Potentielle Ölpflanzen
Nach Sergis [10] ist kaltgepresstes, chemisch unbehandeltes Pflanzenöl im Grundsatz vergleichbar aufgebaut wie Dieselöl, nämlich mit Kohlenwasserstoffverbindungen. Ein Unterschied liegt in der entscheidend höheren Viskosität von Pflanzenölen (Dieselöl: kinematische Viskosität 2,3 mm2/s; Rapsöl: kinematische Viskosität 35 mm2/s).
Mit Pflanzenöl steht ein Kraftstoff zur Verfügung, dessen Produktion, Verwendung und Entsorgung innerhalb regional geschlossener Stoff- und Energiekreisläufe möglich ist [10]. Die Produktion umfasst einerseits den Anbau der Kultur und andererseits das Verarbeiten der anfallenden Saat. Bei der Kaltpressung der Saaten entstehen die zwei Produkte Öl und Presskuchen. Das Öl kann als Kraftstoff oder für weitere technische Zwecke genutzt werden und der Presskuchen eignet sich als Viehfutter. Damit lassen sich die Hauptargumente für den Einsatz von kaltgepresstem Pflanzenöl in unserem Umfeld wie folgt zusammenfassen:

  • Nachgewiesene Eignung als weitgehend CO2-neutraler Dieselkraftstoffersatz
  • Ökologische Verträglichkeit
  • Regionaler Anbau und regionale Verwertung

Vor allem in Deutschland ist Rapsöl als Kraftstoff kein Fremdwort mehr. Es gibt bereits Firmen, die in grösserer Zahl LKW, PKW, Baumaschinen und landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge mit Rapsöl anstatt mit Dieselöl betreiben.
Es liegt deshalb nahe, dass, wenn dies mit Rapsöl möglich ist, auch Öle von anderen Pflanzen in Frage kommen. Anbautechnisch sind auch dem Raps Grenzen gesetzt, da wegen Fruchtfolgekrankheiten Anbaupausen von mindestens fünf Jahren eingehalten werden müssen und dadurch die Rapsanbaufläche beschränkt ist. Raps kann also lediglich auf maximal etwa 1/5 der Fruchtfolgefläche erzeugt werden.
Noch relativ unbekannt bezüglich ihrer Eignung als Kraftstoff sind die Öle von Hanf, Lein, Leindotter und Mohn. Betrachtet man diese vier Kulturen als potentielle Ölpflanzen und würden sie mit diesem Ziel angebaut, so wären nach den Angaben des Bundesverbandes Pflanzenöle (Deutschland) im Durchschnitt die in Tabelle 1 aufgeführten Erträge und Ölgehalte realisierbar.
Würde Leindotter zur Ölproduktion in eine Fruchtfolge aufgenommen, müsste beachtet werden, dass dieser wie Raps zur Familie der Brassicaceae gehört (Tab. 1). In einer Fruchtfolge dürfen aber höchstens 20% Kreuzblütler (Brassicaceae) vorkommen, um rotationsbedingte Krankheiten und Schädlinge möglichst zu unterdrücken.

Tabelle 1: Ertrag und Ölgehalt von Hanf, Lein, Leindotter und Mohn [4]

Deutscher Name
wissenschaftlicher Name
Familie
Ertrag [kg/ha]
Ölgehalt Saat [%]
Hanf
Faserlein Öllein
Leindotter
Mohn
Cannabis sativa
Linum usitatissimum
Camelina sativa
Papaver somniferum
Cannabinaceae
Linaceae
Brassicaceae
Papaveraceae
860
200-1200
1000
1000-1500
 35
34-37, 40-50
35-45
40-50

Da der Anbau dieser vier Kulturen in der Schweiz kaum verbreitet ist, fehlen Erfahrungen bezüglich Saat, Pflegemassnahmen und Ernte weitgehend. Die verfügbaren und auffindbaren Informationen zur Anbautechnik sind im folgenden Kapitel, zusammen mit je einer kurzen Beschreibung der Kultur, zusammengestellt.

2.1.1 Hanf (Cannabis sativa L.)
Gemäss dem Bundesverband für Pflanzenöle (Deutschland) [4] ist die Wurzel der Kulturpflanze Hanf kräftig und hat viele Seiten- und Nebenwurzeln, welche den Boden intensiv durchdringen. Seine Wuchshöhe liegt zwischen 2 und 4 m. In Ausnahmefällen sind Höhen bis über 5 m möglich. Hanf ist eine sehr pflegeextensive Pflanze. Sie ist wenig anfällig auf Schädlinge und Krankheiten und kann praktisch überall angebaut werden. Auf Grund des hohen Trockenmasseertrages von bis zu 14`000 kg/ha hat Hanf aber einen hohen Nährstoffbedarf. Er gedeiht am besten auf tiefgründigen, nährstoffreichen Böden mit guter Wasserführung Die Vegetationszeit von Hanf beträgt zwischen 120 und 160 Tagen. Hanf ist hervorragend geeignet zur Gewinnung von Fasern und Ölfrüchten.
Die Aussaat erfolgt Ende April mit einer angestrebten Saatdichte von 2 Pflanzen pro m2. Für das Dreschen im August steht derzeit noch keine ausgereifte Technik zur Verfügung. Nach dem Mähen oder Häckseln wird der Hanf getrocknet, eventuell entholzt, gepresst und verarbeitet. Der Gesamtertrag an Pflanzenmaterial liegt bei 100-120 dt/ha (mit einem Fasergehalt von 25-35 %). In Deutschland betrug die Anbaufläche im Jahr 2000 rund 3100 ha [5].
In der Schweiz erlebte der Hanfanbau 1993 eine Art Wiedergeburt. In diesem Jahr nahm die Forschungsanstalt Zürich-Reckenholz die Versuchstätigkeit mit Hanf auf. Im Wallis wurden im gleichen Jahr die ersten Hanffelder gesät. In den darauffolgenden Jahren nahm der Anbau zu und erreichte 1997 rund 200 ha (Tab. 2) [12].

Abbildung 1: Hanf

Tabelle 2: Anbaufläche (ha) und Verwendung von Hanf in der Schweiz [12]

Jahr
1993
1994
1995
1996
1997
1998
Nachwachsender Rohstoff (1)
Andere Nutzungen (2)
0
1
10
10
11
50
6
150
2
200
60
???

1) Nach Bundesamt für Landwirtschaft (BLW)
2) Schätzungen aufgrund verschiedener Informationen

Zurzeit gibt es in der Schweiz einige Hanfläden, die auf Hanfprodukte spezialisiert sind. Der Verkaufsschlager vieler Läden besteht allerdings oft in Hanfduftkissen, die sich an der Grenze der Legalität befinden. Ausserdem werden oft Kleider, Lebensmittel, Kosmetika und Literatur angeboten. Obwohl in der Schweiz erwähnenswerte Arbeiten zur Entwicklung von Öl, Lebensmitteln, Duftessenzen und Kosmetika geleistet wurden, stammen sehr viele Hanfartikel aus dem Ausland. Insbesondere die Technik zum Aufschluss und zur Verarbeitung der Hanffasern existiert in unserem Lande noch nicht. Um Hanf sind mehrere Organisationen - wie zum Beispiel die Schweizerische Vereinigung Hanfproduzierender Bauern und die Schweizerische Hanf-Koordination - entstanden. Sie vertreten die Interessen von Landwirtschaft und Handel [12].

