Hanf-Kalk-Dämmputz: Eigenschaften und Verarbeitung
Der nachwachsende Rohstoff Hanf kann als wärmedämmender Alternativbaustoff verwendet werden. Ein patentiertes Verbundmaterial aus Hanf und Kalk wird von der französischen Firma Chenevotte Habitat angeboten. Bei der mechanischen Zerfaserung der Pflanze entstehen Hanfschäben mit feinen Härchen, die einen hohen Haftverbund bewirken. Als Zusatz zu Putzmörtel wird die Rohdichte verringert und damit die Dämmung erhöht.
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Hanf-Kalk-Dämmputz: Eigenschaften und Verarbeitung
Schiller, H.;
Quelle: Arconis, 2000
ISSN: 0949-7153;
Standort in der IRB-Bibliothek: DEIRB Z 1863;
Technische Eigenschaften
Rohdichte:
in loser Schüttung ca. 100 kg/cbm, dann ist lambda=0,05
in Mischung mit Kalk als Putzmörtel ca. 500-800 kg/cbm
Hohe Festigkeit.
Gute Verankerung der Hanfschaben mit natürlichen, sulfatfreien Kalken wie Luft- und hydraulische Kalke durch hohen Krümmungsbereich und feine kleine Haare. Luftkalk: Entsteht durch Brennen von Kalkstein bei 1050-1250 Grad C. Bindung durch Wasser und Luftkohlensäure. Hydraulischer Kalk: Kieselsäure- und Tonerdehaltig. Aushärtung und Karbonatisierung an Luft dauert ca. 4 Tage. Zementähnliche Erhärtung, diffusionsoffen. Hydratation durch chemische Bindung von Wasser mit Bildung wasserunlöslicher Hydrate.
Hygrische Eigenschaften Relative Gleichgewichtsfeuchte 8-12 Prozent, dadurch Schutz des Holzes im Fachwerkbau.
Thermische Eigenschaften Gute Wärmespeicherfähigkeit durch hohen Siliciumgehalt der Pflanze. Bei Wandstärke von 5,0 cm und Innendämmung mit Hanf-Kalk-Dämmputz (lambda=0,12) beträgt K-Wert 2,3, bei Wandstärke von 10,0 cm ist K=1,1 W/qmxGrad C
Mechanische Eigenschaften Oberflächenfestigkeit nach 5 Tagen erreicht. WTA-Vorschriften werden erfüllt.
Akustische Eigenschaften Der Dämmputz ist Schalldämm- und Schallabsorptionsmittel.
Diffusionsverhalten Der aufgenommene Luftwasserdampf wandert von Stellen mit hohem Dampfdruck zu Stellen mit niedrigem Dampfdruck, d.h. fast immer von der warmen zur kalten Seite. Unbehinderte Wasserdampfdiffusion gewährleistet optimales Wohnklima.
Brandverhalten Hohe Brandfestigkeit, bis zu Brandstoffklasse B1
Verhütung von Fäulnis und Pilzbefall Aseptische und bakterizide Eigenschaften
Herstellung und Verarbeitung Vorbehandlung: Vornässen oder vorstreichen mit Kalkmilch. Verarbeitung: Hanf-Kalk-Putz ist reiner Handputz, d.h. Anwerfen mit Maurerkelle, Glätten und ggfls. Überfilzen. Oberflächengestaltung: gefilzte Oberfläche (ähnlich Rauhfasertapete, mit pergamentgelber Farbe), geglättete Oberfläche (ähnlich konventioneller Putz, aber lebendigere Oberfläche), geglättete, überschliffene Oberfläche (leichter Glanz, durch Lichteinfall leichtes Schimmern in der Putzoberfläche), Kalktünche (Anspritzen des Kalks und Glätten mit der Kelle. Oberfläche in gebrochenem Weiß).
Anstrichtechniken
Freskotechnik: Kalkmilchgrundierung, darauf folgend 3 x naß-in-naß ein Kalkanstrich aus Sumpfkalk mit Zusätzen versetzt.
Zusätze:
Heringslake dient zum besseren Abbinden der drei Farbschichten und bewirkt Festigkeit durch hohen Eiweißgehalt.
Lein- oder Hanföl statt Heringslake zur besseren Wisch- und Abriebfestigkeit.
Erdpigmente für Farbigkeit.
Anstrich für Außenbereich: 1. Fresco-Anstrich 3 x naß-in-naß oder 2. Anstrich aus Kali-Wasserglas mit Grundierung und Fixierung.
Auftrag nicht bei direkter Sonneneinstrahlung und Temperaturen unter 5 Grad C.
Einsatzbereich
Innen- und Außendämmung
Komplettausfachung im Fachwerkbau
Einlagiger Ausgleichsputz bei Mauerwerksunebenheiten (bis 4 cm Dicke)
Dämmputz mit Wandheizung
Hanf-Kalk-Estrich (Fußboden, Obergeschoß)
Innen- und Außenputz (1-2 cm Dicke)
Sanierputz für durchfeuchtetes Mauerwerk (mehrlagig, pro Lage max. 5 cm Dicke).
Vorteile von Hanfschäbenputz
Chemisch reines Baumaterial, Stabilisierung ohne Syntheseprodukte
Niedriger Kohlendioxid-Ausstoß. Langfristige Bindung des Kohlendioxids durch Kalk.
Thermisches Schallisoliermittel, Schallabsorptionsmittel, hygrometrisches Reguliermaterial und Antisalpeterbehandlung
Ökologischer Naturbaustoff.
Zusammensetzung
Mit dem Patent DE 19643605C2 ist folgender Baustoff geschützt:
20 Vol.-Teile Wasserkalk, 10 Vol.-Teile hydraulischer Kalk, 70 Vol.-Teile Hanfschäben, Wasser, 15 Vol.-Teile Sand
Verwendung des Baustoffs als Putz oder Estrich. (sr)
Stadthaus in Suhl-Heinrichs, neuer Wandaufbau
Herrenhaus Katzhütte; Anwerfen auf Schilfrohrputzträger und Glätten des Hanf-Kalk-Putzes
Tabelle
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Rathaus Suhl - Heinrichs, Wandaufbau von außen nach innen










