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Bauernverbände fordern eine gerechte Landwirtschaftspolitik

Bauern fordern Recht auf eigene Agrarproduktion. Zukunftsmarsch für eine gerechte Landwirtschaftspolitik und Demonstrationen vor der WTO in Genf.

Genf, 26. Juli 2005

Bauerndelegationen mehrerer Länder haben der WTO in Genf eine gemeinsame Erklärung überreicht. Sie fordern das Recht aller Länder, die Produktion von Nahrungsmitteln für den Eigenkonsum zu schützen und zu fördern.

Unter dem Motto "Zukunftsmarsch für eine gerechte Landwirtschaftspolitik" waren etwa 500 Vertreter von Bauernorganisationen aus den Agrarimportländern Schweiz, Norwegen, Japan und Südkorea nach Genf gekommen, wo diese Woche der Generalrat der Welthandelsorganisation tagt.

Unterstützt wurde die Erklärung von Bauernorganisationen Islands, der EU, 10 Staaten Westafrikas, Kenias und Nicaraguas. Darin wird unter anderem die Berücksichtigung von nicht handelsbezogenen Anliegen wie Umweltschutz gefordert.

Eine Delegation überreichte schliesslich die gemeinsame Erklärung dem Vorsitzenden der WTO-Agrarverhandlungen, Tim Groser, vor dem WTO-Sitz. Groser unterstrich, die Bauern hätten mit ihrem Marsch und der Erklärung ein demokratisches Recht ausgeübt. Zu den Forderungen wollte er sich nicht äussern.

Auch Schweizer Landwirtschaft betroffen

Rund 50 Westschweizer Gemüsebauern haben vor dem Sitz der WTO in Genf demonstriert. Sie lehnen die Liberalisierung der Agrarmärkte ab. Diese ist Bestandteil des geplanten WTO-Zwischenabkommens. Nach Ansicht des Verbands Schweizerischer Gemüseproduzenten (VSGP) ist der Text, über den die WTO-Delegierten verhandeln, aber viel zu allgemein gehalten. "Dieser kommt einem Blankocheck gleich", sagte VSGP-Direktor Nicolas Fellay vor den Medien in Genf.

Der VSGP übergab einen offenen Brief an Alan Franck, Leiter auswärtige Angelegenheiten bei der WTO. Darin betont der VSGP die Vorteile einer Lebensmittelproduktion im eigenen Land: Die Nahrungsmittelsouveränität sei ebenso wichtig wie die Nahrungsmittelsicherheit. Ein weiterer offener Brief ging an den Wirtschaftsdachverband economiesuisse. Ihm werfen die Gemüseproduzenten vor, die einheimische Landwirtschaft zugunsten der Dienstleistungs- und Industriebranche opfern zu wollen.

Hansjörg Walter, Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV), sagte, weltweit würden von den Bauernfamilien grösste Anstrengungen verlangt. Trotzdem reichten die Einkommen vielerorts bereits heute nirgends hin.

Die geplanten neuen Liberalisierungschritte im Rahmen der WTO würden Bauernbetriebe in Bedrängnis führen und die Existenz der Familien gefährden.

John Dupraz, Vizepräsident des SBV, sagte, die Lage der Bauernfamilien habe sich seit dem Abschluss der Uruguayrunde 1994 weltweit verschlechtert und die Konsumenten müssten die Produkte zudem teurer bezahlen.

Kommentar Hanf-Info Redaktion: Tim Groser, Diplomat aus Neuseeland, dem vielgespriesenen Musterland effizienter Landwirtschaft ist eine der leitenden Figuren dieses USA-inszeniserten internationalen Agro-Deals. Es ist offensichtlich, dass Groser den Protest der Bauern kaum ernst nimmt. Vage faselt er von der Ausübung ihrer "demokratischen Rechte" und kann (oder darf?) keine Stellung beziehen. Offenbar will er die Proteste aussitzen, weil er annimmt, dass sie spätestens dann verstummen, wenn Agrarprodukte aus Schwellenländern die europäischen Märkte überschwemmen und der Konsument die Wahl hat zwischen den "teuren" einheimischen Produkten und den Importen, die vielleicht von zweifelhafter Qualität, dafür aber billig sind. Für die WTO scheint es eine ausgemachte Sache, dass jedes Land inklusive der Schweiz früher oder später seine Rolle im WTO-Monopoly zugewiesen bekommt und dass WTO und USA die Regeln bestimmen und notfalls mit Gewalt durchsetzen. s.Hintergrundartikel von attac

Die Nahrungsmittelsouveränität ist schon wegen der Störanfälligkeit, Kosten und Umweltbelastungen des internationalen Transportwesen äusserst wichtig. Zudem ist es eine altbekannte Tatsache, dass Nahrungsmittel aus regionaler Produktion am bekömmlichtsten und gesündesten sind. Die von der WTO in die Wege geleiteten Entwicklungen sind mit ein Grund, in der Schweiz nebst einer Vielzahl von Feldfrüchten auch Hanf anzubauen, denn gerade diese vielseitige Pflanze kann wesentlich zur Versorgung mit vollwertigen Lebensmitteln und Rohstoffen für Papier, Textilien, Tierfutter usw. beitragen. Wohin übermässig intensivierte Landwirtschaft z.B. im Gemüsebau führt, ist auf Satellitenbildern der zerstörten Landschaft von Südspanien zu sehen. Zu den Umweltschäden kommen die gesundheitlichen und sozialen Probleme der Landarbeiter aus Nordafrika

Quelle: schweizerische depeschenagentur ; Internet

Update Donnerstag 18. August 2005 19:04, published Freitag 29. Juli 2005 00:00

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