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Depressionen und andere seelische Erkrankungen

Für die meisten Menschen ist Depression eine vorübergehende Stimmung; für manche ist Depression eine fortschreitende chronische Erkrankung mit schweren körperlichen und emotionalen Symptomen. Wenn sie stark und dauerhaft genug ist, um Arbeit, Freundschaften, das Familienleben oder sogar die Körperliche Gesundheit zu beeinträchtigen, gilt die Depression als psychiatrische Erkrankung - sie ist eine der häufigsten und schwersten dieser Krankheiten. Eine Phase schwerer oder voll ausgebildeter Depression kann von Wochen bis hin zu Jahren andauern. Die Opfer der Krankheit verfallen in untröstliches Elend, in Verzweiflung und Schuldgefühle. Sie fühlen sich wertlos und als Versager; Sie haben keine Hoffnung für die Zukunft und grübeln über Tod und Selbstmord nach. Sie denken oft, dass sie ihr ganzes Geld verloren haben, für schwere Sünden bestraft werden oder an unheilbaren Krankheiten sterben. Manche depressive Menschen geben Traurigkeit und Schuldgefühle nicht zu; statt dessen ziehen sie sich aus allen zwischenmenschlichen Beziehungen zurück, verlieren jedes Interesse am Leben und können keine Freude mehr empfinden. Die Zeit vergeht ihnen wie im Schneckentempo, und die Welt erscheint grau und sinnlos. Normale gefühlsmässige Reaktionen sogar normale Mutlosigkeit und normale Trauer werden unmöglich. Depressive Menschen sind oft mürrisch und reizbar. Sie können sich nicht konzentrieren, kleinste Entscheidungen fallen ihnen schwer. Sie wälzen endlos immer wieder dieselben Gedanken in ihrem Bewusstsein. Manche depressiven Patienten sind lustlos und lethargisch, ihre Bewegungen sind langsam, die Sprache matt und das Gesicht ausdruckslos - in extremen Fällen ähneln die Stummheit und Bewegungslosigkeit dem katatonischen Stupor. Andere laufen auf und ab, weinen, klagen und ringen in angstvoller Aufregung die Hände. Bei der Bipolaren oder manisch-depressiven Erkrankung wechselt schwere Depression mit unkontrollierbarem Überschwang, der sogenannten Manie, ab.
Die Depression betrifft nicht nur die Stimmung. Depressiven Menschen fehlt die Energie in jedem Sinn, körperlich genauso wie emotional und intellektuell. Die körperlichen Hauptsymptome können Appetit und Schlaflosigkeit sein (manchmal auch übertriebenes Schlafbedürfnis und ein riesiger Appetit), Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Magenbeschwerden, Verstopfung, und vor allem chronische Müdigkeit. Menschen, die behaupten, sie seien "ständig müde", sind manchmal eigentlich depressiv, auch wenn sie ihre Traurigkeit und Verzweiflung nicht zugeben. Manische Menschen auf der anderen Seite sind schlaflos und ruhelos - bis sie erschöpft zusammenbrechen.
Die übliche Behandlung bei Depression besteht aus den vielen Antidepressiva, die in den letzten vierzig Jahren entwickelt wurden. Diese Drogen wirken gegen ein breites Symptomspektrum; sie werden nicht nur bei verschiedenen seelischen Erkrankungen, sondern auch bei sogenannten Persönlichkeitsstörungen eingesetzt. Die beliebteste Klasse von Antidepressiva sind die trizyklinischen Medikamente; zu ihnen zählen Imipramin (Tofranil®), Amitriptylin (Saroten®, U.S.A.: Elavil®), Deispramin (Pertofran®, U.S.A.: Norpramin®), und verschiedene andere Medikamente. Ihre häufigsten Nebenwirkungen sind Mundtrockenheit und verschwommene Sicht. Ausserdem können Gewichtszunahme, Verstopfung, Schwierigkeiten beim Wasserlassen und orthostatischer oder haltungsabhängiger niedriger Blutdruck