Was Jeanshosen mit Hanf zu tun haben
Seit Menschengedenken bietet Hanf als Faserpflanze und Öllieferant breiten Nutzen. Das Wunderkraut geriet aber in Verruf, weil es auch als Droge konsumiert werden kann.
"Hanf ist die älteste Kulturpflanze der Welt", schreibt Christian Rätsch im Buch "Räucherstoffe". Sie sei schon in der Steinzeit kultiviert worden. Kein Wunder, denn sie bietet vielfältigen Nutzen. So wurden hauptsächlich die Fasern verwendet, als Nahrungsmittel waren die ölhaltigen Samen wertvoll, und weiter wurde Hanf schon seit jeher auch als Heil- und Rauschmittel verwendet. Das ist durch Ausgrabungen belegt, so berichtet Rätsch, man habe über 3000 Jahre alte ägyptische Mumien analysiert und sei zum Schluss gekommen, dass diese Personen zu Lebzeiten mit Sicherheit Haschischkonsumenten waren.
Hanf - eine ideale Faser
Auch in unseren Breitengraden wusste man die Vorzüge von Hanf schon früh zu schätzen. So ist belegt, dass die Germanen bereits 400 v. Chr. zur Faser- und Ölgewinnung Hanf anbauten.
Der berauschende Aspekt beim Anbau von Hanf war früher kaum von Bedeutung. So hat man die weiblichen Pflanzen, die als Droge viel mehr Wirkung zeigen als die männlichen, jeweils aus den Feldern eliminiert, weil sie für die Fasergewinnung von minderer Qualität sind.
Die männliche Hanfpflanze war wertvoll, da sie ein vortreffliches Material für strapazierbare Seile, Segeltuch, Zeltplanen und Arbeitskleidung liefert. Ein spezieller Vorteil von Hanf ist, dass die Fasern auch bei Nässe fest bleiben, deshalb waren die Hanfseile zum Beispiel für die Schifffahrt unersetzlich.
Nicht nur für Seile war Hanf ein ideales Ausgangsmaterial. So wollte Levi Strauss, ein Händler, Zeltplanen aus Hanf an die Goldgräber in Kalifornien liefern. Doch er sah, eigentlich hätten sie strapazierfähige Arbeitskleider nötiger. So liess er das Hanf-Zelttuch zu Hosen verarbeiten - die ersten Jeans waren geboren. Trotz all den Vorzügen, die die Hanffaser bietet, wurde sie seit Anfang des 20. Jahrhunderts immer mehr von in "Billiglohnländern" produzierten Fasern wie Sisal, Jute oder Baumwolle verdrängt.
Breite Verwendung
Hanf war wie oben beschrieben von grösster Bedeutung für die Herstellung von Seilen, Planen, Kleidern. Weiter fanden die Fasern auch bei der Papierproduktion Verwendung. In jüngerer Zeit gewinnt Hanf auch als natürlicher Baustoff an Bedeutung.
Das Öl kann vielfältig genutzt werden. Zum Beipiel kann es ausser für Schmierstoffe und Treibstoffe auch bei der Herstellung von Lack und Farben oder als Bestandteil für Waschmittel verwendet werden. Die Rückstände der Ölgewinnung sind als Viehfutter geeignet. Dazu kommen Einsatzgebiete in der Medizin. Und - es mag lächerlich klingen - wirtschaftlich nicht zu unterschätzen ist die Verwendung als Vogelfutter.
Hanf bietet den Menschen auf ganz verschiedenen Ebenen seine Dienste an. Wie wertvoll diese Pflanze ist, kommt in einer altindischen Überlieferung zum Ausdruck. Sie sagt, die Hanfpflanze sei entstanden, als ein Tropfen Nektar vom Himmel fiel und die Erde befruchtete.
Das Kraut gerät in Verruf
Ob so vielen Vorzügen fragt sich, weshalb dieses Kraut denn in Verruf kam. Der Ethnobotaniker Wolf-Dieter Storl beschreibt den "Fall" der Hanfpflanze. Zum Verhängnis wurde der Pflanze ihre berauschende, halluzinogene Wirkung. So sei während der so genannten "Belle epoque" zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Frankreich bei aufmüpfigen Künstlern Haschisch als Rauschgift in Mode gekommen.
In den USA waren es Schwarze, Puertoricaner und mexikanische Saisonarbeiter, also eine ganz arme Bevölkerungsschicht, die Hanf rauchten. Dann kamen Jazz-Musiker und Künstlerkreise auf den Geschmack. Postwendend wurde 1937 ein Gesetz erlassen, das den Besitz der Hanfpflanze mit langjährigen Zuchthausstrafen und hohen Geldbussen belegte.
Auch bei uns war der Besitz von Hanf seit den Sechzigerjahren illegal. Dabei konnten unsere Vorväter vernünftig mit dem Kraut umgehen. So wird nämlich berichtet, dass sich früher die Männer nach der Hanfernte, also einmal im Jahr, die Pfeife mit Hanf stopften zum so genannten "Champfe", beschreibt Wolf-Dieter Storl.










