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Schweizerische Cannabis-Studie

Hanf lindert Spasmen und macht mobiler
Dr. Claude Vaney, Bernische Höhenklinik,
CH-Montana-Vermala

Die erste Schweizerische Cannabis-Studie ist abgeschlossen und ausgewertet. Wichtigste Erkenntnis: Mit Cannabis lässt sich eine antispastische Wirkung erzielen.

Ziel der Studie unter Leitung von Dr. Claude Vaney (Berner Klinik Montana) war, die Wirksamkeit der seit Jahrtausenden bekannten Heilpflanze Cannabis in der Behandlung der MS-bedingten Spastik wissenschaftlich zu belegen und dazu beizutragen, die Remedizinalisierung und Entkriminalisierung von Cannabisprodukten zu fördern.

Studiendesign
Die 57 StudienteilnehmerInnen mit medikamentös unbefriedigend therapierbaren Muskelspasmen, wurden in 2 Gruppen untersucht. Die eine erhielt zuerst 10 Tage das Scheinmedikament (Placebo) und dann 17 Tage lang den THC-Cannabisextrakt, die andere in umgekehrter Reihenfolge. Die individuelle tägliche Menge THC-Extrakt wurde in einer Dosisfindungsphase bestimmt und lag zwischen 5 und 30 Milligramm.

Resultate
Die Patienten spürten weniger Spasmen und waren mobiler. Den positiven Einfluss des Cannabisextraktes auf die Häufigkeit der Spastik belegt die Auswertung der Tagebücher, in welchen die Patienten die Anzahl Spasmen in den verschiedenen Phasen der Studie notierten. Der objektiv gemessene Muskeltonus (Ashworth-Skala) blieb jedoch unverändert. Einen Anstieg in der Leistungsfähigkeit in Bezug auf die Mobilität ergab die Einschätzung anhand der Rivermead Mobility Index (RMI)-Skala. Der RMI ist ein Erhebungsbogen aus 15 Beschreibungen allgemein-motorischer Aufgaben zunehmender Schwierigkeit; d.h. je mehr dieser Aufgaben der Patient noch bewältigen kann, um so höher ist die Punktezahl in diesem Erhebungsbogen. Mit dem RMI wurde ein genereller Anstieg in der Leistungsfähigkeit der Patienten über die gesamte Studiendauer hinweg gemessen, welche vor allem in der Cannabis-Phase zustande kam.
Psychische und physische Nebenwirkungen der Behandlung mit Cannabis-Extrakt waren gering und in keiner Weise lebensbedrohlich. Im Ein- und Durchschlafverhalten der Patienten wurde kein Unterschied festgestellt, und weder kognitive noch motorische Einbussen wurden verzeichnet (Digit-Span-Test und PASAT-Test).

Fazit
Eine Behandlung mit standardisiertem Cannabis-Extrakt scheint die Befindlichkeit von MS-Patienten, die bisher mit einer herkömmlichen antispastischen und analgetischen (schmerzlindernden) Standardmedikation wie Baclofen, Tizanidin und Diazepam nicht adäquat behandelt werden konnten, zu verbessern. Bei dieser noch kleinen Zahl von MS-Betroffenen hat sich ein auf THC standardisierter Cannabisextrakt in oralen Dosierungen von 5-30 mg als antispastisch erwiesen. Diese Studie belegt somit die bereits langjährigen Selbstbeobachtungen von MS-Betroffenen.
Bevor standardisiertes Cannabisextrakt als Heilmittel registriert werden kann, wird allerdings noch einige Zeit vergehen, und mit Spannung werden daher die Resultate einer gross angelegten Studie in Grossbritannien (660 Teilnehmer) mit demselben Präparat erwartet.
Der ausführliche Artikel zu dieser Studie ist in der Zeitschrift forte (Nr. 1/2002) erschienen. Papierkopien können unter ebraendle chez multiplesklerose.ch bestellt werden.

Erscheinungsdatum Mittwoch 12. November 2003 15:55

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