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Von Mäusen und Cannabis

Immunität gegen Haschisch lässt das Hirn der Nager rasch altern - Bonner Forscher züchten "Knockout-Mäuse" - Erwachsene Exemplare ohne Cannabis Rezeptoren zeigen deutlich debile Züge

General-Anzeiger 11.10.2005

Bonn. (piw) Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr! Warum das so ist, weiß niemand: Es ist unklar, welche molekularen Prozesse tatsächlich zur Abnahme des Lernvermögens führen. Um das besser zu verstehen, haben Wissenschaftler auch die Wirkung von Haschisch untersucht. Sie fanden heraus, dass Mäuse besser lernen, wenn sie gegen die Wirkung der Droge immun sind. Jetzt entdeckten Bonner Forscher jedoch, dass das nur für die Jugendzeit dieser Mäuse gilt.

Im Zentrum des Interesses stehen dabei "Cannabinoide": rauschfördernde Substanzen, die in der Hanfpflanze vorkommen, aber auch als körpereigene Drogen ("Endocannabinoide"). Um das besser zu verstehen, haben Bonner Forscher Mäuse gezüchtet, denen im Hirn ein Rezeptor für Cannabinoide fehlt; sie sind gegen Haschisch und körpereigene Cannabinoide immun. Bei Lerntests schnitten diese "Knockout-Mäuse" meist besser ab.

Bislang folgerten die Experten daraus, dass das körpereigene Cannabinoid-System das Lernvermögen bremst. Jetzt aber ergab sich, dass das auf ältere Knockout-Mäuse nicht mehr zutrifft. Die Bonner Forscher stellten gemeinsam mit Kollegen von der Universität Pompeu Fabra in Spanien fest: Erwachsene Exemplare stellten sich bei Lerntests wesentlich schlechter an - ja, sie zeigen bereits deutlich debile Züge.

"Unsere Ergebnisse deuten an, dass das Fehlen des Rezeptors zu einem rascheren Abbau der Lernfunktion führt", sagt Professor Andreas Zimmer vom Bonner Technologiezentrum "Life & Brain". Für den Neurowissenschaftler steht damit fest, dass noch immer zu wenig über die Funktionsweise des körpereigenen Cannabinoidsystems bekannt ist.

Das Problem dabei: Inzwischen stehen Medikamente kurz vor der Markteinführung, die den Cannabinoid-Rezeptor im menschlichen Hirn blockieren. Damit sollen beispielsweise Übergewicht und Nikotinabhängigkeit behandelt werden. Vielleicht sei das riskanter als vermutet: "Es muss sicher gestellt werden, dass die Medikamente keine langfristigen Nebenwirkungen haben."

Ihre Erkenntnisse haben die Bonner Forscher in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" publiziert

Erscheinungsdatum Donnerstag 27. Oktober 2005 14:44

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