Verwendung von Hanfpresskuchen in der Fütterung von Mastkaninchen
INRA - C.R. de Toulouse,
B.P. 27 - 31326 Castanet-Tolosan
VORWORT
Die Gewinnung des in den Hanfsamen enthaltenen Öls ermöglicht die Produktion eines trocknenden Öls zu industriellen Zwecken. Nach der Ölextraktion verbleibt ein proteinreicher Presskuchen, in dem noch rund 10% Restlipide vorhanden sind. Ziel dieser Studie ist es, zu bestimmen, unter welchen Bedingungen dieser Presskuchen in der Fütterung von Mastkaninchen verwendet werden kann. Genauer soll sie die genaue Menge, die einer Vollration beigefügt werden kann und den Einfluss dieser Vermischung auf die Qualität des erhaltenen Fleisches bestimmt werden. Es ist zudem auch vorgesehen, den Gehalt an verdaulichen Elementen, hauptsächlich an Energie, zu bestimmen für eine etwaige Verwendung in der Zusammensetzung von Handelsfutter für Kaninchen.
ZUSAMMENSETZUNG DES UNTERSUCHTEN PRODUKTS
Die chemische Zusammensetzung des verwendeten Hanf-Presskuchens und des Sonnenblumen-Presskuchens mit dem er verglichen wird, ist in der Tabelle 1 aufgeführt. Beide Presskuchen haben vergleichbare Bruttoprotein- und Energiewerte. Der Hanf-Presskuchen hat einen etwas höheren Bruttozellulosegehalt als der Sonnenblumen-Presskuchen. Zusätzlich ist die Aminosäurenzusammensetzung, die uns vom C.E.A.P.C. geliefert wurde, in der Tabelle 2 angegeben; mit Hinweisen, zur Deckung des bekannten Bedarfs an essentiellen Aminosäuren mit dieser Proteinquelle (LEBS, 1984). Man stellt fest, dass der Hanfpresskuchen hauptsächlich einen Mangel an Lysin aufweist (-38%). Er ist aber eine Argininquelle, eine Aminosäure, deren Bedarf beim Kaninchen hoch ist (0.6 bis 0.9% der Ration je nach Verfasser). Zudem enthält der Hanf-Presskuchen nach den Analysen des C.E.A.P.C. ca. 1.06% Phosphor und 0.28% Kalzium.
Tabelle 1:
Analytische Zusammensetzung der Hanf- und Sonnenblumen-Presskuchen,
die im Versuch verwendet wurden
|
Gehalt
in Prozent |
Hanf-Presskuchen |
Sonnenblumen-Presskuchen |
|
%
Trockensubstanz (TS) |
92.46 |
90.49 |
|
Organische
Substanz (% der TS) |
91.03 |
93.12 |
|
Gesamt
Mineralstoffe (% der TS) |
8.97 |
6.88 |
|
Bruttoprotein
(% der TS) |
28.63 |
30.93 |
|
Bruttozellulose
(% der TS) |
31.49 |
25.05 |
|
Energie
kcal / kg TS |
4875 |
4747 |
Tabelle 2:
Zusammensetzung an essentiellen Aminosäuren des Hanf-Presskuchens
und Eignung zur Bedarfsdeckung
|
N
x 6.25/FS |
31.51 |
|
essentielle
A.S. |
g/16
gN |
Bedarfsdeckung |
|
A.S.
(A.A.I.) |
g/16
gN |
Bedarfsdeckung |
Isoleuzin Leuzin |
3.75 5.75 |
-4 % -15 5 |
|
S-A.S. |
4.05 |
+
3.8 % |
Tyrosin |
2.7 |
-14 % |
|
Tryptophan |
- |
? |
Phenylalanin |
3.95 |
-14 % |
|
Threonin |
3.15 |
-10 % |
Lysin |
2.6 |
-38 % |
|
Valin |
4.45 |
= |
Histidin |
2.3 |
= |
|
|
|
|
Arginin |
9.65 |
+66 % |
WACHSTUMSVERSUCH
1. Versuch
Material und Methoden
Vier Versuchsfuttermittel wurden nach den in der Tabelle 3 beschriebenen Formeln zubereitet. Der Hanf-Presskuchen wird in Gehalten von 0 - 10 - 20 oder 30 % beigemischt, grösstenteils um den Sonnenblumen-Presskuchen mit der folgenden Equivalenzformel zu ersetzen:
30 Hanf-Presskuchen + 3 Soja-Extraktionsschrot 48%
= 31 Sonnenblumen-Presskuchen + 2 Maniok
Zusammensetzung der im ersten Versuch verwendeten Futtermittel
|
|
Kontrolle |
Hanf |
Hanf |
Hanf |
|
Sonnenblumen-Presskuchen |
31.000 |
20.670 |
10.330 |
0 |
|
Hanf-Presskuchen |
- |
10.000 |
20.000 |
30.000 |
|
Soja-Extraktionsschrot 48 % |
- |
1.000 |
2.000 |
3.000 |
|
Maniok |
20.000 |
19.330 |
18.670 |
18.000 |
|
Weizen |
20.000 |
20.000 |
20.000 |
20.000 |
|
Trockenluzerne |
21.360 |
21.343 |
21.327 |
21.310 |
|
Stroh |
5.000 |
5.000 |
5.000 |
5.000 |
|
SL 15 |
1.000 |
1.000 |
1.000 |
1.000 |
|
NaCl |
0.500 |
0.500 |
0.500 |
0.500 |
|
Bicalziumphosphat |
1.000 |
1.000 |
1.000 |
1.000 |
|
1Lysin HCL |
0.140 |
0.157 |
0.173 |
0.190 |
|
|
100.000 |
100.000 |
100.000 |
100.000 |
Die chemische Analyse der zubereiteten Futtermittel (Tabelle 4) hat wie erwartet gezeigt, dass sie quasi gleich viel Stickstoffkomponenten enthalten. Der Bruttozellulosegehalt, hingegen, nimmt mit dem beigemischten Hanf-Presskuchenanteil zu, da dieser einen grösseren Gehalt an Zellulose als erwartet aufweist.
80 Kaninchen neuseeländischer Rasse eines durchschnittlichen Alters von 38 Tagen wurden in 4 homogene Gruppen aufgeteilt und erhielten eines der 4 Versuchsfuttermittel ad libitum. Getränkt wurden sie mit offenen Wassertränken. Die Kaninchen waren in individuellen, gänzlich vergitterten Käfigen untergestellt, die sich in einem künstlich belüfteten Lokal befanden.
Tabelle 4:
Chemische Zusammensetzung der 4 Versuchsfuttermittel,
die im 1. Versuch gebraucht wurden
|
|
Kontrolle |
Hanf |
Hanf |
Hanf |
|
%
Trockensubstanz (TS) |
90.7 |
90.8 |
91.1 |
91.3 |
|
Bruttoprotein
(% der TS) |
15.8 |
15.7 |
16.2 |
16.4 |
|
Rohasche
(% der TS) |
7.7 |
7.9 |
8.1 |
8.5 |
|
Organische
Substanz (% der TS) |
92.3 |
92.1 |
91.9 |
91.5 |
|
Bruttozellulose
(% der TS) |
15.0 |
15.8 |
16.9 |
18.6 |
|
Energie
kcal / kg TS |
4331 |
4382 |
4400 |
4418 |
Der Versuch dauerte 5 Wochen während denen das Gewicht und die Futteraufnahme jedes einzelnen Tieres wöchentlich ermittelt wurden.
Ablauf des Versuchs 1
Während den 35 Beobachtungstagen war die Mortalitätsrate bei allen Versuchsgruppen hoch, ohne jeglichen Zusammenhang mit dem aufgenommenen Anteil an Hanf-Presskuchen. Die Kaninchen starben hauptsächlich an Lähmung des Zaekums, eine Krankheit deren Aetiologie beim Kaninchen noch nicht klar definiert ist.
Am Ende des Versuchs wurden die überlebenden Tiere, die während ihrem Wachstum keine beunruhigenden Symptome aufwiesen, wie vorgesehen geschlachtet, um den Schlachtkörper und die Fleischqualität zu untersuchen. Wegen der geringen Variabilität der gemessenen Kriterien (siehe weiter hinten im Bericht) hat die Reduktion der Anzahl Tiere für diesen letzten Versuchsteil keine Konsequenzen. Doch wurden die übrigbleibenden Tiere (10 bis 15 pro Gruppe) als ungenügend angesehen, um den Einfluss der beigemischten Mengen Hanf-Presskuchen auf das Wachstum der Kaninchen korrekt zu beurteilen. Deshalb wurde ein zweiter, vergleichbarer Wachstumsversuch durchgeführt. Die Ergebnisse wurden anschliessend global für beide Versuche gleichzeitig analysiert.
2. Versuch
Material und Methoden
Angesichts der vorangehenden Beobachtungen und der Verluste durch Lähmung des Zaekums im 1. Versuch, hatten wir Angst, dass diese Krankheit mindestens teilweise die Folge der hohen Weizen- und Maniokgehalte in der Basisration des 1. Versuchs waren. Deshalb haben wir in diesem 2. Versuch die Zusammensetzung der Basisration geändert indem der Weizen und der Maniok durch Gerste ersetzt wurde (Tabelle 5). Doch wurde trotzdem ein zusätzliches Futter, das der Kontrolle des 1. Versuchs entspricht, beibehalten. Die beigemischten Mengen Hanf-Presskuchen ersetzten das gleiche Gewicht an Sonnenblumen-Presskuchen.
Tabelle 5:
Zusammensetzung der im 2. Versuch verwendeten Futterrationen
|
|
Kontrolle |
Kontrolle |
Hanf |
Hanf |
Hanf |
|
Sonnenblumen-Presskuchen |
30 |
30 |
20 |
10 |
0 |
|
Hanf-Presskuchen |
- |
- |
10 |
20
|
30 |
|
Gerste |
- |
40 |
40 |
40 |
40 |
|
Weizen |
20 |
- |
- |
- |
- |
|
Maniok |
20 |
- |
- |
- |
- |
|
Trockenluzerne |
22.35 |
22.35 |
22.33 |
22.31 |
22.29 |
|
Stroh |
5 |
5 |
5 |
5 |
5 |
|
SL 15 |
1.00 |
1.00 |
1.00 |
1.00 |
1.00 |
|
NaCl |
0.50 |
0.50 |
0.50 |
0.50 |
0.50 |
|
Bicalziumphosphat |
1.00 |
1.00 |
1.00 |
1.00 |
1.00 |
|
1Lysin HCL |
0.15 |
0.15 |
0.17 |
0.19 |
0.21 |
|
|
100.00 |
100.00 |
100.00 |
100.00 |
100.00 |
100 neuseeländische Kaninchen, die 35 Tage alt waren, wurden in individuellen Käfigen untergestellt und in 5 homogene Gruppen à 20 Kaninchen aufgeteilt. Sie wurden während 6 Wochen unter den gleichen Bedingungen wie beim 1. Versuch beobachtet.
Ablauf des Versuchs 2
Wie im 1. Versuch gab es auch im 2. Versuch durch Lähmung des Zaekums verursachte Verluste, jedoch in geringerem Masse. Wiederum war kein Zusammenhang mit den verwendeten Versuchsfuttermitteln festzustellen. Insbesondere wurden Verluste sowohl beim Kontrollfutter mit Gerste als auch beim Kontrollfutter mit Weizen und Maniok beobachtet. Deshalb wurden für die späteren Analysen nur die Gruppen in Betracht gezogen, welche Futtermittel mit derselben Basis bekommen hatten und einen Hanfanteil von 0-10-20 und 30% aufwiesen.
Zootechnische Leistungen der Versuche 1 und 2
Nach Ausscheidung der Tiere, die schwere Krankheitssymptome während ihrem Wachstum aufwiesen, wurde die Studie der zootechnischen Leistungen mit 24 bis 32 Kaninchen pro Gruppe durchgeführt (Tabelle 6). Die Analyse bezieht sich auf die 5 vergleichbaren Kontrollwochen der Versuche 1 und 2.
Um die Störfaktoren auszuscheiden, die auf den Variationen des anfänglichen Lebendgewichts zwischen den Individuen, auf den Effekt der Versuchsserie (Versuchsnummer) und auf den Ursprung (Wurf) der Kaninchen beruhen, wurden die statistischen Analysen mit einer Kovoarianzanalyse mit drei Kontrollfaktoren (Versuchsgruppe, Versuchsreihe und Ursprung) durchgeführt, wobei das Lebendgewicht bei der Gruppenbildung als Kovariable gebraucht wurde. Das verwendete Kovarianzanalyse-Programm (Programm CONOR von der AMANCE Bibliothek) ist zum Gebrauch bei ungleichen Beständen vorgesehen. Um die Wiedergabe der Ergebnisse zu erleichtern, wird nur über den Effekt der beigemischten Presskuchenanteile berichtet.
Tabelle 6:
Durchschnittliche zootechnische Leistungen der Kaninchen der Versuche
1 und 2 während 5 Wochen. Der Durchschnitt wurde für ein Gewicht von
904 g bei de Gruppenbildung ausgeglichen.
|
Beimischungsmengen
des Hanf-Presskuchens |
0 |
10 |
20 |
30 |
VK % |
F
Gruppe |
|
Bestände |
26 |
24 |
32 |
26 |
- |
- |
|
Gewichtszunahme (g/T) |
37.8 |
36.3 |
36.3 |
35.2 |
7.8 |
<
1, n.s. |
|
Verzehr (g/T) |
122 |
119 |
125 |
120 |
11.6 |
<
1, n.s. |
|
Verzehrs-Index |
3.26a |
3.28a |
3.48b |
3.44b |
9.4 |
3.42* |
|
End-Lebensgewicht (g) |
2151 |
2103 |
2101 |
2064 |
8.3 |
<1,
n.s. |
(1) Residueler Variationskoeffizient nach Ausscheidung der Effekte der kontrollierten Faktoren * P < 0.05
Die Beimischung eines zunehmenden Anteils an Hanf-Presskuchen führte zu keiner signifikanten Verzögerung der Wachstumsgeschwindigkeit. Jedoch war das Wachstum der Kaninchen, die Hanf-Presskuchen einnahmen, am Anfang des Versuches etwas langsamer (Bilder 1 und 2) doch konnten die Tiere ihren Rückstand danach quasi einholen.
Die signifikante Zunahme des Verzehrs-Index bei den Gruppen mit 20 und 30% Hanf-Presskuchen kann mit der Zunahme des Zellulosegehalts dieser Futter in Zusammenhang gebracht werden.
Bild 1: Verlauf des Lebendgewichts der Kaninchen in Abhängigkeit ihres Alters. Der Durchschnitt wurde für ein Anfangsgewicht von 904 g ausgeglichen.
Lebendgewicht in kg Alter in Wochen
Bild 2: Verlauf der durchschnittlichen täglichen Gewichtszunahme der Kaninchen während dem Versuch. Der Durchschnitt wurde für ein Anfangsgewicht von 904 g ausgeglichen.
Lebendgewichtzunahme (g/Tag) Versuchswochen K(ontrolle), 10%, 20%, 30% Effekt der beigemischten Anteile.
Leistungen bei der Schlachtung und Fleischqualität
Nur bei den Kaninchen des 1. Versuchs wurde die Schlachtung kontrolliert und die Qualität untersucht. Je nach Gruppe wurden zwischen 9 und 15 Kaninchen geschlachtet. Bei je 6 Kaninchen der 2 sensorischen Analysen und für die Untersuchung der Zusammensetzung der Fettgewebe entnommen.
Leistungen bei der Schlachtung
Die Gewichte der Schlachtkörper wurden mit einer Kovarianzanalyse für ein durchschnittliches End-Lebendgewicht von 2187 g verglichen. Zudem wurden das Gewicht des Nierenfettes, das Gewicht der Pfotenextremitäten und die durch die Abkühlung verursachten Verluste untersucht Dies geschah ebenfalls mit einer Kovarianzanalyse doch wurde als Kovariable das Gewicht des Schlachtkörpers für den Handel (1255 g) verwendet.
Die mit einem konstanten Lebendgewicht ausgeglichenen Schlachtkörpergewichte werden von der Beimischung des Hanf-Presskuchens nicht beeinflusst. Anders ausgedrückt sind die Schlachterträge identisch.
Tabelle 7:
Bei der Schlachtung festgestellte Leistungen der Kaninchen des
Versuchs 1, ausgeglichene Durchschnitte
|
Kovariable |
Eigenschaft |
Beimischungsmenge
des Hanf-Presskuchens |
VK |
F
Gruppe Kovarianz |
|||
|
0 |
10 |
20 |
30 |
||||
|
- |
Bestand |
9 |
9 |
15 |
9 |
- |
- |
|
Lebendgewicht |
Schlachtk. warm |
1373 |
1372 |
1378 |
1376 |
2.8 |
<
1, n.s. |
|
Schlachtk. kalt |
1331 |
1330 |
1336 |
1334 |
2.8 |
<
1, n.s. |
|
|
Schlachtk. Handel |
1252 |
1253 |
1258 |
1256 |
3.1 |
<
1, n.s. |
|
|
Schlachtk. Handel |
Nierenfett |
14.3a |
16.2ab |
19.7b |
18.4ab |
25.5 |
3.07* |
|
Verlust Abkühlung |
41.5 |
41.6 |
41.6 |
41.9 |
11.0 |
<
1, n.s. |
|
|
Pfotenextremitäten |
79.4 |
76.6 |
77.4 |
78.6 |
10.5 |
<
1, n.s. |
|
(1) siehe Angabe Tabelle 6
Bei einem gleichen Schlachtkörpergewicht unterscheiden sich die Verluste bei der Abkühlung (24 Std bei 4°C) und das Gewicht der Pfottenextremitäten nicht unter den Gruppen. Das Nierenfett, hingegen, nimmt mit dem beigemischten Hanf-Presskuchenanteil zu (Tabelle 7).
