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ZDF berichtet: Hilfe durch Hasch-Medikamente verweigert

Wasser trinken brennt wie Feuer

Hasch als Medikament kann bei Schwerstkranken wie ein Wundermittel wirken. Beim Zungenkrebs-Patienten Frank Kraus löste ein Cannabis-Präparat Krämpfe, stoppte seinen Brechreiz und linderte die Schmerzen. "Dieses Mittel hat mir das Leben gerettet", sagt er. Dennoch will die Kasse die Kosten nicht übernehmen.

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Nachdem Kraus aufgrund eines Zungentumors bestrahlt worden war, konnte er keine Nahrung mehr bei sich behalten. Er magerte innerhalb weniger Wochen ab, wog statt 98 nur noch 62 Kilogramm. "Sie können kein Wasser trinken, das brennt wie Feuer - vom Essen ganz zu schweigen", erklärt er Frontal21. "Selbst wenn Sie sich zwingen, zu schlucken - fünf Minuten später erbricht der Körper alles wieder."

Kein Medikament konnte ihm helfen, Kraus rechnete mit dem Tod. Bis sein Arzt, der Potsdamer Mediziner Knud Gastmeier, ihm das aus den USA importierte Cannabis-Mittel Marinol verschrieb und schon nach wenigen Kapseln eine deutliche Besserung eintrat.

Therapie vorenthalten
Unabhängig von der Wirkung: In Deutschland ist Marinol nicht zugelassen und muss deshalb von gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt werden. Zahlreichen Krebs- und Schmerzpatienten, aber auch Aidskranken und Menschen mit multipler Sklerose, denen der Wirkstoff Dronabinol nach Ansicht von Medizinern helfen könnte, wird deshalb die Therapie vorenthalten. Um die Privatpatienten ist es dagegen besser bestellt - ihre Kassen übernehmen in der Regel die Behandlungskosten.

Frank Kraus konnte zunächst über anderthalb Jahre mit dem Medikament behandelt werden. Erst dann entschied seine Kasse, die AOK Sachsen-Anhalt, die Kosten nicht zu übernehmen und verlangt im Nachhinein die Rückzahlung der Ausgaben in Höhe von 51.000 Euro.

Medikamente sparen
Dabei können durch die Cannabis-Behandlung bei Frank Kraus gleichzeitig andere Medikamente eingespart werden. "Der Tablettenverbrauch an Schmerzmitteln wird eindeutig reduziert", sagt er. Außerdem seien - anders als durch Morphiumpräparate - bei ihm keine Nebenwirkungen aufgetreten.

Auch bei der Schmerzpatientin Ingrid S. will die Kasse die Behandlungskosten nicht übernehmen. Die Frührentnerin müsste rund 400 Euro im Monat aus eigener Tasche bezahlen, aber das würde sie ruinieren. Weil sie ohne die Vorteile der Cannabis-Therapie aber nicht leben mag, besorgt sich die 63-Jährige in ihrer Verzweiflung illegal Haschisch oder Marihuana und backt ihre Plätzchen gegen den Schmerz kurzerhand selbst.
Sie nimmt in Kauf, sich strafbar zu machen - und will damit auch gegen die Ignoranz gegenüber der Cannabis-Therapie protestieren.

Quelle: ZDF/Frontal 21, 18. Juli 2006

Erscheinungsdatum Montag 7. August 2006 23:59

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