Sativex® - Cannabis-Mundspray in Kanada im Handel
OTTAWA. Kanadische Ärzte sind weltweit die ersten, die ihren Patienten ein Medikament verschreiben dürfen, das die natürlichen Wirkstoffe der Cannabis-Droge enthält. Das Mittel wird von einem kleinen Phyto-Hersteller produziert und von Bayer HealthCare vermarktet.
Sativex® ist nach dem botanischen Namen der Hanfpflanze Cannabis sativa L. benannt. Aus dem Harz dieser Pflanze wird der Extrakt gewonnen, den die kanadische Gesundheitsbehörde Health Canada jetzt zur begleitenden Behandlung von neuropathischen Schmerzen bei Patienten mit multipler Sklerose zugelassen hat. Der Extrakt enthält standardisierte Mengen der beiden Drogen Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD), die jedem Drogenkonsumenten bekannt sind. Jede 5,5ml-Phiole Sativex® enthält genau 2,7 mg THC und 2,5 mg CBD.
Das Medikament wird als Spray auf die Mundschleimhaut appliziert, von wo aus die Wirkstoffe rasch ins Blut übertreten. Der genaue Wirkungsmechanismus ist unbekannt, doch eine Vermittlung über die vor einigen Jahren entdeckten Cannaboidrezeptoren im Gehirn erscheint wahrscheinlich. Die Zulassung erfolgte im Wesentlichen auf der Basis einer vierwöchigen Studie, an der Patienten teilnahmen, die seit mindestens drei Monaten an neuropathischen Schmerzen litten. Sativex® hat hier nach Angaben in den Zulassungsdokumenten zu einer signifikanten Reduktion der Schmerzen geführt. Auch die Schlafstörungen der Patienten hätten sich gebessert.
Das Medikament darf ausschließlich in der begleitenden Behandlung von neuropathischen Schmerzen eingesetzt werden. Jugendliche unter 18 Jahren dürfen es nicht erhalten.
Dass Sativex® durchaus eine Drogenwirkung hat, zeigen die Angaben zu den Nebenwirkungen. In den Studien kam es bei 70,5 Prozent zu einer so genannten „intoxication type reaction“, die aber auch 22,8 Prozent im Placeboarm bemerkt haben wollen.
Sie besteht aus dem Gefühl der Trunkenheit sowie aus Aufmerksamkeitsstörungen, Benommenheit, Müdigkeit, Desorientierung, „Dissoziation“ und einem euphorischen Gemütszustand. An anderer Stelle werden eine Beeinträchtigung der kognitiven Leistungen und des Gedächtnisses genannt, eine herabgesetzte Fähigkeit, Antrieb und Impulse zu kontrollieren sowie eine veränderte Wahrnehmung der Realität und vor allem des Zeitgefühls. Gewarnt wird schließlich vor psychotischen Reaktionen in Zusammenhang mit der Einnahme./rme
Deutsches Ärzteblatt, 21.06.05