2.1.2 Lein/Flachs (Linum usitatissimum L.)
Der Lein hat seine Heimat in den Gebieten zwischen dem persischen Golf und dem Kaspischen Meer. Lein ist einjährig und kommt bei uns nur als Kultur vor. Die Pflanzen werden 50-70 cm hoch und besitzen prächtig blaue, gelegentlich auch weisse Blüten. Man unterscheidet zwischen Faser- und Öllein. Der Faserlein umfasst Sorten, die verhältnismässig lange und unverzweigte Stängel haben, der Öllein niedrigere Sorten mit reicherer Verzweigung die mehr Blüten und somit auch mehr Samen bilden. Öl- und Fasergehalt korrelieren negativ miteinander, da der Faserlein weniger Samen produziert und zu einem Zeitpunkt geerntet wird, zu dem die Entwicklung der reifenden Früchte noch nicht völlig abgeschlossen ist. Es gibt aber auch Sorten, die beiden Ansprüchen annähernd gerecht werden [2].
Da Lein eine anspruchslose Pflanze ist, kann er relativ extensiv angebaut werden. Die Aussaat erfolgt mit üblichen Getreidedrillmaschinen im März auf eine Saattiefe von 2.5 bis 3 cm [5]. Lein ist eine Langtagpflanze, welche bei zu später Saat stark verästelt und nur kurze Stängel bildet [1]. Wegen der sogenannten Leinmüdigkeit ist eine Anbaupause von mindestens 5 Jahren notwendig. Dies vor allem wegen Pilzkrankheiten. Lein selbst hat einen hohen Vorfruchtwert, stellt aber selbst hohe Anforderungen an seine Vorfrucht [1]. Der Ertrag beim Dreschen Ende August beläuft sich auf 20-30 dt/ha [5].
Seit Ende der 80er Jahre wird Lein in Deutschland wieder angebaut. Zurzeit beträgt die Anbaufläche von Lein rund 2000 ha. Neuere Züchtungen streben eine Erhöhung des Linolsäurgehalts an, was die industrielle Nutzbarkeit des Öls verbessern würde [5].

Abbildung 2: Lein

2.1.3 Leindotter (Camelina sativa L.)
Leindotter hat eine dünne, spindelförmige Wurzel. Die Pflanze erreicht eine Wuchshöhe zwischen 30 und 100 cm. Leindotter wächst zuerst eintriebig und verzweigt sich dann im oberen Drittel. Die Triebe tragen traubige Blütenstände mit hell- bis dunkelgelben Blüten. Die Frucht des Leindotters ist eine 7 bis 10 mm lange, birnenförmige Schote. Diese enthält 8 bis 10 gelbe bis rötliche Samen mit einem Tausendkorngewicht von lediglich 0.7 bis 2.1 g. Der Rohfettgehalt von Leindotter liegt bei rund 38 %. Leindotter kann - wie der Lein - extensiv angebaut werden, seine Spezialität ist die ausgesprochene Anspruchslosigkeit. Er gedeiht auf sandigen und trockenen Böden gut. An solchen Standorten ist er vergleichbaren Ölpflanzen im Ertrag deutlich überlegen [4].
Da die Sommerform kaum frostempfindlich ist, wird Leindotter im März-April gesät. Mitte bis Ende Juli kann er dann gedroschen werden. Die Erträge des Leindotters liegen bei 20-35 dt/ha. Zurzeit wird der Wiederanbau in der Europäischen Union im Versuchsstadium auf 40 ha Fläche erprobt. Vor allem in Mischkulturen ist Leindotter interessant. Zusammen mit einer anderen Kultur (Erbsen, Getreide) kann ein höherer Hektarertrag erzielt werden und die Krankheitsanfälligkeit beider Kulturen sinkt. Durch Züchtung sollen der Gehalt an Linolensäure und damit die Nutzbarkeit für die Industrie verbessert werden [5].

Abbildung 3: Leindotter

2.1.4 Schlafmohn (Papaver somniferum L.)
Auf der gemässigten Nordhalbkugel existieren rund 100 Mohnarten. Klatsch- oder Feuermohn sind vor allem in Deutschland häufig als Beikräuter auf Äckern zu finden. Die wichtigste kultivierte Mohnart ist der Schlafmohn. Dies deshalb, weil er in Kleinasien, Indien und China zur Produktion von Mohnöl und vor allem von Opium genutzt wird. [2]. Schlafmohn ist eine milchsaftführende, einjährige Pflanze mit gräulichen, ledrigen und gebuchteten Blättern. Die Pflanze hat eine kräftige Pfahlwurzel. Sie erreicht eine Wuchshöhe zwischen 1 und 1.2 m. Am Stängelende bildet der Schlafmohn eine rote, violette oder weisse Blüte. Die Blütezeit ist im Juli. Nach dem Blühen bildet sich eine runde oder eiförmige Kapsel [4].
Mohn ist frostempfindlich und erfordert warm-milde Klimalagen und humusreiche Böden. Gesät wird er ab Ende März mit Einzelkornsämaschinen. Die sehr kleinen Mohnsamen bevorzugen ein feines Saatbett und eine sehr flache Saat. Ende August, Anfang September wird gedroschen. Der Erntertrag liegt bei 10-15 dt/ha. Mohn eignet sich auch als Mischkultur mit anderen Kulturen, wie zum Beispiel den Möhren [5]. In Deutschland wurde eine opiatarme Sorte gezüchtet, die sich dadurch für die Ölgewinnung speziell anbieten würde.

Abbildung 4: Mohn

2.1.5 Rahmenbedingungen
Hanf, Lein, Leindotter und Mohn sind, wie eingangs bereits erwähnt, als landwirtschaftliche Kulturpflanzen in der Schweiz und im nahen Ausland relativ selten bis kaum anzutreffen. Insbesondere bei Hanf stellt das Problem des Missbrauchs als Betäubungsmittel eine im Moment kaum überwindbare Hürde dar. Der Schweizer Sortenkatalog des Bundes (2004) umfasst zwar 14 Hanfsorten, welche in der Schweiz problemlos angebaut werden könnten. Doch es zeigt sich, dass Landwirte beim Anbau von Hanf immer wieder mit Diebstahl direkt ab dem Feld und strengen Kontrollen durch die Polizei konfrontiert sind.
Mohn ist als landwirtschaftliche Kulturpflanze bei uns kaum bekannt. Sie wird vorwiegend als Lieferant für Samen im Bäckereibereich (Brötchen) oder als Zierpflanze verwendet.
Es ist beizufügen, dass die Samen von Hanf und Schlafmohn keine berauschenden Stoffe enthalten. Das gleiche gilt infolge dessen auch für die Öle dieser beiden Pflanzen.
Lein und Leindotter sind vorwiegend als Faserpflanzen bekannt. Durch das Aufkommen der synthetischen Fasern ging ihre Bedeutung jedoch stark zurück. Die "Wiederbesinnung" auf nachwachsende Rohstoffe führte in letzter Zeit dazu, dass das Interesse an Faserpflanzen allgemein wieder zugenommen hat. Bis heute haben aber Lein und Leindotter als landwirtschaftliche Kulturpflanzen keine bedeutende Stellung eingenommen.

2.2 Kreuzblättrige Wolfsmilch (Euphorbia lathyris L.)

2.2.1 Botanik
Die Kreuzblättrige Wolfsmilch gehört zur Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae). Es ist eine zweijährige, krautige Pflanze, deren ursprüngliche Heimat im Mittelmeerraum und in Westasien liegt. Die Pflanze erreicht eine Höhe von über einem Meter. Sie besitzt einen oder mehrere aufrechte Stängel mit kreuzweise gegenständigen, schmalen lanzettlichen Blättern. Die Pflanze ist rötlich gefärbt und mit einer dünnen Wachsschicht überzogen. Die Stängel und Blätter sind mit vielen Milchröhren durchzogen, in denen ein weisser Milchsaft, der so genannte Latex, fliesst.
Im ersten Jahr wird nur Blattmasse gebildet. Nach dem Überwintern bildet die Pflanze im zweiten Jahr an jedem Trieb einen grossen Blütenstand. Ihre Blüten sind unscheinbar klein und werden teilweise durch Insekten fremdbestäubt und teilweise durch Selbstbestäubung befruchtet. Aus den befruchteten Blüten bilden sich Kapseln, von denen jede drei Samen enthält. Wenn sie reif sind, springen diese Kapseln mit einem hörbaren Knall auf, so dass die Samen weit verteilt werden [9].