auftreten (Schwindel, der durch einen reduzierten Blutzufluss zum Gehirn beim Aufsitzen oder Aufstehen entsteht). Das kann für Patienten mit Kreislaufkrankheiten gefährlich sein, da diese Medikamente den Herzschlag beschleunigen und den Herzrhythmus stören können. Eine weitere Gruppe von Antidepressiva sind die Monoaminoxidase (MOA)-Hemmer: Isocarboxaid (U.S.A.: Marplan®, in Deutschland nicht mehr erhältlich), Tranylcypromin (Parnate®) und Phenelzin (U.S.A.: Nardil®, in Deutschland nicht mehr erhältlich). Sie können zu Schwindel, Schlaflosigkeit und Impotenz führen und, wenn sie mit tyraminhaltigen Nahrungsmitteln wie Rotwein, Gurken und bestimmten Käsesorten zusammentreffen, einen gefährlichen Bluthochdruck hervorrufen. Aufgrund dieser potentiell schweren Nebenwirkungen sind sie kaum jemals die Mittel der ersten Wahl bei der Behandlung von Depressionen, aber sie können für Patienten hilfreich sein, denen andere Medikamente nicht helfen. Etwa ein Drittel der depressiven Patienten reagiert nicht auf trizyklische Medikamente und MAO-Inhibitoren oder kann deren Nebenwirkungen nicht ertragen. Manche dieser PatientInnen können mit einem der neuen Antidepressiva, die in den letzten Jahren auf den Markt gekommen sind, behandelt werden; das beliebteste von ihnen ist Fluoxetin (Fluctin®, U.S.A.: Prozac®). Seine Nebenwirkungen sind gelegentliche Übelkeit, Gewichtsverlust und Ruhelosigkeit (bei manchen Patienten auch Schläfrigkeit).
Die bevorzugte Behandlung für Manien wie Depressionen bei der manisch-depressiven Erkrankung ist die Verabreichung von Lithiumcarbonat. Es wirkt ebenfalls nur teilweise, und zu den vielen Nebenwirkungen gehören Gewichtszuhnahme, Handzittern, und Schläfrigkeit, exzessiver Durst und Harndrang und eine mögliche Schädigung von Herz, Nieren und Schilddrüse. Die Patienten setzen die Lithiumeinnahme oft wegen dieser Nebenwirkungen ab; mitunter auch, weil das Lithium ihnen mit den manischen Phasen auch einen Teil der Freude am Leben nimmt. Manche bezeichnen Lithium als eine "locker sitzende, emotionale Zwangsjacke".
In der westlichen medizinischen Literatur wird Hanf zum ersten Mal Mitte des neunzehnten Jahrhunderts als Antidepressivum erwähnt. 1845 schlug Jaques-Joseph Moreau de Tours seine Verwendung bei Melancholie (besonders wenn sie mit zwanghaftem Grübeln einhergeht) sowie allgemein bei chronischen Geisteskrankheiten vor. In den nächsten hundert Jahren wurde der Nutzen von Hanf für die Behandlung verschiedener Geisteskrankheiten in einer Anzahl medizinische Veröffentlichungen diskutiert und befürwortet. 1947 verabreichte der englische Arzt G.T. Stockings in einer unkontrollierten Studie fünfzig depressive Patienten ein synthetisches Cannabinoid, und sechsunddreissig zeigten eine deutliche Verbesserung ihres Zustandes. Das zwanghafte Grübeln wurde bei sechs von sieben Patienten deutlich reduziert. 1948 versuchte D.A. Pond ohne Erfolg, diese Ergebnisse zu reproduzieren. Eine Doppelblindstudie mit siebenundfünfzig Patienten, die an schwerer Melancholie oder milder Depression litten, wurde 1950 von C.S. Parker und F.W. Wrigley durchgeführt; sie fanden keinen Unterschied zwischen dem synthetischen Cannabinoid und einem Placebo. Aber sie verwendeten eine geringere Dosierung als Stockings (10-20 mg im Gegensatz zu 15-90 mg) und behaupteten, das sei notwendig, weil das Medikament eine stark sedierende Wirkung hätte. Synthetische Cannabinoide mit weniger stark sedierender Wirkung könnten sich jedoch noch als nützlich für die Behandlung von Depressionen erweisen.
Die jüngste Studie über Cannabis und Depressionen wurde 1973 durchgeführt. Acht hospitalisierte Patienten erhielten bis zu eine Woche lang entweder THC oder ein Placebo. Das THC linderte ihre Depression nicht, und bei vier der Patienten führte es zu Unbehagen und so grossen Angstzuständen, dass es abgesetzt werden musste. Die Autoren warfen die Frage auf, ob "in anderen Versuchsanordnungen oder bei Patienten mit weniger schweren depressiven Symptomen andere Effekte beobachtet werden könnten. Sie stellten auch fest, dass "die Verabreichung von THC unter Doppelblindbedingungen in diesem Versuch den Aufbau positiver Erwartungen bei den Patienten ausschloss. Die Tatsache, dass die Patienten sich nicht auf die Erfahrung eines veränderten bewusstseinszustandes einstellen konnten, kann ebenfalls zu den vorwiegend negativen Auswirkungen des Medikamentes bei diesen depressiven Patienten beigetragen haben. Schliesslich muss die relativ kurze Versuchsdauer (eine Woche) berücksichtigt werden, das Standart-Antidepressiva zwei oder drei Wochen brauchen, um eine klinische Verbesserung zu erzielen."
Von der Minderheit der depressiven Patienten, die auf die Standart-Antidepressiva nicht reagieren oder die Nebenwirkungen unerträglich finden, haben inzwischen nicht wenige entdeckt, dass Hanf besser als jede legale Droge hilft. Dass die im folgenden beschriebene Patientin Hanf benutzte, erfuhren wir zuerst von ihrer Psychiaterin. Diese rief uns an, weil sie zu ihrem Erstaunen feststellen musste, dass Hanf besser als die von ihr verschriebenen Medikamente half, und sich seiner Unbedenklichkeit vergewissern wollte. Die Patientin berichtet:

Ich bin neununddreissig, im Gesundheitsbereich tätig und leide an chronischer Depression. Ich konnte das College absolvieren und schloss mein Promotionsstudium sogar mit Auszeichnung ab; ich konnte auch eine erfolgreiche berufliche Laufbahn einschlagen, aber es war ein ständiger Kampf. Wie erfolgreich ich auch war, wieviel Lob ich auch erhielt, es kam nichts bei mir an. Ich konnte nur über meine Misserfolge grübeln und schien keine Kontrolle über meine unrealistisch negativen Gedanken zu haben.
Meine erste längere depressive Phase trat 1969 auf, als ich meine Familie verliess und zum College ging. Nach einem halben Semester brach ich das Studium ab und begann mit zwei Therapiesitzungen pro Woche bei einer Psychiaterin. Mit ihrer Hilfe und Verwendung eines trizyklischen Antidepressivums konnte ich im folgenden September auf ein College zurückkehren, das nicht so weit von Zuhause weg war. Ich suchte weiterhin einmal pro Woche meine Therapeutin auf, bis ich im August 1976 das College verliess. Während ich an einer Schule im Mittleren Westen war, ging ich regelmässig zu einem Psychiater, der für seine Erfahrung mit der pharmakologischen Behandlung von Depressionen bekannt war. Seit ich 1981 wieder in den Osten zurückgekehrt bin, habe ich die Therapie bei meiner ursprünglichen Psychiaterin wieder aufgenommen und gehe alle ein oder zwei Wochen zu ihr. Unter der Anleitung dieser Therapeuten habe ich über ein Dutzend verschiedene Medikamente ausprobiert, darunter verschiedene trizyklische Antidepressiva, Prozac®, Lithium, Ritalin® (Methylphenidat, ein dem Amphetamin verwandtes Stimulans), synthetisches Schilddrrüsenhormon und vermutlich noch andere, die ich vergessen habe. Nur Elavil® in hohen Dosen und Kombinationen von Dexedrin® (Dextroamphetamin) und einem Barbiturat haben meine Stimmungen wirklich beeinflusst. Elavil® hilft nur während einer unbedeutenden Depressionsphase, und die Nebenwirkungen, besonders die Verstopfung, sind sehr lästig. Da der Einsatz von Dexedrin® und Barbituraten als Antidepressiva als unorthodox gilt, war meiner Therapeutin und mir dabei etwas unbehaglich, aber es war die einzige Kombination von Medikamenten, die geholfen hat. Verschiedene prominente Psychiater haben dies bestätigt und empfohlen, das ich nehmen sollte, was hilft. Aber nun hat bei beiden Drogen ein Gewöhnungseffekt eingesetzt, der ihre Wirkung beeinträchtigt (ich habe sorgfältig darauf geachtet, die Dosis nicht zu erhöhen, weil ich die Gefahren kenne), Im Frühling 1990 habe ich zum ersten Mal seit 1973 wieder Hanf geraucht. Zu meiner Überraschung veränderte sich nach einem viertel Joint meine Selbstwahrnehmung; ich empfand mich als die Person, die andere in mir sahen. Es war ein Unterschied wie Tag und Nacht. Ich hatte eine ähnliche Veränderung vorher nur wenige Male erlebt, wenn Elavil® mich aus meinen Abgründen riss. Aber bei Elavil® dauerte es mit schnell ansteigender Dosierungsfolge vier Tage; Hanf wirkte jedesmal in knapp fünf Minuten. Seit dieser Zeit benutze ich Hanf um klar zu denken, um mich zu konzentrieren und einfach die Schönheit der Welt so zu geniessen, wie ich es jahrelang nicht konnte.
