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Traditioneller Hanf- und Cocaanbau - der selbe Kampf

Auf der ganzen Welt wehren sich die einheimischen Völker und Bauern zunehmend gegen die repressive Politik gegenüber den traditionellen Heilpflanzen, die insbesondere durch die Vereinigten Staaten betrieben wird. Interview der Zeitung "Courrier international" mit Präsidentschaftskandidat 2002, Evo Morales, einem Aymaraindianer aus Bolivien (20% der Stimmen).

Journalist: Sie sind auch der Führer der Cocaleros, den Cocaproduzenten. In Europa setzt man das Cocablatt dem Kokain gleich und versteht nur schwer, weswegen man die Produktion aufrechterhalten müsse.

Evo Morales: Das Cocablatt an sich ist nicht gesundheitsschädigend. Wer so etwas behauptet, verleumdet damit das Wesen unserer Mutter Erde (pacha mama). Eine Pflanze kann keine Verbrechen begehen! Es ist nicht die Pflanze, die man bestrafen muss. Aber jene, die sie zu Drogen verarbeiten. Den Anbau der Cocapflanze auszurotten wäre, als würden die Wurzeln unserer Völker abgeschnitten. Die Cocapflanze ist ein wesentlicher Teil unserer Kultur. Nebst dem traditionellen Kauen der Blätter zu Heilzwecken und dem rituellen Gebrauch kann die Cocapflanze zu zahlreichen weiteren Produkten verarbeitet werden: Zahnpaste, Shampoo, Sirup, Wein, Matetee... Wir wissen, dass es den Kokain-Schwarzmarkt gibt und solange er existiert, wird ein Teil der Produktion in diesen Markt fliessen.
Aus diesem Grund schlagen wir vor, dass der Anbau der Cocapflanze auf die Familienproduktion begrenzt wird. Die Regierung lehnt dies unter dem Druck der Vereinigten Staaten ab. Wir haben einen Vorschlag zur Bekämpfung des Drogenschmuggels ausgearbeitet: weder die Vereinigten Staaten noch die Regierung haben uns geantwortet. Dies ist im übrigen nicht erstaunlich, da die Drogenschmuggler ganz oben im Staat (selbst Staatsoberhäupter) vertreten sind! Oscar Eid, Nummer 2 der Linken Revolutionären Bewegung (MIR, die Partei, die sich mit Präsident Sanchez Lozada verbündet hat), ist von der Justiz als "Drogenhändler" verurteilt worden. Das hat den ehemaligen Botschafter der Vereinigten Staaten nicht daran gehindert, ihn und Carlos Sanchez Berzain (dessen Sekretär mit 4 Tonnen Kokain festgenommen worden war), dazu anzuhalten, eine Regierungsallianz zwischen der revolutionären nationalistischen Bewegung (MNR, die Partei des Präsidenten) und der MIR gegen die MAS (sozialistische Bewegung, die 1995 aus einheimischen Bauernbewegungen entstand) zu fördern.
In Wirklichkeit wissen wir genau, dass die Verteufelung der Cocapflanze nur dazu dient, die Bauern und all jene zu kriminalisieren, die direkt oder indirekt mit dem Anbau zu tun haben. Der Drogenschmuggel ist nur ein Vorwand der Vereinigten Staaten, um Kontrolle über die lateinamerikanischen Regierungen ausüben zu können.

Quelle: "Courrier international" Nr 668, August 2003
Artikel modifiziert Freitag 19. November 2004 16:18, Erscheinungsdatum Donnerstag 15. Januar 2004 15:58

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