Werden alternativmedizinische Heilmittel jetzt auch auf den Schwarzmarkt gedrängt?
Werden alternativmedizinische Heilmittel auf den Schwarzmarkt gedrängt?
Nachdem letztes Jahr die Kostenübernahme für alternativmedizinische Behandlungen durch das fragwürdige Eingreifen des BAG unter Bundesrat Couchepin [1] aus der Grundversicherung der Krankenkassen gekippt wurde, scheint jetzt die nächste Runde im Kampf gegen die offenbar unerwünschte Alternativmedizin fällig. Bewährte, billige und meist rezeptfreie Alternativmedikamente sollen neu mit so hohen Gebühren belegt werden, dass viele Hersteller befürchten, die anstehenden Zulassungsverfahren durch Swissmedic nicht bezahlen zu können. Laut SVKH (Schweizerischer Verband für Komplementärmedizinische Heilmittel) besteht die Gefahr, dass ein Teil der betroffenen Medikamente vom Markt verschwindet oder auf den Schwarzmarkt gedrängt wird, was zweifellos eine Verschlechterung der Qualität dieser Heilmittel zur Folge hätte.
Teure Zulassungsverfahren sollen Swissmedic finanzieren
Nach dem zur Zeit geltenden Schweizerischen Heilmittelgesetz Swissmedic können komplementärmedizinische Medikamente dank ihrer hohen Sicherheit und ihrer geringen Nebenwirkungen nach einem vereinfachten Verfahren zugelassen werden. Nun sollen 2500 langjährig bewährte Heilmittel einem verschärften Zulassungsverfahren unterzogen werden, was zu einer mindestens zehnfachen Erhöhung der Zulassungsgebühren führen würde, falls die geplante Gebührenverordnung nicht angepasst wird, so der SVKH.
Ein Blick in die Swissmedic- Geschäftsberichte der letzten Jahre zeigt, dass sich die Heilmittel-Kontrollstelle zunehmend über Gebühren finanziert. Stammten 2002 noch rund 59 Prozent des Budgets aus Gebühren, betrug dieser Anteil drei Jahre später 71 Prozent. Der staatliche Anteil konnte entsprechend zurückgefahren werden. Ein Muster, das sich übrigens auch bei andern Verwaltungsaufgaben zeigt: Zurückstutzen des Staatsanteils, Erhöhung der Gebühren zu Lasten der Bevölkerung.
In einer Stellungnahme vom 16.1.06 wiegelt Swissmedic-Sprecherin Monique Helfer ab: bisher seien noch keine Gebührenerhöhungen festgesetzt worden. Wenn die neue Verordnung im Oktober in Kraft trete, gäbe es sicher Änderungen, aber jetzt es sei noch zu früh, die Konsequenzen abzuschätzen.
Offenbar setzt man bei Swissmedic auf dieselbe Taktik, die sich bereits beim Ausschluss der Komplementärmedizin bewährt hatte: vage Beteuerungen, mangelnde Transparenz, Zeit schinden in der Hoffnung, dass sich die Gemüter beruhigen und dann die Betroffenen vor vollendete Tatsachen stellen.
Sind Komplementärmedizin und alternative Heilmittel unerwünscht?
Obwohl alternative Heilverfahren billig, beliebt (laut Umfragen werden sie von mehr als zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung befürwortet) und in vielen Fällen ebenso wirksam sind wie schulmedizinische Behandlungen, scheint dies die zuständigen Gesundheitsbehörden wenig zu kümmern. Es drängt sich der Gedanke auf, dass die staatlichen Gesundheitsinstanzen eher zum Wohl gewisser Lobbys arbeiten als zu Gunsten der Bürger.
Laut Dr. med. Peter Heusser, Dozent für Anthroposophische Medizin an der Universität Bern und Mitglied des Lenkungsausschuss PEK (Programm Evaluation Komplementärmedizin) [2] war z.B. der Beschluss, die fünf Komplementärmedizinen aus der Grundversicherung zu entfernen "ein politischer und nicht ein wissenschaftlicher Entscheid".
Wieso muss eine Medizin schikaniert und unterdrückt werden, die laut der der wissenschaftlichen Bewertung der PEK folgende unübersehbare Vorteile aufweist?