Ich Versuchte, dieselben positiven Gefühle in mir zu tragen, wenn ich nicht direkt unter dem Einfluss von Hanf stehe. Ich benutze Hanf nun einmal oder meistens zweimal täglich als Antidepressivum. Niemand merkt, dass ich es rauche, weil ich mich nicht "stoned" verhalte. Ich habe meine anderen Medikamente geringer dosiert und vergesse oft, sie zu nehmen. Nachdem ich morgens Hanf geraucht habe, fürchte ich mich nicht länger vor der Verantwortung, zur Arbeit zu gehen, sondern freue mich darauf. Früher pflegte ich am Morgen erschöpfter aufzuwachen, als ich ins Bett gegangen war. Sogar am Wochenende und im Urlaub fand ich se schwer, mich anzuziehen und aufzustehen. Sowie ich Hanf geraucht habe, ändert sich das. Ich fühle mich energiegeladen und gesellig; ich möchte mit anderen Menschen zusammensein, mich bewegen und das tun, was getan werden muss. Ich liebe das Leben. Ich sehe mich sogar im Spiegel anders und erkenne, dass ich nicht das unansehliche Ekel bin, das ich sonst sehe. Als ich anfing, Hanf zu rauchen, merkte ich, dass ich meine Zeit nicht mit dem Menschen verbrachte, mit dem ich zusammensein wollte, also beendete ich eine unbefriedigende Beziehung von zweieinhalb Jahren. Nun bin ich mit jemanden zusammen, den ich zutiefst liebe. Ohne Hanf komme ich nur durch Masturbation oder nach heroischen Anstrengungen während des Geschlechtsverkehrs zum Orgasmus. Hanf verwandelt mich in ein sexuell voll entwickeltes Menschenwesen. Ich kann unpassende Gedanken leicht ausschliessen und meine Gefühle geniessen. Ich kann durch Simulierung egal an welcher Stelle meines Körpers, sogar nur durch Küssen, Orgasmen bekommen - es ist erstaunlich!
Ich finde es unfair und grausam, dass ausgerechnet das Antidepressivum, das mir am meisten hilft (und wahrscheinlich in seiner reinen Form am wenigsten toxisch ist) nicht legal verschrieben werden darf. Um es mir zu verschaffen, muss ich das Gesetz brechen und unglaubliche Preise für ein Heilkraut zahlen, dessen Produktionskosten minimal sind.

Ein anderer Patient, der zeitweise an Depressionen leidet, schiebt folgendes:
Ich bin siebenundvierzig Jahre alt und Teilhaber einer millionenschweren Firma. ... Sobald ich zur Schule ging, wurden meine emotionalen Probleme offensichtlich, und eine endlose Wanderschaft von Praxis zu Praxis begann. Meine Angst vor der Schule ging so weit, dass ich mich sogar ein paar Mal durch das Fenster von dort weggeschlichen habe. Ich verbrachte viel Zeit bei Gesprächen mit Sonderpädagogen und Sozialarbeitern. Von früh an wurde ich von zahllosen Ärzten untersucht. Der erste, an den ich mich erinnere, verschrieb mir spezielle Einlagen für meine Schuhe (gegen die Kopfschmerzen) und einen Sirup, der mir nachts Schlaf bringen sollte.
Die Kopfschmerzen blieben; meine Depression wurden zu lähmenden Episoden, die mehrmals im Jahr auftraten und Tage oder Wochen dauerten. Ihretwegen verpasste ich in der Oberstufe viel Schulstoff.
In meinem letzen Jahr an der High School wurde es noch schlimmer. Der Arzt verschrieb mir Miltown® (Meprobamat, ein angstlösendes Medikament). Ich nahm es über mehrere Monate in verschiedenen Dosierungen. Es machte mich schläfrig und schwindelig; meine Sprache wurde verwaschen, und ich litt unter chronischen Durchfall. Meine Schulschwierigkeiten verschlimmerten sich. Ich verlor allmählich die Koordinationsfähigkeit. Meine Depressionen dauerten an und verschlimmerten sich vielleicht sogar. Ich war froh, als ich damit wieder aufhören konnte. Meine Erfahrungen mit Miltown® war so schrecklich, dass ich mich in den nächsten zwei Jahren weigerte, irgendeine andere "mentale" Droge zu nehmen. Ich ging einmal wöchentlich zu einem Therapeuten. Seine Diagnose lautete "Phasen akuter Depression".
In dieser Zeit schaffte ich es mit Mühe und Not, die High School abzuschliessen und wurde in einem kleinen College aufgenommen. Im zweiten Semester machte ich einen Selbstmordversuch. Ein Arzt sagte mir, ich hätte eine "zwanghafte Persönlichkeit". Er schlug mir Librium® vor. Ich begann diese Droge zu nehmen und fand mich in einem ständigen Zustand der Depression, Verwirrtheit und Lethargie. Ich musste das College verlassen. Als meine Sprache wieder verwaschen wurde, setzte ich das Librium® ab.
Ich arbeitete als Lastwagenfahrer und suchte mir einen neuen Arzt, einen Psychiater. Nach neun Monaten bewarb ich mich wieder am College und wurde aufgenommen. Der Arzt überredete mich, ein anderes Medikament auszuprobieren, Tofranil®, das er für sehr wirksam zur Behandlung von Depressionen hielt. Ich begann damit und stellte fest, dass ich mich überhaupt nicht mehr konzentrieren konnte. Ich wurde unruhig und ängstlich, konnte fast nicht mehr urinieren, und in meiner linken Brustwarze entwickelte sich ein Knoten von der Grösse einer Murmel. Der Arzt schrieb diese Symptome dem Tofranil® zu. Ich hörte damit auf und verliess die Schule wieder. Meine Depression war immer noch da, und ich suchte verzweifelt nach irgendeiner Erleichterung. Ausserdem bekam ich Magenschmerzen. Eine Serie von Untersuchungen enthüllte ein Zwölffingerdarmgeschwür. Ich kaute ständig Antazida und nahm Tabletten namens Zentac®.
Das Leben wurde immer schwieriger, und der Arzt schlug mir ein anderes Medikament vor, Vivactil® (Protriptylin, ein trizyklisches Antidepressivum). Wiederum waren die Nebenwirkungen schrecklich. Ich war unruhiger als je zuvor, hatte grosse Schwierigkeiten beim Urinieren, und meine chronische Hauterkrankung (Neurodermitis) verschlimmerte sich dramatisch. Ich hatte einen merkwürdigen Geschmack im Mund, der nicht mehr wegging, und mir war ständig übel. Bald nachdem ich mit Vivactil® aufgehört hatte, fand ich mich mit der Diagnose "atypische Depression" in der psychiatrischen Abteilung eines New Yorker Krankenhauses wieder.
Im Hospital setzte man mich auf Lithium. Nach zwei Tagen fingen meine Hände an zu zittern. Dieser Tremor wurde so intensiv, dass ich nach einer Woche kein Glas mehr halten konnte, ohne den Inhalt zu verschütten. Ich litt unter Durchfall und Übelkeit; meine Sicht war verschwommen.
