Verschreibungspflichtige Medikamente inzwischen meistgebrauchten Droge
Drogenkontrollrat warnt vor mehr Cannabis-Anbau in Deutschland
aerzteblatt.de 25. Februar 2010
Brüssel – Der Internationale Drogenkontrollrat (INCB) der Vereinten Nationen hat vor einem verstärkten Cannabis-Anbau in Deutschland gewarnt. Deutschland gehöre in der EU gemeinsam mit Großbritannien und Italien zudem zu den Ländern, in denen zuletzt die größten Heroinmengen beschlagnahmt worden seien, heißt es in dem am Mittwoch in Brüssel vorgestellten INCB-Jahresbericht. Europa bleibe wichtigster Umschlagplatz für Cannabis und der einzige Erdteil, in den die Droge illegal eingeschmuggelt werde.
Der INCB kritisiert, dass Cannabis-Saatgut immer leichter über das Internet bestellt werden könne. Die UN-Drogenkonvention verlange aber von allen Unterzeichnerstaaten, die Anstiftung zum illegalen Cannabis-Anbau unter Strafe zu stellen. Besorgt äußert sich das Gremium zudem über Diskussionen in einigen US-Bundesstaaten, den Cannabis-Gebrauch zu legalisieren.
Allerdings sei der Cannabis-Gebrauch in mehreren europäischen Staaten, darunter Großbritannien und Spanien, stabil oder rückläufig. Der Kokaingebrauch sei in Deutschland, Österreich und der Schweiz stabil geblieben, dagegen in Frankreich und Irland gewachsen. Rückläufig ist nach INCB-Angaben der Gebrauch von Amphetaminen und Ecstasy.
Das Gremium sorgt sich zudem über wachsenden Medikamentenmissbrauch. Nach Cannabis seien in den USA verschreibungspflichtige Medikamente inzwischen zur meistgebrauchten Droge geworden. Für Deutschland werde die Zahl der Medikamentenabhängigen auf 1,4 bis 1,9 Millionen Menschen geschätzt.
Der Drogenkontrollrat verlangt von der EU, die Kontrolle der Vorläuferstoffe zur Heroinproduktion zu verstärken. Der wichtigste Ausgangsstoff sei in der EU nicht in die gleiche strenge Kategorie eingestuft wie andere Produkte. Dies müsse geändert werden. Dabei sollten die EU-Staaten eine engere grenzüberschreitende Zusammenarbeit eingehen, verlangte der INCB.
Mit Blick auf Afghanistan begrüßt der Drogenkontrollrat, dass der Opium-Anbau nach einem Rekord im Jahr 2007 in den beiden Jahren danach rückläufig gewesen sei. Allerdings bleibe Afghanistan der größte Produzent von Heroin und anderen Opiaten und baue zunehmend auch Cannabis an. Nötig sei, den Bauern Alternativen zu bieten, denn das Drogenproblem bedrohe die politische, wirtschaftliche und soziale Stabilität des Landes.
Für Afrika heißt es im INCB-Bericht, der Kontinent bleibe eine wichtige Durchgangsstation für Kokainschmuggel aus Südamerika nach Europa. Zudem sei Nordafrika ein wichtiger Produktionsort für Cannabis für den europäischen Markt. Allerdings hätten die Beschlagnahmungen etwa in Marokko stark zugenommen.
Für Südamerika erklären die Drogenkontrolleure, der Kokain-Anbau in Peru und Bolivien habe stark zugenommen, allerdings sei in Kolumbien der Anbau stark rückläufig. Dadurch sei die Kokainproduktion der gesamten Region 2008 um 15 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit 2003 gesunken.










