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Neuer Trend: Hanfkonsum ohne Tabak und Schadstoffe

Die Freunde des Hanfrauchens verzichten immer häufiger auf tabakhaltige Joints und lassen stattdessen einen Ballon kreisen. Ein Medizinalgerät aus Deutschland macht eine ungeahnte Karriere.

Die Firma Storz&Bickel GmbH war bis vor kurzem ein Kleinstbetrieb in Tuttlingen auf der schwäbischen Alb. Ein Kellerraum von zwölf Quadratmetern diente der Herstellung und dem Vertrieb von medizinisch-therapeutischen Heissluft-Extraktionsgeräten.

Aber dann erregten die Produkte dieser Firma das Interesse der Hanffreunde und damit kam der Erfolg. Heute beschäftigt die Firma 14 Angestellte und konnte letztes Jahr einen Anerkennungspreis des baden-württembergischen Wirtschaftsministers für technisch innovative und wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen aus Industrie und Handwerk entgegennehmen.

Storz&Bickel stellt seit 1998 den Volcano her, Deutsches Patent Nr. 19803376. Dabei handelt es sich um ein Inhalationssystem, "mit dem in Pflanzenmaterial enthaltene Aromen und Wirkstoffe verdampft und eingeatmet werden können", so die Gebrauchsanweisung. "Die mit Aroma- und Wirkstoffen angereicherte Luft wird zunächst über das Ventil in einen Ballon geleitet und dann getrennt vom Gerät dem Anwender zur Verfügung gestellt".

Ein neues "must": Seit Februar 2003 ist der Verdampfer - Vaporizer - mit US-Patent Nr. 6513524 selbst in den USA geschützt. Im Volcano werden Kräuter mit Heissluft durchströmt. Kamillenblüten lindern Husten und Erkältungen, Baldrianwurzel wirkt bei Schlafstörungen, Blüten der Muskatellersalbei lindern Menstruationsbeschwerden. Andere Kräuter helfen ?der Hektik unserer stressreichen Zeit zu entfliehen?. Und genau das schätzen nicht nur die Erkälteten, Heiseren und Schlaflosen, sondern auch die Hanffreunde. So sind sie es, die dem Volcano zum Durchbruch verholfen haben. 5000 Stück wurden bisher verkauft: mehr als die Hälfte davon an Hanfkonsumenten. Der Vaporizer dient den Hanffreunden als Ersatz für den Joint. An seiner Stelle macht ein mit Hanfdampf gefüllter Ballon die Runde. Auf diese berauschende Verwendungsmöglichkeit weist Storz&Bickel allerdings nicht extra hin. Im Werbematerial ist die Rede von Thymian, nicht aber von Hanf. Diplomingenieur Jürgen Bickel meint dazu: "Für die Finanzierung einer ersten Volcano-Serie hätten wir bei den Banken mit Hanf nicht überzeugt".

Auch Fachleute sind nach ausführlichen Tests von dem Gerät aus Deutschland überzeugt. "Sehr solide und gut verarbeitet", so die Bewertung der deutschen Hanfzeitschrift "Grow" über den Volcano. Auch "legalize it", das Schweizer Magazin für Kiffkultur wertet den Volcano als "das ausgereifteste Gerät, das zurzeit auf dem Markt ist (und das auch von uns am häufigsten verwendet wird)".

Mit dem aufkommenden Eigenbau hat in der Schweiz der Hanf das jahrzehntelang vorgezogene Haschisch abgelöst. Diesen Trend belegen auch die Polizeistatistiken. Es wurde in den letzten Jahren immer weniger Haschisch beschlagnahmt.
Mittlerweile ist unter den Hanfkonsumenten gar ein Trend zur Entkoppelung von Tabak und Hanf festzustellen. Der Anteil der Hanfkonsumenten, die das "Gras" nur noch pur rauchen, steigt. Besonders qualitätsbewusste, genussorientierte, meist besser gestellte Konsumenten über 30 interessieren sich für den Vaporizer, weil sie sich vom Tabak lösen wollen oder nur noch wenig rauchen, so Sven Schenkekehl von Verein "legalize it". Die Inhalierer schwärmen von der neuen Konsumform: "Es fährt langsamer ein als beim Rauchen. Die psychotrope Wirkung, auch das Dabei-lustig-Werden ist stärker, dafür fällt der bleischwere Stoned-Effekt praktisch weg".

Reiner als der Hanfrauch
In einer 55-seitigen Studie "Evalutation of Vulcano Vaporizer fort he efficient emission of THC", die 2003 in den tabakfeindlichen USA erstellt wurde, wird belegt, dass der Volcano viel effizienter ist als der Joint. Das Gerät löst rund 70 Prozent des vorhandenen berauschenden Wirkstoffes aus dem puren Hanfkraut. Beim Rauchen sind es nur 40 Prozent, der Rest verbrennt. Ausserdem ist der Hanfdampf reiner als der Hanfrauch. 95 bis 98 Prozent bestehen aus THC und wohltuenden Cannabinoiden, nur 2 bis 4 Prozent machen die krebserregenden polyaromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) aus. Beim Rauch ist das Verhältnis gute Stoffe: schlechte Stoffe umgekehrt: den nur 12 Prozent THC stehen 68 Prozent PAK-Anteil gegenüber.
Hintergrund der Studie ist der Einsatz des Volcano für Kranke. Ihnen verschafft der Hanfkonsum Linderung bei Untergewicht, Muskelspasmen, Schlaflosigkeit oder chronischen Schmerzen. Inhaliertes THC gelangt innerhalb von Minuten über die Lungen in die Blutbahn und erlöst die Patienten von ihren Beschwerden.

Mit dieser Untersuchung, die auch den gesunden Hanfkonsumenten überzeugt hat, hofft Bickel, dass der Volcano dereinst als Medizinalprodukte von der US Food and Drug Administration gutgeheissen wird. Auf dem Weg zur Kassenzulässigkeit stehen allerdings noch einige weitere Studien.

Kaufpreis noch zu hoch für grossflächige Verbreitung
Mit 768 Franken Kaufpreis und 1.76 Kilo sei der Volcano zu teuer und zu sperrig, um eine sehr weite Verbreitung zu finden, meint man bei der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA), die die Entkriminalisierung des Hanfkonsums befürwortet. Dies könnte sich bald ändern. Storz&Bickel arbeiten bereits am mobilen Verdampfer und hoffen, auf Ende 2005 ein tragbares Gerät auf den Markt zu bringen, "leichter, kleiner und netzunabhängig. Tragbar wie ein Handy", so Geschäftsführer Jürgen Bickel.

Quelle: "Facts" Nr. 38 v. 16.9.04 (Serge Hediger), "Volcano"-Gebrauchsanweisung.
Textbearbeitung: HC/Hanf-Info Murten

Der Volcano kann übrigens über den online-shop von Hanf-Info : Swiss Hemp Shop :
- "Volcano"-Inhalator
- Vaporizer VAPIR

  • Les amis de la fumette renoncent de plus en plus aux joints contenant du tabac. Ils préfèrent faire tourner un ballon rempli d'air chaud... La carrière inattendue d'un appareil médical allemand.
Artikel modifiziert Sonntag 21. Oktober 2007 14:49, Erscheinungsdatum Sonnabend 2. Oktober 2004 11:37

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