Abbildung 5: Kreuzblättrige Wolfsmilch

2.2.2 Potential als Kulturpflanze
Im Gegensatz zu den Tropen und Subtropen wurde die Kreuzblättrige Wolfsmilch in unseren Breitengraden in der Vergangenheit nicht in grösserem Umfang als Kulturpflanze angebaut und genutzt. So sind noch viele Fragen bezüglich des Anbaus offen. Unter unseren Klimabedingungen hat die Kreuzblättrige Wolfsmilch eine sehr lange Vegetationszeit und wird so fast nicht von alleine dreschreif. Dazu kommt, dass viele Kapseln schon reif sind, während im oberen Teil der Pflanzen immer noch weiter Blüten gebildet werden. So müssen die Bestände vor der Ernte mit Herbiziden abgespritzt werden.
Beim Anbau muss generell auf eine sorgfältige Saatbeetbereitung und eine gewissenhafte Unkrautbekämpfung Wert gelegt werden. Da es momentan keine geeigneten Herbizide für die Kreuzblättrige Wolfsmilch gibt, können bei Herbizidspritzungen totale Ertragsausfälle auftreten.
Damit die Felderträge gesteigert werden können, muss es unbedingt gelingen, die so genannten Springer (bei Reife aufspringende Kapseln) zu eliminieren [9].

2.2.3 Kraftstoffeignung des Öls
Die Kreuzblättrige Wolfsmilch besitzt mit 50 bis 56 % einen relativ hohen Gehalt an Samenöl. Früher wurde sie zeitweilig als Brennöllieferant verwendet, indessen aber nie zur Kulturpflanze entwickelt. So weist sie noch heute einige Wildtyp-Merkmale auf, die ihre Nutzung zur Samenölproduktion einschränken und erschweren. Durch Selektion konnten solche Merkmale, wie zum Beispiel das Aufspringen der vollreifen Kapseln oder der zweijährige Wachstumszyklus, verbessert werden. So gibt es heute einjährige Formen, deren Kapseln bei Vollreife nicht mehr aufspringen. Ziele der Züchtung sind gegenwärtig vor allem kürzere Blüh- und Reifephasen. Momentan befinden sich sowohl sommer- wie auch winterannuelle Formen im Versuchsanbau. Bis jetzt lassen jedoch nur winterannuelle Typen befriedigende Samenerträge erwarten.
Aus dem Samenertrag und dem Ölgehalt ergibt sich der Ölertrag. Dieser ist letzten Endes das entscheidende Kriterium für die Anbauwürdigkeit von Kreuzblättriger Wolfsmilch. Die N-Düngung und der Erntetermin haben keinen eindeutigen Einfluss auf den Ölgehalt der Samen [9]. Angaben bezüglich der Eigenschaften des Öls an sich konnten nicht gefunden werden.

2.3 Produktion von Pflanzenöl

2.3.1 Pressen
Die Herstellung von Pflanzenölen erfolgt entweder in industriellen Ölsaatenverarbeitungs-Anlagen mit hohen Verarbeitungskapazitäten (oft zentrale Ölmühlen, Grossanlagen) oder in dezentralen Ölmühlen. Dies sind häufig Kleinanlagen in landwirtschaftlichem Umfeld, mit geringer Verarbeitungskapazität. Da bei Kaltpressung keine Raffination erfolgt und damit die Reinigung am Ende der Produktionskette steht, kommt ihr eine entscheidende Rolle bezüglich der Endqualität des Öls zu (Abb. 5). Zur Reinigung des sogenannten Truböls (vgl. Kapitel 2.3.2) stehen drei verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Es kann entweder sedimentiert, filtriert oder zentrifugiert werden, wobei das Zentrifugenverfahren in Kleinanlagen nur wenig verbreitet ist. Meistens geschieht die Reinigung durch Filtrieren, wobei das Öl in der Regel vorgängig durch das sehr wirksame Sedimentieren und Dekantieren vorgereinigt wird [6].

Abbildung 6: Verfahrensablauf der Ölgewinnung in Kleinanlagen [6]

2.3.2 Truböl
Unter Truböl (Abb. 6) versteht man kaltgepresstes, ungereinigtes Pflanzenöl. Es besteht aus der flüssigen Phase (Öl) und der festen Phase (Partikel), den sogenannten Trubstoffen [6].

Abbildung 7: Charakterisierung von Truböl [6]

Wichtige physikalische Kenngrössen der flüssigen Phase sind die kinematische Viskosität und die Dichte.
Die feste Phase beschreibt die im Öl suspendierten Partikel. Sie lassen sich durch die Menge, die Form, die Grössenverteilung und die Dichte beschreiben.
Neben festen Verunreinigungen können in Ölen, zum Teil erst nach längerer Lagerzeit, Trübungen festgestellt werden. Diese sind vor allem bei Speiseölen von Bedeutung, da sie die Brillanz beeinträchtigen. Solche Trübungen können zum Beispiel von Glyceriden, von Beimengungen von Wachsen oder nachträglich ausgeschiedenen Schleimstoffen stammen, oder durch Oxidation entstehen. Bei längerer Lagerung können sich die Trubstoffe absetzen und einen dunklen Bodenbelag bilden [6].

2.3.3 Reinigen
Um die Partikel (feste Phase) vom Öl (flüssige Phase) zu trennen, werden in Kleinanlagen verschiedene Verfahren der Fest/Flüssigtrennung angewandt. Dazu gehören sowohl Sedimentations- wie auch Filtrationsverfahren.
In Kleinanlagen erfolgt die Reinigung meistens in zwei Stufen. Zuerst wird als Vorreinigung eine Grobklärung durch Sedimentation oder Filtration gemacht und danach folgt die Hauptfiltration. Die Vorreinigung dient dazu, die Feststoffe bereits möglichst vollständig aus der flüssigen Phase zu entfernen.
Das Sedimentationsverhalten wird unter anderem beeinflusst durch die Dichtedifferenz, die Partikelgrösse und -form, die Viskosität der Flüssigkeit und die Wechselwirkung zwischen den Partikeln.
Die Hauptreinigung stellt die Reinheit einer Charge sicher. Die Hauptreinigung wird ausschliesslich mit Filtrationsverfahren vollzogen. Diese Verfahren lassen sich nach der Art der Feststoffabscheidung in kuchenbildende Filtration, Querstromfiltration und Tiefenfiltration unterteilen. Die Querstromfiltration hat bei der Pflanzenölreinigung keine Bedeutung. Bei der kuchenbildenden Filtration werden die Feststoffe in der Suspension unter Wirkung eines Druckgefälles an einem porösen Filtermaterial (z.B. Gewebe) zurückgehalten. Sie bilden dabei Brücken und wachsen zu einem Filterkuchen zusammen. Bei der Tiefenfiltration sorgen grobporige Filterhilfsmittelschichten dafür, dass sich die Feststoffe im Innern dieser Filterschichten festsetzen. Häufig ist eine Regeneration der Tiefenfilterschichten (z.B. Sand, Pappe, Zellstoffe) nicht möglich, so dass diese ersetzt werden müssen, sobald die innere Oberfläche besetzt ist [6].

2.3.4 Richtlinien/Grenzwerte
Für einen problemlosen Betrieb von pflanzenöltauglichen Dieselmotoren ist die Einhaltung einer gewissen Ölqualität Voraussetzung. Zur Festlegung der erforderlichen Qualität von Rapsölkraftstoffen wurden die wesentlichen Parameter im „RK-Qualitätsstandard 05/2000“, bekannt als „Weihenstephaner-Standard“, zusammengefasst (Abb. 8). Darin sind die Grenzwerte und Schwankungsbereiche für die einzelnen Parameter verbindlich festgelegt [6]. Der Weihenstephaner Standard umfasst die für Rapsöl typischen und variablen Eigenschaften. Ihre Einhaltung ist für den störungsfreien Pflanzenölbetrieb unumgänglich.
Anschliessend an Abbildung 8 wird kurz auf die einzelnen Parameter des RK-Standards eingegangen und ihre Bedeutung beschrieben und erklärt.

Abbildung 8: RK- Qualitätsstandard 5/2000 für Rapsöl als Kraftstoff

Ölalterung zu. Die freien Fettsäuren führen zu Korrosion, Verschleiss und Rückstandsbildungen im Motor. Es kann zu Wechselwirkungen mit den basischen Bestandteilen des Motorenöls kommen, mit entsprechendem Ausfall der Motorenölfunktionen und Risiko von Motorenschäden. Durch die in Pflanzenölen vorkommenden Mikroorganismen, deren Enzyme und Wasser, wird die Säurebildung gefördert. [7]

Dichte: Die Dichte wird bei 15 °C gemessen. Sie wird vor allem für die Überprüfung der Reinheit eines Öles gebraucht.

