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Östereich: Cannabis ist eine Substanz, die auf dem Vormarsch ist

Fast drei Viertel der österreichischen Bevölkerung sollen mindestens einmal Cannabis geraucht haben

"Es können bei bevor bestehender Vulnerabilität Psychosen ausgelöst werden", wie immer wieder bei Jugendlichen beobachtet werde. Zumeist verschwinden diese Psychosen wieder, was jedoch auch Wochen oder sogar Monate dauern kann.

Drogen: 30 Prozent der Jugendlichen rauchen Cannabis

Fast drei Viertel der österreichischen Bevölkerung sollen mindestens einmal Cannabis geraucht haben, über ein Viertel der Jugendlichen konsumieren es regelmäßig.

Ein überwältigender Teil der Österreicher hat bereits Erfahrungen mit illegalen Drogen gemacht. Dr. Hans Haltmayer, Chef der Wiener Drogenberatungsstelle "Ganslwirt": "Auch Cannabis ist eine Substanz, die auf dem Vormarsch ist. Die Lebenszeit-Prävalenz beträgt in Österreich bereits 70 Prozent." Fast drei Viertel der Österreicher haben also zumindest einmal in ihrem Leben Cannabis geraucht. 30 Prozent der Jugendlichen würden es regelmäßig konsumieren.

Eventuelle gesundheitsschädigende Effekte hängen stark von der Dosis ab, Todesfälle wurden noch nicht beobachtet - außer bei bereits vorher bestehenden Herzerkrankungen. In dieser Beziehung ist Kokain wesentlich gefährlicher, da es etwa Herzinfarkte provozieren kann. Eine Problematik, die bestimmte Cannabis-Benutzer aber treffen kann: die Auslösung von Psychosen bis hin zu Schizophrenien.

Der Wiener Experte: "Es können bei bevor bestehender Vulnerabilität Psychosen ausgelöst werden", wie immer wieder bei Jugendlichen beobachtet werde. Zumeist verschwinden diese Psychosen wieder, was jedoch auch Wochen oder sogar Monate dauern kann. Auch Ecstasy kann Psychosen auslösen.

Wenig Aussagekraft haben Harntests. Haltmayer: "Der Nachweis von Cannabis im Harn sagt überhaupt nichts über die Beeinträchtigung aus. Auch eine Aussage über Abhängigkeit kann nicht gemacht werden. Es gibt auch im Gegensatz zum Alkohol keine verlässlichen Grenzwerte." Da der Cannabis-Inhaltsstoff THC sich im Fettgewebe anreichert, kann er viel länger und in geringsten Mengen nachgewiesen werden, bei denen überhaupt keine Wirkung mehr auf das Gehirn gegeben ist.

Relativ neu ist eine Art von Heroin-Konsum, die für Abhängige propagiert wird, die es (noch) nicht bis zur Substitutionsbehandlung mit Methadon oder anderen dafür vorgesehenen "medizinischen" Opiaten schaffen: "Chasing the Dragon". Dabei wird Heroinpulver auf eine Alu-Folie aufgetragen und von unten erhitzt. Der Konsument inhaliert dann den aufsteigenden Dunst über ein Röhrchen.

Haltmayer: "In Holland und in der Schweiz wird das bereits unter dem Aspekt der Vermeidung von Begleiterkrankungen gefördert. Das Wegfallen des Injizierens der Drogen vermeidet Hepatitis C-Infektionen, auch die Gefahr einer Überdosierung ist nicht so hoch. Bei der Injektion bekommt der Abhängige ja in einem Gang die gesamte Dosis und eine Überdosierung kann mit einem Schlag zur Atemlähmung führen." (APA)

(diepresse.com) 26.05.2005

Erscheinungsdatum Sonnabend 28. Mai 2005 02:44

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