Qualität des Fleisches und des Fettgewebes
Die Vergleichsstudie wurde mit den Kaninchen durchgeführt, die entweder das Kontrollfutter (Sonnenblumen) oder das Futter mit 20% Hanf-Presskuchen erhalten haben.
a/ Die Fette der Futtermittel
Der Fettgehalt des Futtermittels mit 20% Hanf-Presskuchen (2.89 %) unterscheidet sich kaum von derjenigen des Kontrollfuttermittels (2.49 %). Jedoch weisen die Zusammensetzungen der Fettsäuren wesentliche Besonderheiten auf. Das Kontrollfuttermittel ist reicher an Palmitinsäure und Ölsäure jedoch ärmer an mehrfach ungesättigten Fettsäuren: Linol- und Linolensäure. Die anderen Fettsäuren sind auch in den Fetten beider Futtermittel enthalten (Tabelle 8).
Tabelle 8:
Fettsäurenzusammensetzung der in den Futtermitteln enthaltenen Fette
|
Futtermittel |
C12 |
C14 |
C16 |
C16:1 |
C18 |
C18:1 |
C18:2 |
C18:3 |
|
Kontrolle |
0.3 |
0.9 |
19.9 |
0.1 |
3.6 |
18.7 |
46.0 |
10.4 |
|
Hanf 20 |
0.6 |
0.7 |
14.1 |
0.5 |
3.0 |
14.9 |
49.2 |
17.0 |
b/ Gewichtszunahme der untersuchten Kaninchen
Gemäss den bei allen Tieren durchgeführten Untersuchungen haben die Futtermittel "Kontrolle" und "Hanf" keine unterschiedliche Wirkung weder auf die Wachstumsgeschwindigkeit zwischen der 5. und 10. Lebenswoche (Kontrolle: 36.65 +- 7.72 g/T; Hanf: 36.92 +- 7.07 g/T) noch auf das Gewicht des Schlachtkörpers für den Handel (1343 +- 209 g vs 1373 +- 173 g).
c/ Eigenschaften des Nierenfettgewebes
Der Nierenfettanteil (Gewicht des Nierenfettes / Gewicht des Schlachtkörpers für den Handel) ist etwas höher (0.05 > P > 0.01) bei den "Hanf" fressenden Kaninchen (1.40 +- 0.43 % vs 0.97 +- 0.41%). Jedoch weicht der Fettsäurengehalt der Nierenfettgewebe der Gruppe "Kontrolle" (74.5 +- 3.2%) nicht signifikant von derjenigen der Kaninchen der Gruppe "Hanf" ab (73.6 +- 6.8 %).
Die grössten Unterschiede in der Zusammensetzung der Fettsäuren der Futterfette wird bei den Depotfetten festgestellt (Tabelle 9).
Tabelle 9:
Fettsäurenzusammensetzung der Nierenfettgewebe der Kaninchen
(in Prozent)
|
Gruppe |
C10 |
C12 |
C14 |
C14:1 |
C15 |
C16 |
C16V |
C16:1 |
C17 |
C17:1 |
C18 |
C18:1 |
C18:2 |
C18:3 |
|
Kontrolle |
0.4 |
0.5 |
3.9 |
0.4 |
0.6 |
31.8 |
0.2 |
4.1 |
0.7 |
0.3 |
6.4 |
28.2 |
19.2 |
3.2 |
|
Hanf 20 |
0.2 |
0.4 |
3.2 |
0.2 |
0.5 |
28.9 |
0.3 |
3.2 |
0.6 |
0.3 |
6.2 |
24.9 |
25.0 |
6.2 |
|
F |
n.s. |
n.s. |
** |
n.s. |
n.s. |
** |
n.s. |
n.s. |
n.s. |
n.s. |
n.s. |
* |
** |
** |
Das Nierenfett der Kaninchen "Hanf" ist vor allem ärmer an Palmitinsäure (P < 0.01) und an Ölsäure (0.05 > P > 0.01). Hingegen sind die Linol- und die Linolensäure in grösseren Mengen vorhanden (P < 0.01). Das Ersetzen des Sonnenblumen-Presskuchens mit Hanf-Presskuchen hat somit eine einfache Wirkung auf die Zusammensetzung der Körperfette.
