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Prohibition: Kommentar- der heilige Zweck und die untauglichen Mittel

Die Befürworter von Drogenverboten sprechen stets nur von dem guten Zweck - die Bevölkerung und vor allem die Jugend vor den Gefahren von Suchtmitteln zu bewahren - selten aber davon, wie erfolgreich ihre Mittel zu diesem guten Zweck eigentlich sind. Der Grund für dieses Verschweigen liegt auf der Hand: es gibt keine Erfolge zu vermelden und ein Mittel, das nicht zum Erfolg führt, ist nach herrschender Logik unbrauchbar. Die von der Schweizerischen Fachstelle für Suchtprobleme (SFA) veröffentlichte Studie, nach der der problematische Suchtmittelgebrauch von Jugendlichen in der Schweiz zwischen 1998 und 2002 um knapp 10% gestiegen ist - und in Europa ähnliche Trends zu verzeichnen sind - bestätigt einmal mehr die Erfolglosigkeit der drogenpolitischen Mittel. Doch wie in der Vergangenheit wird dies nicht zu einer Revision diese Mittel führen, sondern zu erneuten Verlautbarungen über den guten Zweck der Verbotspolitik. Da man sich als Politiker allerdings damit lächerlich macht, das hehre Ziel der Prohibition - den sportgestählten, drogenfreien Weltbürger - lauthals zu bekunden, werden zur Illustrierung der edlen Absichten lieber die Gefahren des Dämons Droge an die Wand gemalt. Und sind wir nicht alle gegen Sucht, Elend und Abhängigkeit, gegen Kriminalität, Schwarzmarkt & Mafia? Na also! Und schon sind wie wieder bei den guten Absichten, der Abwehr des Übels, der Bekämpfung des Bösen, dem guten Zweck, der jedes untaugliche Mittel heiligt.

"Gut gemeint ist das Gegenteil von gut" - auf nichts passt dieses Sprichwort besser als auf die Befürworter der Prohibition. Ihre guten Absichten sind nicht nur illusorisch, sie sind auch längst in ihr Gegenteil umgeschlagen - der Krieg gegen Drogen schafft die Opfer, die er zu retten vorgibt; das Verbot von Drogen sorgt dafür, dass 90% aller dieser Substanzen, völlig unkontrolliert im Umlauf sind (selbst optimistische Schätzungen gehen nur von 10% Beschlagnahmungen des Gesamtangebots aus.); die Dämonisierung und Kriminalisierung verhindert Prävention und Jugendschutz. Lassen wir uns deshalb nichts mehr von guten Absichten und heiligen Zwecken erzählen - reden wir von den Mitteln und Wegen, wie diese Zwecke am besten zu erreichen sind: nicht die Drogen, sondern die Prohibition von Drogen sind das Problem!

Wer nach nunmehr 100 Jahren erfolgloser Prohibitionspolitik das Gegenteil behauptet, muss sich fragen lassen, welchen Interessen er eigentlich dient. Gesundheit und Jugendschutz können es, nach den vorliegenden Zahlen, nicht sein. Was dann? Was hält das irrationale Prohibitionsdogma so dauerhaft am Leben? Bei der Suche nach Motiven, empfahl einst der Soziologe Classens, sollte man immer "sehr niedrig ansetzen". Was treibt also Politiker, Ärzte, Wissenschaftler, sich weiter für eine kontraproduktive Drogenpolitik einzusetzen? Zum einen bietet die Dämonisierung von Drogen neben dem Übel des Terrorismus die wohl breiteste Solidaritätsplattform überhaupt - hier kann sich jeder als Gutmensch profilieren, indem er sich heldenhaft gegen "das Böse" stellt. Darüber hinaus ist die Drogenverfolgung in den letzten Jahrzehnten zu einem Milliardengeschäft geworden - vom UN-Drogenkontrollrat bis hinunter in die einzelnen Kommunen verdient ein Heer von Beamten sei täglich Brot mit der Prohibition, bei Militär und Polizei füllt sie ebenso die Budgets wie bei Behörden, Wissenschaftsinstituten, Werbeagenturen. Als in den USA Anfang der 30er Jahre die Alkohol-Prohibition endete, wurde als Auffangbecken für die staatlichen Schnapsverfolger das "Federal Bureau of Narcotics" gegründet und ein neuer Sündenbock erfunden: das "Teufelskraut" Marijuana. Wie viele Milliarden seitdem in die Verfolgung von Hanf gesteckt wurden, wie viele Jahrtausende Gefängnis seitdem weltweit ausgesprochen wurden, hat noch niemand ausgerechnet, die Vereinten Nationen verweigern seit Jahren eine Validierung der internationalen Drogenpolitik. Das ist kein Wunder - Kosten/Nutzen-Rechnungen müssen die Prohibitionsprofiteure fürchten wie der Teufel das Weihwasser; sie nehmen ihnen das Fleisch aus dem Topf und beenden den nimmerversiegenden Zufluss von Steuergeldern. Außer ihnen profitiert nur die organisierte Kriminalität und der Terrorismus vom Drogenverbot - eine Dreifaltigkeit von Staatsbeamten, Mafiosi und den Osama Bin Ladens dieser Welt hält das Dogma der Prohibition am Leben. Höchste Zeit, aus dieser Kirche auszutreten - und ihrer profitablen Fortexistenz einen Riegel vorzuschieben wie einst Luther dem Ablasshandel. Die Reformation in der Drogenpolitik ist dringend überfällig...

Mathias Bröckers
Artikel modifiziert Donnerstag 2. Dezember 2004 14:29, Erscheinungsdatum Dienstag 30. November 2004 13:00

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