Flammpunkt: Der Flammpunkt eines Stoffes nennt die Temperatur, bei welcher der zu untersuchende Stoff Dämpfe entwickelt, die entflammt werden können. [7] Der Flammpunktes ist eine wichtige sicherheitstechnische Grösse, die über Lager- und Transportvorschriften entscheidet

Unterer Heizwert: Er gibt Auskunft darüber, wie viel Energie bei einer vollständigen Verbrennung frei wird. Der untere Heizwert errechnet sich aus dem gemessenen oberen Heizwert, abzüglich der gemessenen Energie aus dem verdampften Wasser, das sich unweigerlich in den Ölen befindet. Für die motorische Verbrennung ist nur der untere Heizwert relevant. [7]

Kinematische Viskosität: Die Bestimmung der kinematischen Viskosität erfolgt durch Messung der Durchflusszeit eines bestimmten Flüssigkeitsvolumens durch die Glaskapillare eines kalibrierten Viskosimeters bei einer definierten Temperatur, unter Einfluss der Schwerkraft. Die kinematische Viskosität ist als Mass für das Fliessverhalten ein sehr wichtiger Faktor, um die Kraftstoffeignung eines Öls abzuschätzen, da sie über das Pumpverhalten, die Zerstäubung an der Einspritzdüse sowie das Kalt- und Warmstartverhalten entscheidet. Je höher der Wert, desto dickflüssiger der Stoff. [7]

Cetanzahl: Die Cetanzahl beschreibt die Zündwilligkeit eines Kraftstoffes. Die Zündwilligkeit, also die Eigenschaft eines Kraftstoffes, eine Selbstzündung einzuleiten, beeinflusst den Zündverzug. Eine tiefe Zündwilligkeit bewirkt einen hohen Zündverzug und somit auch ein schlechtes Kaltstartverhalten und höhere Emissionen in der Warmlaufphase. Bisher ermittelte Cetanzahlen für Rapsöl im Bereich von 39 sind mit derjenigen von Dieselöl nicht vergleichbar. Ein alternatives Messverfahren für die Cetanzahlbestimmung von Rapsöl wurde entwickelt, bedarf indessen noch der Homologierung. [7]

Koksrückstand: Der Koksrückstand gibt Auskunft über die zu erwartende Tendenz eines Kraftstoffes, namentlich bei einer ungenügenden Verbrennung kohlenstoffhaltige Ablagerungen zu bilden. Diese setzen sich an Einspritzdüsen, im Brennraum und in den Kolbenringnuten ab. Diese sogenannte Verkokung ist die meistgefürchtete Ursache für Motorenschäden. Die Hauptmassnahme jeder seriösen Motoradaptation ist denn auch auf die Verhinderung der Verkokung ausgerichtet. [7]

Iodzahl: Die Iodzahl ist ein charakteristisches Merkmal für unterschiedliche Pflanzenöle. Sie gibt die durchschnittliche Anzahl Doppelbindungen der Fettsäuremoleküle an. Dabei wird untersucht, wie viele Gramm Iod von 100g des zu untersuchenden Stoffes - beziehungsweise durch die darin enthaltenen Doppelbindungen - gebunden werden können. Die Iodzahl erlaubt also, Vermischungen mit unerwünschten Pflanzenölen und Fetten auszuschliessen und erlaubt Rückschlüsse auf die Neigung zu Ablagerungen und Verkokung durch Polymerisation. [7]

Schwefelgehalt: Der sehr tiefe Schwefelgehalt im Rapsöl ist als Vorteil gegenüber Dieselkraftstoff zu werten. Schwefel ist aus Umweltgesichtspunkten und als Katalysatorgift in Kraftstoffen unerwünscht. [7]

Gesamtverschmutzung: Bei der Gesamtverschmutzung wird der Anteil an nicht gelösten Stoffen gemessen, die eine Grösse von über 0,8 ?m aufweisen. Eine zu hohe Verschmutzung fördert Verstopfungen von Filtern und Einspritzdüsen und kann im weiteren zu vermehrter Verkokung führen. [7]

Neutralisationszahl: Wird auch als Säurezahl bezeichnet. Sie ist das Mass für den Gehalt an freien Fettsäuren und lässt Rückschlüsse auf die Raffination und den Fortgang der Ölalterung zu. Die freien Fettsäuren führen zu Korrosion, Verschleiss und Rückstandsbildungen im Motor. Es kann zu Wechselwirkungen mit den basischen Bestandteilen des Motorenöls kommen, mit entsprechendem Ausfall der Motorenölfunktionen und Risiko von Motorenschäden. Durch die in Pflanzenölen vorkommenden Mikroorganismen, deren Enzyme und Wasser, wird die Säurebildung gefördert. [7]

Oxidationsstabilität: Die Oxidationsstabilität bewertet den Alterungszustand und die Lagerfähigkeit von Pflanzenölkraftstoff. Zudem ist die Oxidationsstabilität eine Kenngrösse, die auf eventuelle Wechselwirkungen zwischen dem Kraftstoff und dem Motorenöl hinweist. Wird ein gealtertes Pflanzenöl mit hohem Säuregehalt als Kraftstoff verwendet, kann es mit den basischen Bestandteilen vom Motorenöl zu Wechselwirkungen kommen, deren Produkte zu Polymerisationen und Motorenschäden führen. [7]

Oxidasche: Der Oxidaschegehalt zeigt den Gehalt an anorganischen Feststoffen auf. Diese gelangen durch Staubeintrag oder durch beim Pressen anfallende Partikel ins Öl. Durch gewissenhaftes Filtrieren der Pflanzenöle können die Aschewerte entsprechend gesenkt werden. [7]

Wassergehalt: Der Wassergehalt wird in mg/kg angegeben. Er kann stark variieren, da er von vielen Faktoren abhängt, wie z.B. von Saatfeuchte, Lagerung und Transport. Wasser kann bei Kälte Kristalle bilden, die zu Filterverstopfungen führen. In den modernen Einspritzsystemen kommt es bei hohem Druck zu Wasserdampfbildung und Schäden am Einspritzsystem. Zudem können am Übergangsfilm Öl - Wasser Bakterien wachsen und eine schnellere Alterung des Treibstoffes sowie Schleimbildung und Filterverstopfungen auslösen. [7]

Phosphorgehalt: Der Phosphorgehalt des zu untersuchenden Pflanzenölskraftstoffes wird in mg/kg angegeben. Phosphor liegt in Pflanzenölen in Form von Phospholipiden vor. Phospholipide verringern die Oxidationsstabilität und können Filterverstopfungen veranlassen, da sie in Berührung mit Wasser quellen. Phosphor senkt zudem die Verbrennungstemperatur, verursacht im Verbrennungsraum Ablagerungen und setzt die Funktionsdauer des Katalysators herab. [7]

2.3.5 Bedeutung des Phosphors in naturbelassenen Pflanzenölen
Der Phosphorgehalt eines Pflanzenöls ist ein entscheidendes Qualitätskriterium im Hinblick auf seine technische Verwendung. Der Phosphor, der hauptsächlich in Form von Phospholipiden aus den Zellwänden stammt, kann den Motor stark schädigen. Die Phospholipide quellen in Gegenwart von Wasser und führen dadurch zu Ablagerungen in Tanks sowie zu Verstopfungen von Filtern und Düsen. Die Ablagerungen in den Tanks bilden einen guten Nährboden für Mikroorganismen, die das Öl zersetzen und es damit schneller altern lassen. Der Phosphor beeinträchtigt die Oxidationsstabilität des Öls, ist an Korrosion, Verschleiss sowie Verkokungen voar allem im Brennraumbereich beteiligt und verstärkt die Schaumbildung des Öls. Phosphor ist Hauptursache der unerwünschten Ablagerungen an Kolben, Kolbenringnuten (Festsitzen der Ringe), Einspritzdüsen (Trompetenbildung) und Ventilen im Langzeitbetrieb. [11]
Oxidationskatalysatoren weisen eine hohe Empfindlichkeit gegenüber Phosphorverbindungen auf. Diese schädigen den Katalysator, indem sie die Umsetzrate und damit auch die Nutzungsdauer herabsetzen. [7]
Der Phosphorgehalt bei Rapsöl wird durch folgende Parameter beeinflusst: Presskopftemperatur, Schneckendrehzahl, Abpressgrad, Feststoffgehalt, Saatdurchsatz, Saatfeuchte und Saatreife. Die Presskopftemperatur und die Schneckendrehzahl haben einen starken Einfluss auf den Phosphorgehalt. Mit steigender Presskopftemperatur, im Bereich zwischen 60 und 120 C°, gelangen mehr Phospholipide ins Öl. Die günstigen Temperaturwerte können durch Heizung oder Kühlung des Presskopfes erreicht werden. [11]
Je nach Publikation sind die Aussagen über den Zusammenhang von Pressschneckendrehzahl und Phosphorgehalt widersprüchlich, obwohl bei den Untersuchungen baugleiche Pressen verwendet wurden. Dafür dürften unterschiedliche Saatfeuchten, Saatreifen und sortenspezifische Merkmale verantwortlich sein. Eine Feinfiltration entfernt die Feststoffe, in denen der Phophorgehalt zehnmal höher ist als im Öl selbst. Je tiefer die Saatfeuchte, umso höher ist der Abpressgrad, wodurch auch der Feststoffgehalt steigt. Mit zunehmender Saatreife nimmt der relative Anteil an Phospholipiden an der gesamten Lipidmenge ab. [8]

Inhaltsverzeichnis

3 Material und Methoden

Im Rahmen dieser Arbeit wurden die Öle von Mohnsamen (Papaver somniferum), Leinsamen (Linum usitatissimum ‘Mac Gregor‘ und ‘Flanders‘ gemischt), Hanfsamen (Cannabis sativa ‘Fedora‘) und Leindottersamen (Camelina sativa ‘Lindo‘) auf ihre Kraftstoffeignung als Dieselölersatz untersucht.
Die Kaltpressung der Saaten erfolgte mit der Komet Schneckenpresse der SHL (Abb. 9), die bereits mehrmals für Pflanzenölversuche im Einsatz gestanden hat.
Anschliessend wurden die Öle zuerst einige Tage stehen gelassen, damit sich Partikel und Trubstoffe absetzen konnten. Das saubere Öl wurde dann sorgfältig abgesaugt und dekantiert (Abb.10). Da Hanföl in genügend grosser Menge vorhanden war, wurde dieses zusätzlich mit der schuleigenen Filteranlage gereinigt (Abb. 11).

Abbildung 9: Komet Schneckenpresse

3.1 Versuchsapparaturen

3.1.1 Presse
Die Labor-Versuchspresse des Typs CA 59 G stammt von Fa. IBG Montforts GmbH,
D - Mönchengladbach. Die Pressschneckendrehzahl lässt sich über ein Reibradgetriebe stufenlos verstellen. Ein Keilriementrieb bringt die erforderliche Enduntersetzung des Schneckenantriebes. [8]

Tabelle 3: Drehzahl an der Schneckenpresse

Stufe
Umdrehungen der Keilriemenscheibe antriebsseitig
[min-1]
Umdrehungen der Pressschnecke
[min-1]
2
3
4
5
6
97
143
183
225
268
22.4
33.9
43.1
53.4
63.2

Mit der Wahl des Pressdüsendurchmessers und der Schneckendrehzahl konnte der Abpressgrad APG eingestellt werden. Zur Verfügung standen Pressstempel mit den Durchmessern 4, 5, 6, 8 und 10 mm.
Zur Optimierung des Abpressgrades mussten in Vorversuchen das Untersetzungsverhältnis des Keilriementriebes sowie die Schneckendrehzahl bei unterschiedlicher Reibradeinstellung gemessen werden
(Tab. 2). Die Drehzahlen der Antriebsscheibe wurden mit einem digitalen Infrarot-Handtachometer des Typs Jaquet und die Drehzahlen der Press-Schnecke mit einem digitalen Drehzahlmesser des gleichen Herstellers erfasst.

Abbildung 10: Dekantieren des Öls über mehrere Stufen

3.1.2 Filteranlage
Die benutzte Filteranlage (Abb. 11) wurde speziell für die vorliegende Arbeit angefertigt.
Sie besteht aus einem Kerzenfilter und einer Zahnradpumpe. Als Kerzenfilter wurde eine Baumwollfilterpatrone des Typs SW 10/P005 mit einer Porengrösse von 5 ?m benutzt (Abb. 11). Bei den Kerzenfiltern ist ein Faden aus gebleichter Baumwolle diagonal um einen Kern gewickelt, so dass die Poren nicht durchgehend, sondern wegen der diagonalen Wicklung versetzt sind. Dies hat den Vorteil, dass radial auftreffende Partikel, die den Porendurchmesser unterschreiten, trotzdem das Filtermaterial nicht passieren können. Die Filterkerze wurde ursprünglich für Wasser vorgesehen, bewährt sich indessen nun ebenfalls für Pflanzenöle.
Bei der Pumpe handelt es sich um eine Zahnradpumpe Marzocchi P D 115 des Typs SEM Kg 80-4C der Firma Unitec AG. Ihr Fördervolumen beträgt 7,8 cm3 pro Umdrehung, die Förderleistung 11 l pro Minute bei 1360 min-1 und ca. 15 bar Betriebsdruck. Dieser Pumpentyp wird zur Reinigung von Hydraulikölen nach Reparaturen an Fahrzeugen oder in stationären Anlagen verwendet.


Abbildung 11: Filteranlage
 
 
Abbildung 12: für Hanföl verwendeter Kerzenfilter

3.2 Vorversuche und Vorabklärungen

3.2.1 Phosphorgehalt
Um den Phosphorgehalt der vier zu analysierenden Öle bei möglichst realistischen Abpressgraden zu ermitteln, wurden an der vorhandenen Presse der Düsendurchmesser und die Drehzahl variiert. Schliesslich konnten zehn verschiedene Ölproben abgefüllt und zum Versand bereit gestellt werden. Diese 10 Proben gingen anschliessend zur Analyse an die Firma ASG-Analytik-Service-GmbH nach Neusäss-Täfertingen (Deutschland).
Die Ergebnisse des Labors (Tab. 4) dienten als Grundlage zur Entscheidung, mit welchen Einstellungen der Presse in den Hauptversuchen welches Öl gepresst werden sollte.

Tabelle 4: Probenanzahl, Pflanzenart und Presseneinstellungen in Gegenüberstellung mit den Öl- und Presskuchenerträgen, dem Abpressgrad (APG) und dem im Labor analysierten Phosphorgehalt.

Nr.
Pflanzen- art
Stempel- Durch- messer
[mm]
Dreh- zahl
[min-1]
Saat- menge
[g]
ausge- presstes Öl
[g]
Press- kuchen
[g]
Öl- anteil
[%]
APG
[%]
P-Gehalt
[mg/kg]
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
Hanf
Hanf
Hanf
Leinsaat
Leinsaat
Leinsaat
Leindotter
Leindotter
Leindotter
Hanf
8
8
8
8
8
8
8
8
8
10
22.3
43.1
63.2
22.3
43.1
63.2
22.3
43.1
63.2
22.3
500
500
500
500
500
500
500
500
500
500
147.2
140.7
139.2
177.1
163.1
150.3
157.0
140.2
129.9
141.1
344.3
348.5
349.8
317.2
331.6
343.4
337.2
355.1
367.0
352.9
29.4
28.1
27.8
35.4
32.6
30.1
31.4
28.0
26.0
28.2
93.3
89.2
88.3
93.2
85.8
79.2
82.6
73.7
68.2
89.6
31.2
27.5
21.6
8.3
7.9
9.1
18.1
18.2
15.6
16.5

Alle drei mit der 8 mm Düse gepressten Hanfproben übertrafen den nach RK- Standard maximal erlaubten Phosphorgehalt von 15 mg/kg massiv (Tab. 4). Sie schieden deshalb sofort aus und es blieb lediglich noch auf Probe 10 abgestützt werden.
Bei der Leinsaat und beim Leindotter lag der Phosphorgehalt der 8er Proben zwischen 7,9 und 18,2 mg/kg in einem akzeptablen Bereich. Somit wurde entschieden, mit der 8 mm-Düse und der kleinsten Drehzahl von 22,3 min-1 weiterzuarbeiten. Dies erschien als Optimum bezüglich hoher Ölausbeute und Einhaltung des P-Grenzwertes. Damit stand fest, dass für die Hauptversuche die Presseeinstellungen gemäss den Proben Nr. 4, 7 und 10 verwendet werden sollten.