Die Fettsäuren mittlerer Länge sind wenig vertreten (C10: 0.3%; C12: 0.45%). Diese Anteile sind nicht von der Futterqualität betroffen. Dasselbe gilt für die ungeraden und verzweigten (V) Fettsäuren (C15; C16V; C17 und C17:1) (Kontrolle: 1.86 %; Hanf: 1.71%). Die Myristinsäure (C14) ist bei den Knaninchen "Kontrolle" etwas begünstigt (P < 0.01). Es scheint jedoch nicht, dass die Flora des Verdauungstrakts durch das Ersetzen beeinflusst wird.
d/ Fleischqualität
Der Wasserverlust beim Gären (90 min. bei 120°C in geschlossenem Kochtopf) der Fleischstücke, die zwischen dem 12. Brustwirbel und dem 7. Lendenwirbel entnommen wurden, ist bei den Kaninchen "Hanf" nicht signifikant verschieden: 28.3 +- 2.07 % vs 29.0 +- 2.08 %).
Die sensorische Qualität des Fleisches, die anhand eines dreiteiligen Tests ermittelt wurde, variiert auch nicht mit dem Futtermittel: Nur 6 von 12 Richtern konnten das Fleisch der Kaninchen, die das Futtermittel "Hanf 20" gefressen hatten, ausfindig machen (4 nur mit Schwierigkeiten, 2 leicht); 3 bevorzugten das Fleisch "Kontrolle" und drei das Fleisch "Hanf". 4 von 6 Richtern sind der Meinung, das Fleisch der Kaninchen "Hanf" sei bleicher.
e/ Schlussfolgerungen zu den qualitativen Aspekten
Das Ersetzen des Sonnenblumen-Presskuchens mit Hanf-Presskuchen führt zu einer leichten Zunahme der ungesättigten Fettsäuren des Nierenfettes. Das erhaltene Verhältnis ungesättigte/gesättigte Fettsäuren ist jedoch bescheiden (1.49 vs 1.24). Es ist dem der Kaninchen ähnlich, die ein Standard-Handelsfuttermittel mit Luzerne und Soja-Kuchen fressen (OUHAYOUN et al., 1982). Die Zunahme der ungesättigten Fettsäuren hat keine Konsequenzen auf die Qualität des Schlachtkörpers (Fettaspekte, Wasserverlust des Fleisches beim Gären, sensorische Qualität).
UNTERSUCHUNG DER VERDAULICHKEIT
An 6 Kaninchen, die sich in individuellen Käfigen mit Faeces-Sammelmöglichkeit befanden, wurden die im 1. Versuch verwendeten 4 Futtermittel ad libitum verfüttert. Die Verdaulichkeit wurde gemäss der Sammeltechnik 2 x 4 Tage (COLIN et LEBAS, 1976) untersucht. Die Sammlungen erfolgten als die Kaninchen zwischen 42 und 53 Tage alt waren.
Bei jedem Individuum wurden die Werte der scheinbaren Verdaulichkeit für die Trockensubstanz (TS), die organische Substanz (OS), den Stickstoff (N) und die Energie geschätzt. Die Verdaulichkeit der Bruttozellulose wurde anhand von durchschnittlichen Probewerten geschätzt, die für die Kaninchen jeder Gruppe repräsentativ sind.
Gegen Schluss des Versuches starb ein Kaninchen und eines musste wegen Futterverschwendung ausgeschieden werden, da sonst die Messung der scheinbaren Verdaulichkeit nicht möglich war.
Die zootechnischen Leistungen der Kaninchen, die für die Untersuchungen der scheinbaren Verdaulichkei verwendet wurden, unterscheiden sich nicht signifikant zwischen den Gruppen (Tabelle 10). Im Vergleich mit den Tieren desselben Alters der Versuche 1 und 2 befinden sie sich auf einem sehr zufriedenstellenden Niveau.