Ich hörte mit dem Lithium auf und verliess das Krankenhaus nach zwei Wochen. Als ich wieder zu meinem Therapeuten kam, sagte er etwas Ungewöhnliches: "Ich schlage Ihnen das nicht etwa vor", sagte er. "Wenn ich das täte, könnte ich meine Lizenz verlieren, aber haben sie einmal Hanf probiert?" Ich hatte früher einmal in der High School etwas geraucht, von dem behauptet wurde, es sei Hanf, ohne eine Wirkung zu spüren, fand aber, es wäre einen Versuch wert. Ich rief eine Freundin an, von der ich glaubte, sie würde wissen, wie und wo ich etwas kaufen könnte, und am nächsten Tag brachte sie mir zwei Joints. Später erfuhr ich, dass ihr Mann (ein Zahnarzt) mit Hanf seine chronische Depression behandelte. Entsprechend meinen früheren Erfahrungen waren meine Erwartungen gering. Allein in meinem Zimmer zündete ich mir den ersten Joint an. Bald fand ich mich in Träumereien verloren. Vorher drängte sich, wenn ich depressiv war, die Traurigkeit in den Mittelpunkt meines Daseins. Nun wurde mein Geist von neutralen und sogar lustigen oder erfreulichen Gedanken abgelenkt. Die ständige Qual der Depression wurde auf einen gelegentlichen, nagenden Schmerz reduziert. Ich schlief gut und wachte erfrischt auf, nicht "vollgedopt" und lethargisch. Bald wurde deutlich, dass eine Hanfzigarette mir, wenn eine depressive Phase mich in ihren Fängen hielt, grössere Erleichterung verschaffte als alles, was ich davor ausprobiert hatte - keine Heilung, aber immerhin etwas, das die Qual linderte. Das Hanf erlaubte mir mehr als jedes zugelassene Medikament, Normal zu funktionieren. Ich wurde nicht schläfrig, musste nicht zittern und litt unter keinen Nebenwirkungen, wie ich sie von meinen früheren Medikamenten her kannte. Ich entwickelte einen Appetit wie nie zuvor und legte ein paar dringend benötigte Pfunde zu. Ich hatte plötzlich Ideen, die mir sonst nie gekommen wäre, manche praktischer Art, manche nicht. Ich konnte die schwarze Wolke, die mich umgab, durchstossen und weit genug herausklettern, um meinen Pflichten nachzukommen. Hanf hinderte die depressiven Gedanken daran, zum totalen Brennpunkt meines Lebens zu werden.
Die Tatsache, das Hanf illegal ist, führte dazu, dass ich nach einer legalen Medizin suchte, die mindestens genauso effektiv war. Als nächstes erhielt ich Norpramin®. Dieses synthetische Mittel bot keine Linderung und ging mit einer Vielzahl von Nebenwirkungen einher; Meine Prostatabeschwerden verschlimmerten sich, ich hatte Durchfall, ständig einen schlechten Geschmack im Mund, und meine Zunge färbte sich schwarz. Ungefähr ein Jahr lang erhielt ich Adapin® (Doxepin, ein anderes trizyklisches Antidepressivum); hier waren die Nebenwirkungen gering, aber auch mein Zustand änderte sich wenig oder gar nicht. Ich erhielt auch Buspar® (Buspiron, ein angstlösendes Medikament), das praktisch gar keine Wirkung hatte. Vielleicht das schlimmste von allen war Prozac®. Es verursachte mir Angst, Übelkeit, Schwindel bis hin zur Ohnmacht, und ich konnte keinen Orgasmus mehr bekommen. Ich habe auch Desyrel® (Trazodon) ausprobiert, was nur wenige Nebenwirkungen verursacht, aber auch wenig nützt.
Da ich dies schreibe, rauche ich seit über zwanzig Jahren Hanf. Es dämpft die Qual der Depression und lindert Übelkeit und das Sodbrennen aufgrund der Überproduktion von Säure. Ich kann friedlich schlafen. Hanf regt meine Fantasie an, wenn ich an kreativen Projekten arbeite. Es vergrössert einfache Freuden wie Kekseknabbern und Waldspaziergänge. Aber weil die Verwendung von Hanf meine Freiheit bedroht, würde ich einen legalen Ersatz vorziehen. Bis jetzt habe ich nichts gefunden. Ich benutze keine anderen illegalen Stoffe und bin Nichtraucher. Mein Alkoholkonsum beschränkt sich auf einen gelegentlichen Drink am Samstagabend. Ich trinke eine Tasse Tee und zwei Gläser Cola am Tag. Ich nehme mehrmals pro Woche ein Aspirin®.

Der folgende Bericht stammt von einer einundvierzigjährigen Frau, die unter manisch-depressiven Schüben leidet.

Ich wurde am Freitag, dem 13.Oktober 1950 geboren, ein paar Monate, bevor mein Vater seinen ersten Schub von manischer Depression hatte. Meine Mutter erzählte, dass er damals wertvolle Kunstobjekte, die ihnen gehörten, in ihrem New Yorker Apartmenthaus in den Müllschlucker warf.
Ich verbrachte eine glückliche Jugend, in der ich sehr zurückgezogen lebte. Inwieweit das meiner Gemütserkrankung zuzuschreiben ist, kann ich nicht sagen. Solange ich allein war, fiel es mir nicht auf; ich folgte einfach den Wellen emotionaler Höhen und Tiefen und dachte nicht viel darüber nach. Als ich mit neunzehn meinen Mann kennenlernte, ging ich mit den wechselnden Launen ganz geläufig um. Erst aufgrund meiner Verbindung mit ihm setzte ich mich mit meinen Stimmungsproblemen auseinander. Allerdings hatte ich mich, kurz bevor ich ihm begegnet war, in einer psychiatrischen Klinik durchchecken lassen, weil ich mich manchmal nicht in der Lage fühlte, mich wirklich auf eine Sache zu konzentrieren.
Ich glaube, ich war zweiundzwanzig Jahre alt, als meine Schwierigkeiten wieder ausbrachen. Irgendwann suchten mein Mann und ich einen Psychologen auf. Wir sprachen über meine Stimmungsumschwünge und meine Anfälle von Nervosität, Wut und Depression. Das winzigste unerfreuliche Geschehnis rief dann lang dauernde Wut hervor, die sehr schwer zu bezähmen war. Wir erzählten dem Psychologen von der Krankheit meines Vaters, die zu diesem Zeitpunkt schon recht lange dauerte und sehr ernst war. Ich glaube, er war damals so ziemlich in jeder staatlichen Psychiatrieklinik an der gesamten Ostküste gewesen. Meine Großmutter, seine Mutter, dämmerte zu dieser Zeit bereits dahin, sie hatte ihren Lebenslangen Kampf gegen die chronische Depression verloren. Ich weiss nicht viel über ihren Fall, ausser das sie chronisch traurig war und sich, als ihr Mann gestorben war, zu Tode hungerte.
Dieser Psychologe empfahl meinem Mann und mir, ein wenig abzunehmen; einen anderen Rat gab er uns nicht. Wir suchten ihn nicht mehr auf. Damals kannte ich schon die meisten meiner heutigen Symptome, aber sie haben sich von Jahr zu Jahr verschlimmert. Manchmal fühle ich mich erhoben, erregt und voller Energie. Das klingt grossartig, aber glauben sie mir: man kann sich so gut fühlen, das man die Menschen um sich her zur Verzweiflung treibt! In solchen Zeiten schlafe ich wenig und gehe spät ins Bett. Ich werde aus nichtigen Anlässen wütig oder aggressiv oder rede auch nur einfach zu laut. Ich habe oft ein schlechtes Bild von mir und fühle mich traurig. Manchmal schaffe ich es kaum, aufzustehen und mich an die Arbeit zu begeben; es ist dann, als ob ein grosses Gewicht auf mir lastet und mir jede Bewegung schwer macht. Meine Gedanken rasen, und ich kann mich nicht konzentrieren.
Ich erlebe heftige Gefühlsregungen, die schnell wieder verfliegen. Ich bin oft körperlich sehr ungeschickt. Ich leide unter unerklärlichen Hautausschlägen, und manchmal ist mir, als würde ich Elektrizität erzeugen und sie aus meinen Fingern und Zehen herausschiessen lassen. Mein Urteilsvermögen ist oft miserabel.
Mit Anfang zwanzig benutzte ich zum ersten Mal Hanf gegen meine Zustände. Ich hatte es zuvor schon mehrmals geraucht; bei meiner frühesten Begegnung mit diesem Heilkraut war ich noch ziemlich jung: Als sich in meiner Kindheit die ersten Beschwerden eingestellt hatten, suchte meine Mutter mit mir ein Gesundheitszentrum auf. Nach einer gruppentherapeutischen Sitzung nahmen mich ein paar andere Kinder beiseite und gaben mir einen Joint. Es passierte überhaupt nichts, und ich schloss daraus, es sei eine milde Droge.
Als ich es später probierte, war es mir lieber als Alkohol, weil es nicht so starke und negative Auswirkungen auf mich hatte. So entdeckte ich, dass es gegen die meisten meiner Symptome half. Angenommen, ich steckte in einem Anfall von manischem Zorn - dem zerstörerischsten Verhalten überhaupt. Ein paar Züge Gras, und ich kann ruhig sein. Mein Mann und ich haben das beide festgestellt; es ist richtig dramatisch. Im einten Moment bin ich noch völlig ausser Kontrolle und gerate wegen einer belanglosen Kleinigkeit dermassen in Raserei, dass ich streng genommen reif für die Zwangsjacke bin - während ich mich irgendwo tief in meinem Inneren frage, warum das alles geschieht und warum ich mit meinem Gefühl nicht fertig werde. Und schon nach wenigen Minuten - solange ich eben brauche, um eine halbe Zigarette zu rauchen - habe ich mich entschuldigt und könnte sogar über mich selbst lachen! Aber diese Pflanze ist verboten, und ich habe sehr den Wunsch, das Gesetz zu befolgen. Mein Vater hatte viel Erfolg mit einem neuen Medikament, Lithiumcarbonat. Ich suchte den Arzt meines Vaters auf, und er empfahl mir, es zu versuchen. Ich nahm sechs Monate lang Lithium und erlebte mehrere negative Nebenwirkungen - Schüttelfrost, Hautausschläge und Verlust meiner Sprachkontrolle. Aber ich würde es immer noch nehmen, wenn es mir so geholfen hätte wie meinem Vater. Es stellte sein Leben buchstäblich wieder her. Mir ging es, wenn es überhaupt eine Veränderung gab, eher noch schlechter.
Die Kombination der Nebenwirkungen des Lithiums und die verschlimmerten manisch-depressiven Symptome führten dazu, dass ich wieder zu Hanf zurückkehrte. Einige Jahre später probierte ich wieder, darauf zu verzichten, diesmal wegen des erhöhten sozialen Drucks gegen die Benutzung illegaler Drogen. Es war für meine Familie eine sehr schwierige Zeit. Immer wenn ich begann, manisch zu werden, duckten mein Mann und mein Sohn sich verschreckt zusammen, was erst recht meine Wut auslöste und alles noch schlimmer machte. Wenn die Depression mich in ihren Klauen hielt, schwebte ein dunkler Schatten über unserem Haushalt. Und ich weiss aus der Erfahrung mit meinem Vater, dass diese Dinge eine Familie wirklich zerstören können. Nach einer weile wurde das Wissen, das ein bisschen von diesem Kraut mir so viel helfen könnte, unwiderstehlich. Zuerst versuchte ich, Hanf zu essen, aber bald rauchte ich wieder, weil ich dann die Dosis besser kontrollieren konnte.
Die rechtliche Situation ist heute schlimmer als je zuvor. Ich setze meine Freiheit und meinen sozialen Status aufs Spiel, um meine Krankheit in Schach zu halten. Aber habe ich eine Wahl? Ich selbst sehe mich überhaupt nicht als eine Drogensüchtige. Ich tue, was jeder vernünftige Mensch in meiner Lage tun würde. Hanf heilt meine Krankheit nicht, und sie hat sich im Laufe der Jahre eher verschlimmert. Aber wenn ich diese Medizin in Massen einsetze, ist mein Leben einfach besser. Ich kann damit die Dinge unter Kontrolle halten. Und ich habe diese Arznei im Vergleich zu den anderen Drogen, die ich ausprobiert habe - seien es nun Tranquilizern oder sei es Lithium - als eher harmlos erlebt. Ich lebe in der ständigen Sorge, von meiner Hanfversorgung abgeschnitten zu werden oder mit Hanf in meinem Besitz erwischt zu werden. Ich habe das Gefühl, meine geistige Gesundheit hängt davon ab. Hanf lindert meine Qualen und bringt mich in einen normaleren zustand. Oft erlebe ich überhaupt nicht, dass ich "high" werde, sondern empfinde nur eine Rückkehr zur Normalität.

Auszug aus dem Buch
Marihuana, die verbotene Medizin
Von Dr.med. Lester Grinspoon
Und James B. Bakalar
2000
ISBN 3-86150-273-9
Date de parution Mittwoch 12. November 2003 16:24

Forum de l'article

Depressionen und andere seelische Erkrankungen
Ich leide seit längerem under schlafstörrungen,appetitlosigkeit und depressionen. Ich finde dass der Cannabiskonsum hilft... allerdings nicht zu viel weil es auch schädlich ist.
Seit ich Cannabis vor dem schlafen konsumiere (1 Joint) kann ich besser schlafen, habe mehr hunger ( zugenommen) und meine stimmung ist auch gut. Für mich gibt es versch. Methoden gegen dies anzutreten. ( Cannabis,Liebe,Sexualität,Musik ect.. finde ich viel bessere Methoden als mit Benzos ( Temesta,Cipralex ect) Medis... Geniesst mal den Cannabiskonsum

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9 März 2009 par musicsam

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