3.3 Hauptversuche
Nach ihrer Kaltpressung wurden die Pflanzenöle im Labor der ASG Analytik-Service GmbH, Neusäss-Täfertingen, Deutschland untersucht. Wir durften drei Tage bei den Analysen dabei sein, diese zum Teil selber ausführen, oder dabei mithelfen. Die Analyseverfahren sind hingegen weitgehend automatisiert, so dass es schwierig ist, den gesamten Versuchsvorgang nachzuvollziehen. Unsere Arbeit bestand hauptsächlich aus Einwägen und Erfassen der Resultate nach Ablauf der Analyse.
Die Prüfverfahren und die Prüfgeräte sind von der Deutschen Akkreditierungsstelle Mineralöl GmbH unter der Registriernummer MIN-P-01/98 zugelassen. Davon ausgenommen ist das Verfahren zur Ermittlung der Cetanzahl. Dieses Prüfverfahren ist noch nicht offiziell zugelassen.
Als Prüfparameter werden sowohl für Pflanzenöle, als auch für Mineralöle dieselben verwendet.

Folgende 14 Werte werden analytisch bestimmt:

  • Dichte bei 15°C
  • Flammpunkt
  • unterer Heizwert
  • kinetische Viskosität bei 40°C
  • vorläufige Cetanzahl
  • Koksrückstand
  • Iodzahl
  • Schwefelgehalt
  • Gesamtverschmutzung
  • Neutralisationszahl (Säurezahl)
  • Oxidationsstabilität
  • Oxidasche
  • Wassergehalt
  • Phosphorgehalt

Als Referenz werden die Werte von Raps verwendet (vgl. Kapitel 2.3.4).

Inhaltsverzeichnis

4 Ergebnisse

In Tabelle 5 sind die Resultate der Laboranalysen der ASG Analytik-Service GmbH zusammengestellt. Zum Vergleich sind in der letzten Spalte die Grenzwerte für Rapsöl aus dem Qualitätsstandard RK 05/2000 aufgeführt. Die erste Spalte zeigt die jeweilige Einheit des gemessenen Parameters der untersuchten Pflanzenöle.

Tabelle 5: Resultate der im Labor der ASG Analytik-Service GmbH analysierten Öle von Hanf, Lein, Mohn und Leindotter, im Vergleich zu den Werten des RK-Qualitätsstandards 05/2000

Prüfparameter
Einheit
1 Hanföl
2 Leinöl
3 Mohnöl
4 Leindotteröl
RK-Standard
Dichte 15 °C
Flammpunkt nach Pensky-Martens
Heizwert, unterer
Kinematische Viskosität (40° C)
Cetanzahl (1)
Koksrückstand
Iodzahl
Schwefelgehalt
Gesamtverschmutzung
Neutralisationszahl
Oxidationsstabilität (110° C)
Oxidasche
Wassergehalt nach Karl Fischer
Phosphorgehalt
kg/m3
°C
MJ/kg
mm2/s
-
Gew. -%
g Iod/100 g
mg/kg
mg/kg
mg KOH/g
h
Masse-%
Masse-%
mg/kg
927.4
308
36.2
27.48
39.5
0.51
161 (2)
< 0.5
177 (2)
2.273 (2)
2.9 2)
0.011 (2)
0.0736
9.0
931.9 (2)
254
36.2
25.46
38.9
0.62
192 (2)
< 0.5
51 (2)
2.385 (2)
2.0 (2)
0.010
0.1007 (2)
4.2
924.4
267
35.9
29.02
37.0
0.39
145 (2)
< 0.5
35 (2)
1.131
4.2 (2)
0.010
0.0869 (2)
< 0.5
924.2
254
36.2
30.57
38.5
0.52 (2)
150 (2)
< 0.5
127 (2)
1.649
3.4 (2)
0.016 (2)
0.0631
9.6
900-930
min. 220
min. 35
max. 38
-
max. 0.4
100-120
max. 20
max. 25
max. 2.0
min. 5
max. 0.01
max. 0.075
max. 15

1) Prüfverfahren noch nicht standardisiert
2) Werte, die den Grenzwert nicht erreichen bzw. überschreiten

Dichte: Die Dichte des Leinöls übersteigt den oberen Grenzwert gemäss RK- Standard ganz leicht.. Die übrigen drei Öle von Mohn, Leindotter und Hanf liegen alle im Standardbereich. Mohn- und Leindotteröl weisen etwas tiefere Dichten auf, als die anderen beiden Öle.

Flammpunkt: Alle vier untersuchten Öle erfüllen die Mindestanforderungen von 220 °C. Hanföl unterscheidet sich mit über 300 °C Flammtemperatur wesentlich von den drei anderen Ölen.

Heizwert: Die Heizwerte der untersuchten Öle erreichen alle das geforderte Minimum von 35 MJ/kg. Bei diesem Parameter weichen die vier Öle nur geringfügig voneinander ab.

Kinematische Viskosität: Die untersuchten Pflanzenöle liegen alle unter dem Maximalwert des RK- Standards von 38 mm2/s. Das Lein- und auch das Hanföl sind leicht dünnflüssiger als das Mohn- und das Leindotteröl.

Cetanzahl: Die vier untersuchten Öle ergaben Cetanzahlen von 37 bis 39.5. Damit sind sie dem Rapsöl mit der Cetanzahl von knapp 40 sehr ähnlich.

Koksrückstand: Der Grenzwert von max. 0.4 Masse.- % wird alleine vom Mohnöl mit 0.39 Masse - % erfüllt. Die übrigen Öle liegen mit Werten von 0,51 bis 0,62 Masse - % darüber.

Iodzahl: Die vier untersuchten Öle überschreiten mit ihrer Iodzahl alle den Grenzbereich von 100 bis 120 g Iod/100 g. Leinöl und auch Hanföl sogar deutlich, was auf einen tiefen Sättigungsgrad dieser Pflanzenöle schliessen lässt.

Schwefelgehalt: Der Schwefelgehalt liegt für alle vier analysierten Öle unter der Nachweisgrenze.

Gesamtverschmutzung: Alle vier Öle übersteigen bei der Gesamtverschmutzung den Grenzwert von 25 mg/kg. Auffallend ist, dass Hanföl einen massiv höheren Wert aufweist, obwohl es als einziges Öl schon vorgefiltert wurde. Am besten schneidet das Mohnöl mit
35 mg/kg ab.

Neutralisationszahl: Während Mohnöl und Leindotteröl den Grenzwert mit einiger Reserve erfüllen, überschreiten Hanföl und Leinöl die Limite von 2.0 mg KOH/g deutlich.

Oxidationsstabilität: Keines der vier analysierten Öle erfüllt die Mindestanforderungen von 5 h. Mit 4.2 h kommt das Mohnöl dem Grenzwert am nächsten. Die anderen drei Öle liegen mit Werten von 2.0 bis 3,4 h ungünstiger.

Oxidasche: Mohnöl, Leinöl und Hanföl schöpfen den Grenzwert von 0.01 Masse - % aus. Beim Leindotteröl ergibt sich mit 0.016 Masse - % eine Überschreitung.

Wassergehalt: Mohnöl und Leinöl weisen einen zu hohen Wassergehalt auf. Hanföl liegt im Grenzwertbereich und Leindotteröl einiges darunter.

Phosphorgehalt: Keines der von uns vorbereiteten Öle nähert sich dem kritischen Gehalt von 15 mg/kg Phosphor. Mohnöl fällt mit einem auffallend tiefen Phosphorgehalt sogar unter dem messbaren Bereich.