Die Beimischung des Hanf-Presskuchens als Ersatz für den Sonnenblumen-Presskuchen hat eine äusserst signifikante Abnahme der scheinbaren Verdaulichkeit der TS, der OS und der Energie zur Folge. Die scheinbare Verdaulichkeit des Stickstoffs tendiert auch in Richtung einer Abnahme (P < 0.10). Diese Abnahme der wird aber nur mit Beimischungsanteilen von 20 und 30% festgestellt (Tabelle 11). Die Werte der scheinbaren Verdaulichkeit des Futtermittels mit 10% Hanf-Presskuchen sind mit denjenigen des Kontrollfuttermittels identisch. Für die Bruttozellulose ist die Abnahme der Verdaulichkeit bereits bei einem Hanfanteil von 10% feststellbar.
Tabelle 10:
Zootechnische Leistungen der Kaninchen, die für die Sammlungen zur
Untersuchung der scheinbaren Verdaulichkeit, verwendet wurden
|
|
|
VK % |
F
Gruppe |
|||
|
0 |
10 |
20 |
3 |
|
|
|
|
Bestand |
6 |
5 |
5 |
6 |
- |
- |
|
durchschn. Lebendgewicht (2) (g) |
1245 |
1125 |
1187 |
1165 |
7.6 |
1.7,
n.s. |
|
Lebendgewichtszunahme (g/T) |
41.9 |
38.2
|
41.3 |
38.9 |
18.4 |
<
1, n.s. |
|
Verzehr (g/T) |
102 |
86 |
101 |
97 |
13.9 |
1.5,
n.s. |
|
Vezehrsindex |
2.46 |
2.26 |
2.49 |
2.53 |
13.3 |
<
1, n.s. |
(1) Siehe Angabe (1) der Tabelle 6
(2) In der Mitte der Sammelperiode
Tabelle 11:
Für die Versuchsfuttermittel gemessene scheinbare Verdaulichkeit
|
|
|
VK % |
F
Gruppe |
|||
|
0 |
10 |
20 |
3 |
|||
|
TS |
68.6 |
67.6 |
65.0 |
58.8 |
5.4 |
9.6*** |
|
OS |
69.5 |
69.4 |
66.3 |
61.7 |
3.4 |
16.5*** |
|
Energie |
67.8 |
68.1 |
64.9 |
60.2 |
3.6 |
15.1*** |
|
Stickstoff |
75.9 |
77.5 |
74.6 |
71.6 |
5.5 |
2.6
P < 0.10 |
|
Bruttozellulos |
23.5 |
16.8 |
13.7 |
12.0 |
- |
- |
(1) Siehe Angabe (1) der Tabelle 6
(2) Der Verzehr pro kg Körpergewicht wird als Kovariable gebraucht (im Durchschnitt 74.5 g/kg)
Die Werte der scheinbaren Verdaulichkeit, die für die Versuchsfuttermittel ermittelt wurden, ermöglichen es, die folgenden Gleichungen zu erstellen. Diese drücken die durchschnittliche Variation der scheinbaren Verdaulichkeit (SV) in Abhängigkeit des Anteils an Hanf-Presskuchen (AHP) aus:
SV OS = 70.72 - 0.267 AHP
SV Energie = 69.11 - 0.260 AHP
SV Stickstoff = 77.28 - 0.159 AHP
SV Bruttozellulose = 22.13 - 0.375 AHP
Mit diesen Gleichungen, der exakten Eigenart der Substitution und den Verdauungseigenschaften der Rohstoffe, die bei dieser Substitution eine Rolle spielen (Tabelle 12), können die folgenden Werte für die scheinbare Verdaulichkeit des Hanf-Presskuchens für die Beimischungsreihe von 0 bis 30% vorgeschlagen werden:
SV OS = 47.8
SV Energie = 41.7
SV Stickstoff = 76.6
SV Zellulose = -9.8
Mit diesen Beimischungsanteilen werden die Proteine des Hanf-Presskuchens vom Kaninchen gut verdaut. Die organische Substanz hingegen und somit auch die Energie werden schlecht verwertet. Diese Situation ist hauptsächlich durch die negative Wirkung bedingt, die bei der Verdaulichkeit der Bruttozellulose beobachtet wurde. Die negative scheinbare Verdaulichkeit, die für die Bruttozellulose erhalten wurde, bedeutet nicht nur, dass dieser Teil des Hanf-Presskuchens vom Kaninchen sehr schlecht verdaut wird, sondern auch dass er die Verdaulichkeit der Zellulosebestandteile der anderen Elemente der Ration beeinträchtigt.
