Neue Publikation "Jugendkult Cannabis: Risiken und Hilfen"
Unter dem Titel "Jugendkult Cannabis: Risiken und Hilfen" hat die Parlamentarische Staatssekretärin und Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk, im November 2004 eine zweitägige Fachkonferenz veranstaltet. Ab heute ist der Berichtsband über diese Tagung kostenlos erhältlich. Die Publikation informiert, wie sich die Konsummuster bei Cannabis in den letzten Jahren verändert haben. Zum anderen zeigt sie auf, welche Strategien der Prävention und Behandlung am geeignetsten sind, um dem problematischen Konsum vor allem unter Jugendlichen zu begegnen.
Dazu erklärt Marion Caspers-Merk: "Mit der Publikation will ich zu einer Versachlichung der Diskussion beitragen. Was Cannabiskonsum betrifft, brauchen wir eine Risikodebatte, die auf Fakten beruht und nicht auf der populistischen oder ideologischen Ebene geführt wird. Tatsache ist, dass der Cannabiskonsum heutzutage eine andere Dimension als noch zu Flower-Power-Zeiten hat. Überall in Europa nimmt der Cannabiskonsum zu. Die große Mehrheit der Konsumenten belässt es bislang bei einem bloßen "Probieren". Gleichzeitig konsumieren aber immer mehr junge Leute in exzessivem Ausmaß und sind praktisch den ganzen Tag "breit". Hiervon sind besonders junge Männer betroffen, die sich noch in der schulischen bzw. beruflichen Orientierungsphase befinden.
Cannabis ist die einzige illegale Droge, bei der in den letzten Jahren das Durchschnittsalter beim Erstkonsum gesunken ist: Während es 1993 noch bei 17,5 Jahren lag, liegt es aktuell bei 16,4 Jahren. Je früher die Jugendlichen zum Joint greifen, desto größer ist das Risiko für eine psychische Abhängigkeit. Deshalb ist Frühintervention besonders wichtig. Das bisherige Hilfesystem ist nicht auf diese neuen exzessiven Konsummuster bei Cannabis eingerichtet. Junge Cannabiskonsumenten können nicht mit den gleichen Methoden behandelt werden wie beispielsweise zumeist ältere Alkoholkranke oder Opiatabhängige. Das Beratungs- und Therapieangebot muss stärker auf die Zielgruppe der jugendlichen Cannabiskonsumenten ausgerichtet werden. Die Bundesregierung geht hier bereits neue Wege, wie z. B. mit dem internetgestützten Ausstiegsangebot "Quit the Shit" oder dem deutsch-schweizerischen Projekt "Realize it!". "Auch planen wir ein neues Projekt, wie der Zugang von jungen Leuten mit problematischem Cannabiskonsum zu den Beratungsstellen erleichtert werden kann."
Cannabis ist der am häufigsten konsumierte illegale Suchtstoff [1]. In Deutschland weisen fast 400.000 Menschen einen missbräuchlichen oder abhängigen [2] Konsum auf. In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen hat die Verbreitung von Cannabis zwischen 1992 und 2002 um das 2,7fache zugenommen. Jeder Zweite, der heute wegen des Konsums illegaler Drogen zum ersten Mal in seinem Leben eine Beratungsstelle aufsucht, kommt wegen Cannabis. Eine vom Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung beauftragte Studie über "Cannabisbezogene Störungen - Umfang, Behandlungsbedarf und Behandlungsangebot in Deutschland" hat eine Zunahme bei den Beratungen in den erfassten ambulanten Einrichtungen auf fast das 6fache innerhalb von 10 Jahren festgestellt. Die Publikation "Jugendkult Cannabis: Risiken und Hilfen2 ist im Internet unter [http://www.bmgs.bund.de/deu/gra/pub... zu bestellen oder herunterzuladen.
Quelle: Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung