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5 Diskussion und Folgerungen

5.1 Diskussion

5.1.1 Parameter-Diskussion

Dichte: Die Dichte dient v. a. zur Bestimmung der Reinheit und Charakterisierung eines Öles. Die Werte der vier untersuchten Öle liegen mit ca. 930 kg/m3 leicht höher als bei Rapsöl. Eine molekülbedingtehöhere Dichte - nicht durch unerwünschten Wasseranteil verursacht - dürfte als Verbesserung der Energiedichte interpretiert werden.

Flammpunkt: Der Flammpunkt von Dieselöl liegt bei 80° C. Die hohen Flammpunkte der vier geprüften Pflanzenöle von 254° C bis sogar 308° C beim Hanföl, bringen ganz wesentliche Erleichterungen bezüglich den Sicherheitsvorkehrungen bei Transport und Lagerung. Interessant vielleicht der Hinweis, dass eine Beimischung von lediglich 5 % Dieselöl zu reinem Rapsöl dessen Flammpunktemperatur bereits etwa halbiert. Beimengungen mineralischer Kraftstoffe veranlassen schon ab 0,5 Masseprozenten nachweisbare Unterschreitungen des Flammpunkt-Grenzwertes.

Heizwert: Alle vier Öle liegen mit ca. 36’000 kJ/kg über dem geforderten minimalen Heizwert, allerdings leicht hinter den für Rapsöl typischen 38’000 kJ/kg. Interessant ist der Einbezug der Dichte, die in allen Fällen diejenige von Rapsöl leicht übertrifft. Falls diese höhere Dichte nicht mit einer Überschreitung des Grenzwertes für den Wassergehalt zusammenhängt, würde sie eine kleine Kompensation des tieferen Heizwertes bedeuten.

Kinematische Viskosität: Die untersuchten Pflanzenöle unterschreiten alle den Grenzwert des RK-Standards von 38 mm2/s. Dieser Vorteil hängt offensichtlich mit ihrem geringeren Sättigungsgrad zusammen. Bezüglich Treibstoffführung sind deshalb die für Rapsöl getroffenen Umrüstmassnahmen ebenfalls für die vier untersuchten Öle ausreichend.
Verbrennungstechnisch muss hingegen von einer erhöhten Ablagerungsgefahr ausgegangen werden.

Cetanzahl: Die Bestimmung der Cetanzahl von Pflanzenölen erfordert eine derart weitgehende Veränderung der Prüfbedingungen gegenüber denjenigen für Dieselöl, dass die CZ-Werte von Pflanzenöl und Dieselkraftstoff nicht miteinander vergleichbar sind. Innerhalb der Pflanzenöle ist der Vergleich hingegen aussagekräftig. Die vier untersuchten Öle erreichen in etwa die CZ von Rapsöl (?40) und fallen somit in die gleiche Zündwilligkeitsklasse.

Koksrückstand: Ausser beim Mohnöl liegen alle Werte für den Koksrückstand über dem Grenzwert von 0.4 Masse-%. Zusammen mit den hohen Jodzahlen ist dies ein Hinweis auf erhöhte Neigung zu Rückstandsbildung im Brennraum. Die hohe Gesamtverschmutzung lässt indessen erwarten, dass sich der Koksrückstand durch Optimierungsmassnahmen beim Abpressgrad und der Filtration noch reduzieren lässt, weil dadurch Feststoffpartikel vermieden oder entfernt werden, die mit ihren organischen und anorganischen Stoffen Ablagerungen begünstigen.

Iodzahl: Keines der untersuchten Öle erreicht den Grenzwert für die Jodzahl. Wie bei der Cetanzahl bereits erwähnt, lassen die über den Erfahrungswerten für Rapsöl liegenden, hohen Jodzahlen auf einen tiefen Sättigungsgrad der vorliegenden Fettsäuren schliessen.
Der Einfluss ist einerseits günstig, weil ein abnehmender Sättigungsgrad die Dünnflüssigkeit tendenziell verbessert, andererseits unerwünscht, weil von Ölen mit Jodzahlen über 120 erhöhte Verkokungsgefahr im Motorbrennraum ausgeht.
Näher zu prüfen bleibt die Frage, wieweit sich die Jodzahl durch Absenken der allzu hohen Gesamtverschmutzung reduzieren lässt.

Schwefelgehalt: Pflanzenöle haben von Natur aus einen tiefen Schwefelgehalt. So auch die vier untersuchten Öle. Die faktische Abwesenheit von Schwefel ist ein wesentlicher kraftstofftechnischer Vorteil der Pflanzenöle, speziell auch hinsichtlich Katalysatorbetrieb.

Gesamtverschmutzung: Die Überschreitungen des Grenzwertes von 25 mg/kg sind bei Mohn- und Leinöl beträchtlich und beim Leindotter- und speziell beim Hanföl massiv, obwohl es als einziges Öl an der SHL bereits vorfiltriert wurde. Eine Erklärung dazu kann sein, dass der Filter unserer Anlage einen Porendurchmesser von 5 µm hat, die Laboranalyse aber auf 0.8 µm genau gemacht wird. Weil indessen Gewinnung und Aufbereitung der geringen Ölmengen für die vorliegende Arbeit nicht professionellen Standards entsprechen konnten, waren bezüglich Gesamtverschmutzung Einschränkungen unvermeidbar.

Neutralisationszahl: Die Neutralisationszahlen von Hanföl und Leinöl liegen deutlich über, diejenigen von Mohnöl und Leindotteröl unter dem Grenzwert. Dies bedeutet, dass Hanf- und Leinöl eher sauer und auf den Motor verschleissfördernd reagieren und im weiteren Reaktionen mit den basisch wirkenden Motorölanteilen möglich sind. [7]

Oxidationsstabilität: Bei den vier Pflanzenölen unserer Semesterarbeit stellten wir eine eher schlechte Oxidationsstabilität fest. Das heisst, die Öle tendieren bei der Lagerung zu schnelleren Oxidations- und Polymerisationsvorgängen, die unlösliche Verbindungen und Verstopfungen in der Kraftstoffführung veranlassen können. Ausserdem sind Wechselwirkungen mit den basischen Anteilen des Motorenöls möglich. Eine Verringerung des Wassergehaltes verlangsamt die Oxidation und wirkt deshalb stabilisierend. [7]

Oxidasche: Wie bereits bei der Gesamtverschmutzung überschreiten Hanf- und Leindotteröl auch hier den Grenzwert von 0.01 Masse-%, allerdings nur unwesentlich. Mohn- und Leinöl nutzen den Grenzwert aus. Auf diesem Niveau sind im Vergleich zum Rapsölbetrieb keine verschärften Probleme zu erwarten. Auch hier darf erwartet werden, dass der Oxidaschegehalt mit einer professionellen Filteranlage beträchtlich gesenkt werden kann. [7]

Wassergehalt: Generell ist Wasser für den Motor nicht schädlich. Für die Senkung des
NOx - Ausstosses ist Wasser sogar förderlich, da es die Verbrennungstemperatur senkt. Für die Pflanzenöllagerung ist indessen die Einhaltung des begrenzten Wassergehaltes wichtig, weil dieser für die Mikroorganismenaktivität entscheidend ist. Ein ungünstig hohes Wasserangebot beschleunigt unerwünschtes Einsetzen von Hydrolyse und Oxidationsvorgängen. Der Wassergehalt kann durch günstige Lagerung ohne grosse Temperaturschwankungen und die Raffination beeinflusst werden. Die zu hohen Wassergehalte des Mohn- und Leinöls stellen in diesem Rahmen kein grosses Problem dar. [7]

Phosphorgehalt: Trotz erstaunlich hohen Abpressgraden im Bereich von 80 % blieben alle vier Öle deutlich unter dem Grenzwert von 15 mg/kg. Beim Mohnöl fiel der Phosphorgehalt sogar unter den messbaren Bereich. Erfreulicherweise konnte dieser entscheidende Qualitätsparameter sogar auf der labormässigen Gewinnungs- und Aufbereitungsstufe mit einem Sicherheitspolster eingehalten werden. [7]