In Anbetracht des hohen Gehalts an Bruttoenergie des Hanf-Presskuchens, liegt sein Gehalt an verdaulicher Energie (VE) auf einem Niveau, das für seine Beimischung in Kaninchenfuttermittel angepasst ist: 2033 kcal VE/kg Trockensubstanz. Dieser Wert entspricht zum Beispiel den für gewisse Luzerneheus gefundenen Werten (MAERTENS und GROOTE, 1981).
Auf der ganzen Reihe von 0 bis 30% gesehen, bedingt die Beimischung des Hanf-Presskuchens eine bescheidene Verwertung seiner Komponenten. Betrachtet man jedoch, dass es keinen Unterschied zwischen der scheinbaren Verdaulichkeit, die für das Kontrollfuttermittel erhalten wurde und derjenigen des Futtermittels mit 10% Hanf gibt, muss zugegeben werden, dass für eine bescheidene Beimischung (bis 10 %), die Verwertung besser ist. Die Werte der scheinbaren Verdaulichkeit sind vergleichbar mit denjenigen des Sonnenblumen-Presskuchens, mit Ausnahme der Zellulose, deren Verdaulichkeit unter Null bleibt. In diesem Fall beträgt der Gehalt an verdaulicher Energie 3250 kcal/kg Trockensubstanz.
Tabelle 12:
Berücksichtigte Eigenschaften der Rohstoffe,
die bei der Substitution eine Rolle spielen
|
Eigenschaften |
Sonnenblumen-Pressk. |
Soja-Presskuchen |
Maniok |
|
Organische Substanz |
|
|
|
|
Gehalt % |
84.3 |
81.7 |
82.8 |
|
Scheinbare Verdaulichkeit |
74.4 |
|
|
|
Rohprotein |
|
|
|
|
Gehalt % |
28.0 |
45.8 |
2.6 |
|
Scheinbare Verdaulichkeit |
86.0 |
84.0 |
70.0 |
|
Bruttozellulose |
|
|
|
|
Gehalt % |
22.7 |
5.6 |
4.6 |
|
Scheinbare Verdaulichkeit |
11.0 |
24.0 |
25.0 |
|
Bruttoenergie (kcal) |
4296 |
4180 |
3400 |
|
Verdauliche Energie (kcal) |
2870 |
3310 |
2850 |
ALLGEMEINE SCHLUSSFOLGERUNGEN
Die Beimischung von Hanf-Presskuchen als Ersatz zum Sonnenblumen-Presskuchen in Futtermitteln für Mastkaninchen führte weder zu signifikanten Verzögerung des Wachstums, noch zu einer Leistungsänderung bei der Schlachtung oder der erzielten Fleischqualität. Es wurde nur eine qualitative Veränderung der Fette festgestellt, welche keine Konsequenzen für die sensorische Qualität des Fleisches hat.
Die Beimischung von Gehalten von 20 und 30% hat die Effizienz der Futterverwertung der Kaninchen in Wachstum vermindert. Diese Abnahme ist auf die geringere Verdaulichkeit der Energie in den Futtermitteln mit 20 oder 30% Hanf-Presskuchen zurückzuführen. Unabhängig vom beigemischten Hanftanteil, werden die im Hanf-Presskuchen vorhandenen Proteine gut verdaut und verwertet falls der Lysinmangel ausgeglichen wird. Für die Formulierung von Futtermitteln mit einem Hanfanteil von 10 % oder weniger beträgt der verdauliche Energiewert 3250 kcal VE/kg TS. Für höhere Beimischungsanteile (20 bis 30%) beläuft sich der Wert der verdaulichen Energie auf 2033 kcal VE/kg TS. Es scheint, dass die Zellulosebestandteile unverdaulich sind, unabhängig vom Beimischungsanteil. Somit kann der Hanf-Presskuchen zu den Ballastquellen gerechnet werden (Rohstoffe, die reich an unverdaulicher Zellulose sind), welche in der Formulierung von Kaninchenfutter nützlich sind, da sie auch gut verwertete Proteine liefern.