Die in komplementärmedizinischen Praxen behandelten Patienten haben eine grösseren Zufriedenheitsgrad als die schulmedizinisch behandelten, obwohl sie durchschnittlich schwerere und mehr chronische Krankheiten haben.
Patienten der Komplementärmedizin wählen ihre Ärzte öfters wegen den medizinischen Verfahren aus (z.B. wegen ganzheitlicheren Gesichtspunkten oder weniger Nebenwirkungen), Patienten der Schulmedizin eher aus pragmatischen Gründen (z.B. lokale Erreichbarkeit).
Komplementärmedizinische Ärzte haben im Vergleich zu Schulmedizinern häufiger das therapeutische Ziel der Heilung.
Patienten der Komplementärmedizin finden ihre Erwartung an die Therapie häufiger vollständig erfüllt als Patienten der Schulmedizin.
Die Kosten der ärztlichen Komplementärmedizin sind in der ganzen Grundversicherung verschwindend klein und bewegen sich im Promillebereich (0.16 % gemäss BAG „Statistik der obligatorischen Krankenversicherung“ 2003).
Die Kosten pro Patient sind gemäss Wirtschaftlichkeitsstudie PEK in der ärztlichen Komplementärmedizin und Schulmedizin etwa vergleichbar, wobei die Komplementärmediziner sich für die Patienten mehr Zeit nehmen und geringere Medikamentenkosten verursachen.
Die Kosten pro Arzt sind in der Komplementärmedizin erheblich tiefer als in der Schulmedizin, je nach Fachgebiet bis zur Hälfte.
Geringerer Kostenanstieg, z.T. sogar Stagnation während der Zeit, als die fünf Richtungen Anthroposophische Medizin, Klassische Homöopathie, Neuraltherapie, Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und Phytotherapie noch von den Krankenkassen vergütet wurden (bis Juni 2005).
Patienten der komplementärmedizinischen Grundversorger sind im Vergleich zu solchen der Schulmedizin durchschnittlich jünger sowie häufiger Frauen und Kinder.
Was können wir tun, damit die Volks- und Alternativmedizin trotz des staatlichen Drucks nicht verdrängt wird?.
Wir können unsere Medikamente selber herstellen. Die meisten einheimischen Heilpflanzen, darunter auch der Hanf, wachsen problemlos im Garten oder auf dem Balkon. Die technischen Verfahren zur Herstellung von homöopathischen Urtinkturen und Salben sind einfach, jeder kann sich einen Kräutertee zusammenstellen. Zu diesen Themen gibt es zahlreiche Handbücher und eine umfangreiche Literatur.
Wir können Netzwerke bilden, um unsere selbst hergestellten Heilmittel und unsere Erfahrungen damit auszutauschen. Es ist nicht verboten, Heilmittel für den Eigengebrauch herzustellen und sie kostenlos abzugeben.
Entsprechende Organisationen finanziell und durch Mithilfe unterstützen, z.B. die Volksinitiative Ja zur Komplementärmedizin und die Volksinitiative "Pro Jugendschutz- gegen Drogenkriminalität", die unter anderem den Gebrauch von Hanf als Heilmittel vorsieht.
Eine komplementärmedizinische Krankenversicherung abschliessen, solange man noch nicht unter die zahlreichen Ausschlusskriterien fällt.
Redaktion: Heidi Cervantes, 18.1.2006
Quellen:
Tagespresse
Artikel aus der WOZ von Marc Badetscher über Swissmedic
Geschichte der PEK, von Dr. med. P. Heusser
Communiqué des SVKH betr. Gebührenerhöhung
Öffentliche Vorträge der KIKOM (Kollegiale Instanz für Komplementärmedizin) an der Universität Bern
Notizen
[1] Pikanterweise erschien kurz darauf in der Ringier-Presse eine homestory mit BR Couchepin, wo er Volksnähe- und Verständnis demonstrierte, indem er bieder und mit selbstzufriedener Miene erklärte, auch er therapiere sich gelegentlich mit alternativen Heilmitteln .
[2] dieser Ausschuss hatte die Aufgabe, die Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit der Komplementärmedizin zu prüfen