5.1.2 Gesamtdiskussion
Die Analysenwerte zeigen insgesamt ein zufriedenstellendes Bild und geben gut verständliche Hinweise auf die Kraftstoffeignung. So wird rasch ersichtlich, dass Hanföl ungünstig dasteht, während der mischfutterfreundliche Leindotter durchaus rapsölähnliche Kraftstoffeignung erreicht.
Für die verfahrensabhängigen Grössen die die Grenzwerte nicht erfüllten, darf sicher gelten, dass sie in einer professionellen Anlage in den Griff gekriegt, oder zumindest verbessert werden. Die Gesamtverschmutzung, die Oxidationsstabilität, die Iodzahl und die Neutralisationszahl hängen entweder vom Partikelgehalt ab, der durch gute Filtration reduziert wird, oder vom Wassergehalt, der durch Ausgangsfeuchtigkeit und Lagerung beeinflusst werden kann.
Auf eine chemische Weiteraufbereitung, wie sie in Grossanlagen geschieht, wird bei der dezentralen Gewinnung von kaltgepresstem Pflanzenöl, als umweltschonendem Alternativkraftstoff, ausdrücklich verzichtet.
Neben der Ölqualität sind ebenfalls anbautechnische Faktoren zu berücksichtigen. So ist beispielsweise die Erntetechnik für Hanf noch keinesfalls generell verfügbar oder ausgereift. Zudem stehen dem Anbau wegen der THC-Problematik behördenseitig - zumindest vorläufig - noch fast unüberwindbare Hürden im Weg. Leider ist es auch die Regel, dass Hanfkulturen - unabhäng von Sorte und Gehalt - von Diebstahl heimgesucht werden.
Bei der Kreuzblättrigen Wolfsmilch sind nach wie vor züchterische Massnahmen unabdingbar, um einen effizienten Anbau zu ermöglichen. Angaben zur Kraftstoffeignung des Öls sind nur spärlich vorhanden. Das Saatgut ist nur schwer erhältlich und sehr teuer.
Eine ähnliche Situation gilt beim Schlafmohn. Das Saatgut ist ebenfalls nur schwer erhältlich und vor allem sehr teuer, da es bei uns hauptsächlich zu Speisezwecken - etwa in Bäckereien - verwendet wird. Der Anbau könnte zudem ähnliche Probleme wie beim Hanf mit sich bringen.
Interessant sind Lein und Leindotter. Diese Ölfrüchte offerieren kein Missbrauchspotential. Ihr Anbau setzt vor allem die Lösung agronomischer Probleme voraus. Das Saatgut ist leicht erhältlich und erschwinglich. Die Ernte kann mit herkömmlichen Getreidemähdreschern geschehen und die Kulturen sind allgemein in der Bevölkerung akzeptiert.

5.2 Folgerungen
Werden alle Faktoren berücksichtigt wird ersichtlich, dass unter den gegenwärtigen Bedingungen in unserem Land lediglich Lein und Leindotter wirklich ein Potential zur Produktion und Nutzung von pflanzlichem Alternativkraftstoff aufweisen.
Als Weiterführung unserer Arbeit könnte es interessant sein, die untersuchten Öle nun im täglichen Gebrauch zu testen. Im weiteren wäre die Wirtschaftlichkeit einer Lein- und Leindotterölproduktion für alternativen Treibstoff abzuklären.
Der Anbau der bearbeiteten Kulturen und gegebenenfalls auch der Kreuzblättrigen Wolfsmilch, müsste unter schweizerischen Verhältnissen weiter untersucht werden, um die agronomischen, landtechnischen und ertragsbezogenen Fragen beantworten zu können, beziehungsweise um bereits existierende Angaben zu überprüfen.

Inhaltsverzeichnis

6 Literaturverzeichnis

  • [1] Alsing I. et al, 1992. Lexikon Landwirtschaft. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München.
  • [2] Bertelsmann Lexikothek, die Grosse; 1996. Band 5 und Band 10. Verlagsgruppe Bertelsmann GmbH. Gütersloh (A).
  • [3] Duke A. J., 1983. Handbook of Energy Crops. Unpublished.
  • [4] http://www.bv-pflanzenoele.de/oel_l.... abgerufen am 08.12.2003.
  • [5] Pude R., 2001. Broschüre Pflanzen - Rohstoffe - Produkte, Pflanzen für die Industrie. Fachagentur nachwachsende Rohstoffe, Gülzow.
  • [6] Remmele E. et al., 2002. Reinigung kaltgepresster Pflanzenöle aus dezentralen Anlagen. Bayerisches Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten. Gelbes Heft 75. Druckhaus Kastner GmbH, Wolnzach.
  • [7] [Remmele E. et al., 2002. Begleitforschung zur Standardisierung von Rapsöl als Kraftstoff für pflanzenöltaugliche Dieselmotoren in Fahrzeugen und BHKW. Bayerisches Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten. Gelbes Heft 69. Druckhaus Kastner GmbH, Wolnzach.
  • [8] Rindisbacher T., 2003. Rapsöl als Treibstoff - Auswirkungen verschiedener Abpressgrade auf das Rapsöl und den Rapspresskuchen. Semesterarbeit. Schweizerische Hochschule für Landwirtschaft (SHL), Zollikofen.
  • [9] Rossbach E., 1990. Der Anbau von Euphorbia lathyris L. unter besonderer Berücksichtigung des Einflusses von Bestandesdichte, Stickstoffdüngung und Erntetermin auf den Samenertrag und die Ölqualität. Diplomarbeit. Universität Hohenheim, Stuttgart-Hohenheim.
  • [10] Sergis L., 1999. Jahrbuch 2. Tarmstedter Forum 1999. Erneuerbare Energie in der Landwirtschaft.
  • [11] Widmann B., 1994. Verfahrenstechnische Massnahmen zur Minderung des Phosphorgehaltes von Rapsöl bei der Gewinnung in dezentralen Anlagen, Dissertation, Institut für Landtechnik der Technischen Universität München in Weihenstephan
  • [12] Eidg. Forschungsanstalt für Agrarwirtschaft und Landtechnik (FAT), 1998. FAT-Bericht Nr. 516. Landwirtschaftliche Beratungszentrale, Abt. Landtechnik, 8315 Lindau.

Inhaltsverzeichnis

7 Dank

Herzlich danken möchten wir unserem Betreuer Martin Meyer. Er nahm sich die Zeit, uns wo immer möglich zu unterstützen und machte uns seine Beziehungen zu Fachleuten auch im Ausland zugänglich.
Herzlich danken wir Herrn Juergen Bernath und Herrn Thomas Wilharm für das grosszügige Angebot, in ihrem Labor drei Tage bei den Analysen mitzuarbeiten und uns so eine gute Voraussetzung zum Verständnis der Analyseergebnisse zu schaffen.
Ebenfall einen sehr herzlichen Dank richten wir an das Team der ASG, das sich während unserem Laboraufenthalt um uns gekümmert, uns die Analyseverfahren erklärt hat und uns auch mitarbeiten liess.
Herzlich danken wir auch Frau Alice Tzinoglou und Herrn Werner Glink, die uns während des Aufenthaltes in Deutschland bei sich aufgenommen und so grosszügig bewirtet haben.
Schliesslich geht ein herzliches Dankeschön an Herrn Armin Tschanz, dass er sich immer Zeit genommen hat, um unsere Anlagen einzurichten und uns jederzeit mit Rat und Tat bei Problemen beizustehen.
Herrn Daniel Böhler danken wir recht herzlich für seine Hilfe bei der Saatgutbeschaffung.

8 Anhang

Anhang 1: Prüfbericht ASG Analytik-Service GmbH, Neusäss-Täfertingen (Deutschland)

Inhaltsverzeichnis

  • Le trafic et le transport, qui vont en croissant, sont les principaux responsables d'émissions de gaz nocifs, dont les proportions augmentent en parallèle. Cela concerne en particulier le CO2 dont on réclame une réduction aussi efficace et aussi peu coûteuse que possible. L'une des possibilités envisagées pour réduire le CO2 est de remplacer le diesel actuel dans les moteurs par des carburants alternatifs, issus d'huiles végétales. Dans ce contexte, l'huile de colza est déjà parfaitement connue et utilisée. De ce fait, elle sert de référence pour la qualité et les performances des huiles végétales utilisées comme carburants.
Artikel modifiziert Sonnabend 1. Januar 2011 16:50, Erscheinungsdatum Sonntag 9. Juni 2002 00:00

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